pv_die-grune-online

Dank Wendeautomatik am Traktor: Hände weg vom Lenkrad

Automatische Spurführung hat sich in der Praxis bewährt. Andreas Wyssbrod greift auch am Vorgewende immer seltener ins Lenkrad und nutzt die Wendeautomatik. Allerdings braucht es dazu genügend Platz.

Andreas Wyssbrod nutzt bei grösseren Parzellen die Wendeautomatik.
Andreas Wyssbrod nutzt bei grösseren Parzellen die Wendeautomatik.

Kurz & bündig

- Mit der Wendeautomatik dreht der Traktor am Vorgewende automatisch. - Die Automatik wendet präziser und gleichmässiger als manuelles Lenken. - Die Funktion dreht flüssiger, bodenschonender und schneller. - Die Funktion benötigt ein breites Vorgewende und grosse Parzellen.

Lohnunternehmer Andreas Wyssbrod aus dem bernischen Rubigen benötigt das Lenkrad in seinem 6R John Deere 185 für das Hin- und Herfahren auf dem Acker schon lange nicht mehr. Mit Autotrac folgt der Traktor der Spur automatisch. Nun dreht Wyssbrod auch am Vorgewende immer seltener am Lenkrad. Seit diesem Jahr aktiviert er, wenn immer möglich, die Wendeautomatik.

Die perfekte Wende ist automatisiert

Der Traktor kann also nicht nur exakt einer Spur folgen, sondern am Vorgewende selber in die nächste Spur lenken. Am Terminal lässt sich einstellen, wie der Traktor mit der gezogenen Sämaschine drehen soll: Soll er die anschliessende Spur nehmen oder einige Spuren überspringen? «Hier kommt es auf die Breite des Anbaugeräts an, wie viele Spuren man auslässt. Wichtig ist, dass das Wendemanöver in einem Guss erfolgt», sagt Andreas Wyssbrod.

Er hat festgestellt, dass die Wendeautomatik besser dreht, als er es selber tut. «Ich hole meistens zu wenig aus und will schnell drehen, dann steht das Anbaugerät nicht immer schön ausgerichtet, wenn die Arbeitswerkzeuge abgesenkt werden.»

Kein Nutzen bei kleineren Parzellen

So praktisch das System ist: Leider lässt sich die Wendeautomatik nicht auf jeder Parzelle anwenden. «Mit meiner Vier-Meter-Maschine muss ich fünfmal ringsum fahren, damit ich am Vorgewende eine Breite von zwanzig Metern habe. Das braucht es, damit das Gespann in einem Bogen drehen kann.» Das Problem dabei: Die meisten Parzellen sind nach fünf Umgängen schon fast fertig gesät. Etwa zwei Hektaren braucht es schon, damit man den Traktor einige Male automatisch drehen kann.

Das Spurführsystem ermöglicht das Wenden auch dann, wenn das Vorgewende noch nicht gesät ist. Wenn es besser ist, nicht auf der Saat zu drehen und das Vorgewende am Schluss zu bearbeiten und zu säen, kann die 20-Meter-Linie virtuell gesetzt werden. Die Maschine startet dann die Vorgewendeautomation an der richtigen Stelle. Dazu müssen natürlich die Feldgrenzen vermessen sein.

Automatisierung bringt viel Präzision

Andreas Wyssbrod befasst sich schon über zwanzig Jahre mit Spurführung. Die Autotrac-Wendeautomatisierung hat er schon länger im System. Aber erst seit diesem Jahr nutzt er sie konsequent. «Ich habe mir vorher nie die nötige Zeit genommen. Man muss sich intensiv damit beschäftigen, bis alles automatisiert ist.» Damit die Automation funktionieren kann, müssen alle Drehpunkte von Traktor und Maschine exakt eingemessen werden. Wenn dies erfüllt ist, kann man profitieren.

«Man sitzt tatsächlich entspannter auf dem Traktor, wenn er am Vorgewende alles selber macht. Und vor allem bei den gezogenen Anbaugeräten fährt der Traktor automatisiert exakter in die Spur als ich.» Deswegen fällt Wyssbrod kein Zacken aus der Krone. Er weiss, dass automatisierte Prozesse immer exakter als der Mensch arbeiten. Einen möglichen Zeitgewinn hat Andreas Wyssbrod nicht ausgewertet. Allerdings hat er den Eindruck, dass die automatisierten Abläufe runder ablaufen, immer gleich und dadurch sicherlich schneller seien.

Die Autotrac-Wendeautomatisierung steuert das gesamte Wendemanöver am Vorgewende. Dabei werden nicht nur die Traktor-, sondern auch die Anbaugerätefunktionen gesteuert. Andreas Wyssbrod regelt die Fahrgeschwindigkeit und das Ausheben des Anbaugeräts mit dem Dreipunkt und dem Fahrwerk am Anbaugerät. Nach dem Drehen werden die Arbeitswerkzeuge wiederum auf der definierten Linie eingesetzt und gestartet.

Das gesamte Drehmanöver wird über ein Vorgewendemanagement verwaltet. Die Arbeitsgeschwindigkeit und die Vorgewendegeschwindigkeit werden mit zwei Tempomaten geregelt, die ebenfalls ins Vorgewendemanagement eingebunden sind.

Automatisch drehen kann sich bezahlt machen

Gemäss Agripedia, der Wissensplattform der Agridea, kommt die Entlastung des Fahrers vom Lenken vor allem bei Arbeitsgängen zugute, bei denen gleichzeitig Maschineneinstellungen überwacht werden müssen, zum Beispiel bei Sämaschinen. Das trifft auch am Vorgewende zu. Mit der Autotrac-Wendeautomatisierung von John Deere, wie sie Andreas Wyssbrod einsetzt, ist somit ein Nutzen zu erwarten. Vor allem dann, wenn die Auslastung hoch ist und der Maschineneinsatz überbetrieblich erfolgt. Der Zeitgewinn beim Wenden existiert bereits bei der Möglichkeit, Fahrspuren zu überspringen, damit in einem Zug und ohne Rückwärtsmanöver gedreht werden kann. Hier kann ein Zeitgewinn von rund 30 Prozent erreicht werden. In konkreten Zahlen können laut Agripedia bis zu acht Sekunden gewonnen werden. Das ist bereits dann möglich, wenn manuell in die nächste Fahrspur gelenkt wird. Mit der Wendeautomatik kann hier noch einmal ein Zacken zugelegt werden, wie die Erfahrung von Andreas Wyssbrod zeigt (siehe Haupttext). Die Zahlen sind jedoch das Eine. In der Praxis überzeugt die automatische Wendung vor allem durch ihren flüssigen Ablauf. Die Maschinenbewegungen am Vorgewende laufen fliessend ineinander. Das reduziert dynamische Kräfte, die auf den Traktor wirken, was den Boden schont.