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Simone de Montmollin: «Die Arbeit der Ehefrau aufwerten»

Die soziale Absicherung der Frauen ist für die Landwirtschaft entscheidend. Warum, erklärt Parlamentarierin Simone de Montmollin im Interview.

Simone de Montmollin ist Önologin und seit Dezember 2019 Nationalrätin. Sie macht sich unter anderem für Frauen in der Landwirtschaft stark.

Frau de Montmollin, ist die Übernahme eines politischen Amtes für Frauen einfacher geworden?

Simone de Montmollin: Ohne Zweifel. Im Nationalrat zählen wir bald die Parität zwischen Männern und Frauen. In der Politik geht es vor allem um Überzeugungskraft, Handlungsqualität und Ergebnisse. Doch sicherlich gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Profile und Werdegänge unterscheiden sich.

Wo sehen Sie Unterschiede?

Bis heute hatte die Mehrheit der gewählten Frauen nicht in erster Linie das Ziel, eine Karriere in einem gesetzgebenden oder exekutiven Organ anzustreben. Doch unsere eigenen Erfahrungen mit dem Thema «Vereinbarkeit von Familie und Beruf» ermöglicht es uns, die entsprechenden Debatten mit besonderen Kenntnissen zu bereichern. Dies ist ein Trumpf. Meiner Meinung nach wird die Frage des Geschlechtergleichgewichts in weniger als zehn Jahren keine mehr sein.

Wie entwickelt sich die Frage der sozialen Absicherung der Bäuerinnen?

Dieses Dossier steht für mich weiterhin im Vordergrund. Eine gerechte Weiterentwicklung der Systeme, damit die Arbeit von Frauen angemessen anerkannt wird, ist in allen Berufssektoren notwendig. Aber die Bedürfnisse und Besonderheiten der Landwirtschaft verstärken die Schwierigkeit.

Warum?

Das Fehlen einer angemessenen sozialen Absicherung kann zu einem Hemmschuh für die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe werden. Doch diese sind für unser Land von entscheidender Bedeutung. Es wurden bereits erste Fortschritte erzielt. Dazu gehört mein Vorstoss für einen Verdienstausfallschutz bei Krankheit oder Unfall sowie eine Absicherung gegen Invalidität und Tod.

Was genau beinhaltet ihr Vorstoss?

Mein Vorschlag ermöglicht eine bessere Absicherung von mitarbeitenden Ehepartnern, insbesondere der Ehefrau. Der Entwurf wurde vom Parlament angenommen. Der Bundesrat will jedoch die Gelegenheit nutzen, um weitere Teilbereiche des Gesetzes zu begutachten. Dieses Vorgehen birgt die Gefahr, dass sich die Debatten verlängern und sogar einige Entscheidungen in Frage gestellt werden. Würde der Teilbereich über den Verdienstausfall hingegen angenommen, wäre dies wie ein Signal; es gäbe es eine gewisse Zuversicht für Anpassungen im Landwirtschaftsgesetz.

Welche Anpassungen?

Es wurden mehrere Themen identifiziert. Darunter das Erbrecht und die Mutterschaftsentschädigung. Dabei zeigten sich die Herausforderungen deutlich: Die Mutterschaftsentschädigung ist ans Einkommen geknüpft. Die Festlegung eines angemessenen Einkommens für die Ehefrau, die direkt oder indirekt zur Entwicklung des Landwirtschaftsbetriebs beiträgt, ist jedoch nicht immer einfach.

Was muss berücksichtigt werden?

Man muss die Besonderheiten der landwirtschaftlichen Welt berücksichtigen, die sich durch eine einzigartige Geschichte und Arbeitsdynamik auszeichnet. Diese Realität ist der breiten Öffentlichkeit nicht unbedingt bekannt und nicht für alle nachvollziehbar. Die Arbeit der Ehefrau aufzuwerten und soziale Fragen zu klären, wird aber entscheidend sein, um junge Menschen zu motivieren, sich in der Landwirtschaft zu engagieren und den Fortbestand der Betriebe zu sichern.

Gibt es weitere Schwerpunkt-Themen in der Landwirtschaft?

Der Übergang zu einer nachhaltigen, aber nahrhaften und damit produzierenden Landwirtschaft ist ein Thema, das uns in den nächsten Jahren weiter beschäftigen wird. In einem inflationären und unsicheren nationalen und internationalen Umfeld müssen stabile Produktions- und Einkommensbedingungen gewährleistet werden. Das stärkt gleichzeitig das Vertrauen der Bevölkerung.

Nachhaltig und rentabel

Simone de Montmollin hat die Hochschule für Weinbau und Önologie in Changins absolviert und ist Präsidentin des Verbandes der Schweizer Önologen. Sie engagiert sich in Projekten der angewandten Forschung. Seit 2019 sitzt sie für die FDP im Nationalrat. Sie ist derzeit Vizepräsidentin der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie der Delegation mit dem französischen Parlament. Die Versorgungssicherheit und die Ernährungssouveränität sind ihr ein Anliegen. «Ohne die Richtung des Umweltschutzes in Frage zu stellen, ist es wichtig, darauf zu achten, dass unsere einheimische Produktion den Nahrungsmittelbedarf der Schweizer Bevölkerung überwiegend und nachhaltig decken kann. Diese Problematik umfasst mehrere Aspekte, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, sich aber letztendlich als vollkommen kompatibel erweisen», sagt sie. Bei der Umsetzung dieser Ziele müssen Kompromisse gefunden werden. Zu den Stärken der Schweiz gehören Zukunftstechnologien, Forschung, Innovation und Ausbildung. «Unsere Fähigkeit, innovativ zu sein und unser Know-how weiterzugeben, ist unerlässlich, um in der Landwirtschaft ein Gleichgewicht zwischen nachhaltig und rentabel zu erreichen.»

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