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Regionales national vermarkten: Der Webshop macht's möglich

«Digitalisierung – Same same, but different»: Unter dieses Motto stand das Ostschweizer Food Forum vom 27. Mai. An diesem zeigte sich, dass die Digitalisierung auch für gewerbliche und landwirtschaftliche Betriebe Chancen bietet. Roland Kauderer, der Betriebsleiter der Öpfelfarm im thurgauischen Steinebrunn, demonstrierte dies am Beispiel seines Webshops.

«Digitalisierung – Same same, but different»: Unter dieses Motto stellten Simone May, die Geschäftsführerin von Agro Marketing Thurgau und Frank Burose, der Geschäftsführer des Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft, das Ostschweizer Food Forum. Die beiden organisierten ein Forum, das sich nicht nur «digital» gab, sondern unter anderem auch gelungene Beispiele der Verbindung von «analog und digital» präsentierte. Der Anlass im Weinfelder Rathaus, an welchem eine begrenzte Teilnehmerzahl vor Ort teilnahm, konnte auch virtuell, am PC von zu Hause aus, verfolgt werden. Wie in den Vorjahren moderierte Stefan Nägeli von Tele Top das Food Forum.

Weniger Food Waste

Thomas Rohn, Geschäftsführer der Sancofa AG im thurgauischen Bottighofen, thematisierte die Möglichkeiten zur Minimierung von Food Waste im Detailhandel. Sancofa ist ein mittelständisches Softwareunternehmen, welches vor 20 Jahren gegründet wurde. Die Anspruchshaltung vieler Kunden, wonach bis Ladenschluss frisches Brot und andere Backwaren zur Verfügung stehen sollen, bedeutet auch Food Waste und finanzielle Verluste. «Mit Sancoplan, einem selbstlernenden ­Algorithmus, ermöglichen wir Bäckereien die präzise Bestelloptimierung auf Artikelebene. Dies unter Einbezug sämtlicher Einflussfaktoren wie Wetter, Feiertage, Ferienzeiten, Verkaufsaktionen und Gebindegrössen», erläuterte Thomas Rohn. Es sei möglich, im Zwei-Tages-Rhythmus zu berechnen, wie die Witterung das Einkaufsverhalten beeinflusst sowie die Produktion zu planen.

Das Risiko minimieren

Thomas Rohn räumte ein, dass das Einkaufsverhalten durch eine lange Regenperiode wie im Mai 2021 erschwert wird. Auf die Frage des Moderators Stefan Nägeli, was Kunden von den Dienstleistungen der Sancofa AG erwarten dürfen, sagte der Geschäftsführer: «Es bedeutet für die Kunden eine Risikominimierung. Wenn die Bäckerei zuvor genau berechnete Auswertungen über Einflüsse, wie zum Beispiel die Witterung an einem bestimmten Wochentag, kennt, wird sie beispielsweise nur zehn anstatt 20 hochpreisiger Fruchttorten bestellen. Dies vor allem dann, wenn warme Temperaturen vorhergesagt sind und den Kunden eher der Sinn nach Baguettes und Grillen steht.»

Bereits 2002 eingestiegen​

Thomas Rohn legte dar, dass die Sancofa AG nach jahrelanger guter Zusammenarbeit mit deutschen Bäckereien nun auch das Gespräch mit Metzgereien sucht. Wenn die Daten stimmen, lassen sich die Bestelloptimierung auch in andere Bereiche des Alltags ausdehnen: Denkbar wäre solches zum Beispiel auch für die Bekleidungsbranche.

Roland Kauderer, der Betriebsleiter der Öpfelfarm im thurgauischen Steinebrunn, schilderte, wie sich der Onlinehandel auch für einen landwirtschaftlich-gewerblichen Betrieb lohnen kann. «Wir verschickten schon 2002 die ersten Pakete per Post an Kunden. Dafür konnten wir auf unsere Kundenkartei zurückgreifen, die wir seit 1996 führen». Alles begann modulartig und mit einem Sortiment, das anfangs nicht nach individuellen Wünschen zusammengestellt war. Der Hofladen der Öpfelfarm bewährt sich aber nach wie vor. Mit dem Webshop erreichte die Familie Kauderer neue, zusätzliche Kunden. «Nach der Einführung eines Webshops ab 2007 erreichen wir damit bereits 60 Prozent des Umsatzes, den wir im Hofladenverkauf erzielen», bilanzierte Kauderer.

Moderator Stefan Nägeli interessierte, inwieweit die Pandemie den Verkauf im Webshop beeinflusste. Roland Kauderer meinte dazu: «Da wir bereits vor der Pandemie den Verkauf im Internet betrieben, mussten wir nicht erst einen Kundenstamm aufbauen. Wir konnten aus dem Vollen schöpfen». Im Gegensatz zu Betrieben, die erst in der Not – als vorübergehend keine Märkte mehr stattfinden durften – auf einen Webshop auswichen.

Website ist Visitenkarte

Seit einem Jahr bietet die Öpfelfarm getrocknete Bananen an: Überschüssige Bananen, welche im Detailhandel nicht verkäuflich sind, werden zur Spezialität verarbeitet. «Die Bananen brachten uns auch neue Kunden. Dieses Projekt erhält regen Zuspruch, weil es ein Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung ist.» Anfangs war der Webshop für die Öpfelfarm nur eine Ergänzung, inzwischen hat er den gleichen Stellenwert wie der Hofladen. «Wir haben festgelegte Wochentage, nämlich Montag, Mittwoch und Freitag, an denen eine Mitarbeiterin die Pakete für die Webshop-Bestellungen bearbeitet.» Roland Kauderer betonte: «Wenn man als kleiner Betrieb mit Internet-Bestellungen erfolgreich sein will, muss man professionell arbeiten. Die Website ist unsere Visitenkarte. Im Webshop muss alles stimmig sein. Der erste Eindruck zählt – genauso, wie wenn ein Kunde den Hofladen betritt.»

Die Geschichte zum Produkt

Die Familie Kauderer machte die Erfahrung, dass die Kunden Geschichten zu den Produkten schätzen. Seit einem Jahr bedient die Öpfelfarm damit die Social-Media-Plattform Instagram. «Ich bin nicht aus der Generation, die mit Social Media aufgewachsen ist», stellte Kauderer fest. «Aber an deren Einsatz führt kein Weg vorbei.» Auf die Frage des Moderators, für welche Produkte sich der Webshop besonders eigne, meinte Kauderer: «Ich denke, heute kann man alle Produkte aus dem Hofladen im Webshop verkaufen. Es gibt für alles die passende Verpackung.»

Liebe zum Detail

Roland Kauderer empfiehlt, sich gelegentlich bei den Branchenriesen im Onlinehandel umzusehen und zu vergleichen, wie diese ihre Waren anbieten und verpacken. «Aber letztlich ist es die Liebe zum Detail, welche die Kunden bei den kleinen Anbietern besonders schätzen.»

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