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Bäuerin an die UNO: «Wer uns fördert, fördert eine nachhaltige Entwicklung»

Um Frauen in der Landwirtschaft Gehör zu verschaffen, organisierte die Wobe AG ein Treffen relevanter UNO‑Organisationen. Die Schweizer Bäuerin Barbara Kunz forderte dort Anerkennung für die Arbeit aller Bäuerinnen.

«Bäuerinnen unterscheiden sich in ihren Wünschen nicht von anderen Frauen, aber ihre Realität ist oft eine andere», sagt Barbara Kunz ins Mikrofon und blickt in den grossen Saal. Die Bäuerin sitzt an diesem Montagmorgen Mitte Oktober an einem langen Tisch in einem Raum des Palais des Nations in Genf. Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen wie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, der Weltgesundheitsorganisation WHO oder des Internationalen Verbandes der Sozialarbeiter(innen) IFSW drehen den Kopf zu ihr. 

Anliegen der Bäuerinnen nach Genf tragen

Im Rahmen des UNO-Jahres der Landwirtin trommelte die Wobe AG, die Wohn- und Betreuungsangebote im ländlichen Raum anbietet, Bäuerinnen zusammen, um ihre Anliegen nach Genf zu tragen. Geschäftsführerin Priska Fleischlin ist gleichzeitig beim IFSW engagiert. «So trafen meine beiden Mandate zusammen, und ich nutzte die Chance», sagt sie. Zudem arbeiteten Sozialarbeiter(innen) weltweit mit Bäuerinnen zusammen. Es sei ihre Aufgabe, deren Anliegen ernst zu nehmen und in die Politik zu tragen. 

Als Vertreterin der Schweizer Bäuerinnen war Barbara Kunz vor Ort. Die 55-jährige Bernerin ist Verwaltungsratspräsidentin der Wobe AG und diplomierte Bäuerin. Jahrelang bot sie selbst Betreuungsplätze auf dem eigenen Betrieb an.

Als ehemalige Präsidentin der Berner Bäuerinnen kennt sie die Anliegen ihrer Berufskolleginnen. In ihrer Rede forderte sie Wertschätzung der Arbeit, bessere Arbeitsbedingungen und Vorbilder. «Wir brauchen Frauen, die sagen: Ich bin Bäuerin. Mein Wissen zählt. Meine Arbeit hat Wert. Meine Stimme gehört an den Tisch.» 

Priska Fleischlin (blauer Blazer, in der Mitte) trommelte unter anderem diese Frauen zusammen: (v.l.n.r.) Helen Doher (Social Farming Ireland), Akudo Amadiegwu (IFSW), Barbara Kunz (Wobe AG) und Ruth Allan (IFSW). (Bild: Geraldine Wälchli)

Die Frauen fördern, die für Lebensmittel sorgen 

Frauen machen 42 Prozent der globalen Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion aus. «Verdient ein Bauer einen Dollar, verdient die Bäuerin dagegen nur 84 Cent», sagte Anna Ricoy von der FAO und unterstrich die Anliegen von Barbara Kunz mit Zahlen. Die Arbeitsverhältnisse von Bäuerinnen seien oft informell, ihre Arbeit werde weder gerecht entlohnt noch gebührend anerkannt. 

«Wenn wir die Geschlechterungleichheiten im Landwirtschaftssektor und in der Nahrungsmittelproduktion schliessen, steigt das globale BIP um eine Billion Dollar», sagte Ricoy weiter. Was das konkret heisst? Die Ernährung von weiteren 45 Millionen Menschen könne gesichert werden, verdeutlichte Ricoy. 

Akudo Amadiegwu vom IFSW unterstrich diesen Punkt. Sie betonte, dass oft gerade jene Frauen, die Nahrungsmittel produzieren, selbst zu wenig zu essen haben. Damit brachte sie die Stimmung im Raum auf den Punkt: «Wer die Welt verändern will, muss die Frauen fördern, die sie füttern.» 

Logo Uno-Jahr Landwirtin (Bild: BauZ)

Hohe Suizidrate wird zum Thema

In der Runde wurde auch diskutiert, dass die Suizidrate im landwirtschaftlichen Sektor weltweit höher ist als in der übrigen Bevölkerung. Die WHO-Vertreterin Theodora Swift Koller unterstrich dies. 

Sie sprach davon, wie viel schlechter die medizinische und damit auch die psychologische Versorgung auf dem Land sei. Bäuerinnen und Bauern litten besonders unter dem mehrfachen Druck von Betrieb, Kindern und der Notwendigkeit, täglich etwas Essbares aufzutischen. 

Das UNO-Jahr der Landwirtinnen neigt sich dem Ende zu. Die Wobe AG nutzte die Chance, ihnen nochmals Gehör zu verschaffen. (Bild: Geraldine Wälchli)

Zudem seien die UNO-Länder weit davon entfernt, die Nachhaltigkeitsziele bis 2030 zu erreichen. «Wir haben die Menschen im Stich gelassen, die unser Essen produzieren», schloss Theodora Swift Koller ihre Ansprache. 

Anerkennung und gerechte Entlohnung 

Was nun mit diesen Worten geschieht? «Wir nehmen eure Anliegen zu Herzen», sagte Theodora Swift Koller. Auch Ruth Allen von der EFSW nickte.  

Schlussendlich sei es wichtig, dass die Arbeit der Bäuerinnen anerkannt und gerecht entlohnt werde, betonte Barbara Kunz. Wenn Bäuerinnen stärker seien, seien auch Familien und Gemeinschaften stärker. Sie schloss ihre Rede mit folgenden, deutlichen Worten: «Und wenn wir ihren Beitrag anerkennen, dann anerkennen wir nicht nur die Leistung von Frauen. Wir anerkennen die Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.» 

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