Viel fehlt nicht, und Familie Bättig macht den Bremer Stadtmusikanten Konkurrenz. Eigentlich geht es beim Porträt um Monika Bättig. Ein Familienbild soll es aber auch noch geben bei der Gelegenheit, das ist ihr wichtig. Einige Minuten später stehen Bauer Martin und die beiden Kinder Eliane und Selina mit ihren Lieblingstieren vereint vor der Holzwand des Gartenschopfs.
Traumjob im Blumenladen
Die 35-Jährige ist gemeinsam mit vier Geschwistern auf einem Hof in Wilihof LU aufgewachsen. In Büron LU lernte sie Bäcker-Konditorin, um auch einige Jahre auf dem Beruf zu arbeiten. «Möglichst viele Einblicke und beruflich viel erleben in jungen Jahren», war das Motto von Monika Bättig. Sie arbeitete im Service, in einer Metzgerei und auch im Skigebiet von Davos GR in einer Berghütte. Für den Arbeitsweg brauchte es Skier. Verschiedene Branchen, verschiedene Teams, verschiedene Leute – das faszinierte. S
Schon früh, noch bevor sie 20 war, lernte die junge Luzernerin Martin Bättig kennen. Martins Schwester war ihre Arbeitskollegin, so entstand der Kontakt. Geheiratet hat das Paar vor zehn Jahren, so alt ist auch Eliane. Selina ist zwei Jahre jünger.

Der Zufall wollte es, dass nach der Geburt von Selina eine Stelle in ihrem Lieblingsladen ausgeschrieben war. «80 bis 100 Prozent, eigentlich viel zu viel, aber ich ging einfach mal vorbei», erzählt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. Es war ein Blumenladen in Reitnau AG, der «Blumengaden».
Starten konnte sie wunschgemäss mit drei Stunden wöchentlich, heute ist es ein Tag. Dabei ist sie flexibel. In der Hochsaison, etwa vor Festtagen wie Weihnachten, arbeitet Monika Bättig auch mal mehr. Dafür dann während des Heuens weniger. «Kreatives ist mein Herzblut», erklärt sie. Dekorieren und etwas Schönes kreieren für die Ausstellung, das macht sie glücklich.
Familienzeit im Whirlpool
Im Kloster Fahr hat sie die Bäuerinnenschule besucht und im Anschluss den Fachausweis gemacht, noch gleich vor der Geburt von Eliane. Zu Ausbildungszwecken im Kloster waren schon ihre Mutter und ihre Grossmutter. Eine Grosstante von ihr war gar eine richtige «Klosterfrau». «Sie meinte, aus mir würde es auch mal eine geben», berichtet Monika Bättig. So habe sie doch immerhin ein halbes Jahr geschafft.
In der Freizeit ist die Bäuerin gerne mit Menschen zusammen – sie engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand des Bäuerinnen- und Bauernvereins Surental und in der Fachkommission Bäuerinnen des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands.
Ansonsten verbringt sie gerne Zeit mit der Familie, mit Geschwistern, mit Cousinen und Cousins. «Ich bin ein Familienmensch», sagt sie. Lieber als regelmässig in einen Verein zu gehen, unternimmt sie etwas mit Menschen aus ihrem engen Umfeld.
Ein grosses Hobby ist der Whirlpool, den Bättigs seit der Rückenoperation von Martin auf dem Balkon stehen haben. Eine Gelegenheit, die Seele baumeln zu lassen, mit Blick in Richtung Wald. Mehrmals wöchentlich wird dieser benutzt, meist von der ganzen Familie.
Im Stall braucht es sie nicht
Anfänglich wohnte das Paar im Dorf. Nach der Familiengründung wurde der Dachstock im grossen Bauernhaus ausgebaut. In der Mitte gibt es eine Mietwohnung, unten wohnen Martins Eltern. Eingänge, Treppenhaus und Sitzplätze habe man sauber getrennt, damit auch Privatsphäre möglich ist. Monika Bättigs Schwiegervater hilft weiterhin mit auf dem Betrieb.
Noch vor wenigen Jahren hatten Bättigs 50 Zuchtsauen und zusätzlich einen kleinen Milchviehbestand. Vor vier Jahren hat sich der Familienbetrieb auf der tierischen Seite auf die Schweine konzentriert und produziert mit 100 Moren Mastferkel für fix zugeteilte Mäster. Der Schweinestall ist das Reich von Martin und seinem Vater. «Wir sind so organisiert, dass es mich nicht im täglichen Stalldienst braucht», sagt die Bäuerin. Dies sei nicht ihre Stärke.
Man lebe nur einmal, so Monika Bättig. Deshalb versucht sie, Arbeiten zu übernehmen, die ihr liegen. Bei Arbeitsspitzen bedient sie schon mal eine Maschine oder ist bei der Mostobsternte dabei. Im Frühsommer unterstützt Monika Bättig zudem ihren Bruder auf dem elterlichen Betrieb bei den Erdbeeren und ist vor allem mit der Wägerei der Früchte beschäftigt. Als vor einigen Jahren der Absatz schlecht war, startete sie den Verkauf der Erdbeeren auch ab ihrem Hof an der stark befahrenen Strasse im Weiler Wetzwil.
Einen Corona-Partywagen umgebaut
Und hier kommt ihr Herzensprojekt, wie es Monika Bättig nennt, ins Spiel. «Ich wollte schon immer einen Raum», erzählt sie. Sie wollte den Gästen «Zeit schenken». Martin seinerseits wünschte nicht unbedingt Leute auf dem Hof, vor allem nicht im Bereich der Stallungen.
An einer Sitzung war mal ein ehemaliger Partywagen aus Corona-Zeiten ein Thema. «Den nehme ich mit nach Hause», sagte Monika Bättig spontan, kaufte ihn und brachte diesen auf Vordermann. «Er war grässlich und der Boden klebrig wegen des Bieres.»
Während eines halben Jahres war sie mit Schleifen, Malen und Umbauen beschäftigt. Ausgestattet wurde er im Innern mit Tisch, Sitzecke, Kühlschrank und einem kleinen Selbstbedienungsschrank mit diversen Hofprodukten. Es ist aber kein Hofladen im eigentlichen Sinn. Sondern wie angedacht ein Raum, um Zeit zu schenken.

Bekannt wurde das Angebot ausschliesslich über Mund-zu-Mund-Propaganda und den prominenten Standort direkt am Strassenrand eines Autobahnzubringers, den viele Pendler aus dem Aargau unter die Räder nehmen. Unterdessen gibt es auch noch einen Flyer, den sie gezielt auflegt, versehen mit einem QR‑Code, der Interessierte zum Angebot führt. Eine Webseite hat sie nicht. «Bei uns kann man jemanden überraschen und ihm einen Herzensmoment schenken», beschreibt Monika Bättig die Dienstleistung.
Auf Anmeldung macht die Bäuerin etwa eine kalte Platte parat, im Winter kann draussen ein Fondue gerührt werden, um es später im Wagen zu essen. Auch kleine Omeletts im Ofen sind möglich, mit Eiern von den eigenen Hühnern. Oder es gibt einen Apéro oder ein gemütliches Zmorge.
Bättig kreiert einen einzigartigen Herzensmoment. Es gibt keine Angebotskarte und auch keinen Preis: «Die Leute zahlen, wie es ihnen recht ist.» Einige seien damit überfordert. Ganz bewusst provoziert Monika Bättig das Nachdenken darüber, was denn regionale und saisonale Lebensmittel fein zubereitet wert sind. Bei der Preisbildung helfe sie, wenn erwünscht.
Möglichst viel Selbstversorgung
Noch immer werden im Sommer viele Erdbeeren verkauft. Und die Leute bleiben dann auch mal sitzen im Wagen oder auf dem hübsch hergerichteten Vorplatz – gleich nebenan der Garten von Monika Bättig. Ein wichtiger Teil in ihrem Leben ist dieser. Vom Küchenfenster aus hat sie ihn im Blick. «Perfekt ist er nicht», sagt sie. Was sie erntet, verkocht oder verbackt sie. Der Garten ist zwar nicht riesig, aber damit erreicht sie für ihre Familie einen hohen Selbstversorgungsgrad.
Sie ist dankbar, dieses Wissen und die Werte an ihre Kinder weiterzugeben. Hier beobachte man die Launen der Natur. Etwas, das man in der Schule nicht lernt.

Fünf Fragen an Monika
Was möchten Sie besser können?
Geduld mit mir selbst, wenn nicht alle Menschen gleich logisch denken wie ich manchmal (lacht).
Welches Alltagsritual gehört für Sie dazu?
Am Abend, bevor ich einschlafe, danke ich für all die erlebten Momente.
Ihr Rezept für Entspannung?
Ein Spaziergang, eine Velotour, Baden im eigenen Whirlpool oder «Bräzeli» backen.
Wie lautet Ihr Motto?
Flexibel, positiv und spontan sein.
Welche Tätigkeit im Alltag erachten Sie als sinnlos?
Keine, wenn ich sie als sinnlos empfinde, ändere ich etwas an meinem Alltag.

