Der Fluckhof befindet sich auf dem Hochplateau des Littauerbergs LU. Auf dem Biohof haben rund 20 Aufzuchtrinder und die Solawi «Randebandi» ihr Zuhause. Die Randebandi baut auf rund einem Hektar des Betreiberpaars Astrid und Wendelin Burri Gemüse an.
Neben zwei fest angestellten Gärtnerinnen arbeiten auch die Mitglieder des Vereins und Praktikantinnen dabei mit, 75 Haushalte mit ihren wöchentlichen Gemüsetaschen zu versorgen.
Von den Städten ins Gemüsebeet
Aktuell sind es zwei junge Städterinnen, die für mehrere Monate auf dem Gemüsebetrieb mit anpacken. Laura Unger zog aus Wien in die Schweiz. In der österreichischen Metropole arbeitete die studierte Molekularbiologin im Labor einer Kinderwunschklinik. Lisette Buob hat vor gut einem Jahr ihr Lehrerdiplom erlangt. «Dass mich eine Vollzeitstelle als Primarlehrerin nicht erfüllen würde, war mir rasch klar», sagt die junge Luzernerin. Sie habe nach all der kopflastigen Tätigkeit das Bedürfnis verspürt, körperlich zu arbeiten. Zufällig wurde sie auf den Praktikumsplatz bei der Randebandi aufmerksam. Seit rund acht Monaten macht sie Stellvertretungen an Luzerner Schulen und arbeitet in einem 40-%-Pensum bei der Gemüsesolawi mit.
Bei Laura Unger kam der Wunsch, in die Landwirtschaft einzusteigen, während des Reisens. Um sich Kost und Logis zu verdienen, arbeitete sie auf Permakultur-Betrieben mit und fasste den Entschluss, sich in diese Richtung weiterzuentwickeln. Auch sie bringt sich seit sieben Monaten in einem 40‑%-Pensum auf dem Fluckhof mit ein. Die beiden bereiten die Beete vor, helfen beim Anpflanzen und Ernten des Gemüses und leiten die Mitglieder bei ihren Arbeitseinsätzen an. «Wer will, darf hier Verantwortung übernehmen», streichen die beiden den positiven Aspekt ihres Engagements heraus.

Viel Arbeit für wenig Geld
Sie habe Eingewöhnungszeit benötigt, um sich an die strenge körperliche Arbeit zu gewöhnen, gesteht Laura Unger. «Der Natur ausgesetzt zu sein, härtet ab und verleiht Widerstandskraft», berichtet die gebürtige Deutsche von ihren Erfahrungen. In einem 100‑%-Pensum in der Landwirtschaft arbeiten, das können sich beide nicht vorstellen, sind sich die Städterinnen einig. Die vielen Arbeitsstunden unter starkem körperlichem Einsatz wären sie nicht willig einzugehen.
«Wer in der Landwirtschaft tätig ist, leistet viel harte Arbeit für wenig Geld», sagt Lisette Buob anerkennend. Für sie war das Praktikum aber das Schlauste, was sie seit Langem angepackt hat, resümiert sie. Hier habe sie den ersehnten Ausgleich gefunden und ihren Horizont erweitern können. «Erst mit diesem Praktikum wurde mir bewusst, wie viel Arbeit in unseren Lebensmitteln steckt», sagt die Lehrerin anerkennend. Auch Laura Ungers Blick auf die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten gewandelt: «Ich hatte das Bild im Kopf, dass die produzierende Landwirtschaft eher gegen als mit der Natur arbeitet. Hier bei der Solawi wurde mir klar, dass dies nicht der Fall sein muss.»
Zwischen Stadt und Land vermitteln
Um allen Städtern diese Erkenntnisse zu ermöglichen, sollte es für Oberstufenschüler während ihrer Schulzeit obligatorisch sein, eine Woche auf dem Feld oder im Stall zu stehen, finden beide. Dies würde viel mehr dazu beitragen, den Graben zwischen Stadt und Land zu überwinden, als theoretisches Wissen über die Landwirtschaft zu vermitteln. «Von beiden Seiten ist Offenheit notwendig, um die bestehenden Vorurteile der verwöhnten und faulen Städter(innen) und der konservativen Landbevölkerung abzulegen.» Dies halten die zwei jungen Frauen für wichtig, schliesslich sitze man im selben Boot und sei gegenseitig voneinander abhängig.
Gleichzeitig sind sich die Quereinsteigerinnen bewusst, dass sie sich in der Luzerner Solawi in einer Bubble innerhalb der Landwirtschaft bewegen. Dauerhaft auf einem nicht solidarischen Landwirtschaftsbetrieb zu arbeiten, könnte sich keine der beiden Städterinnen vorstellen. Zu gross sei dort der Druck, zu hoch die Arbeitsbelastung, die auf den eigenen Schultern lastet, kann Laura Unger aus eigener Erfahrung sagen. Nebenbei arbeitet sie auch auf einem Biohof mit Milchwirtschaft.
Aus der Stadt seien Einstiegsmöglichkeiten auf einem konventionellen Betrieb auch weniger zugänglich als auf einer Solawi. «Von der Randebandi sah ich in meinem Quartier Plakate und von Kollegen bekam ich die Information, dass dort Praktikantinnen ohne landwirtschaftliche Vorkenntnisse willkommen sind», erzählt Lisette Buob. Wie sie zu einem Praktikum auf einem privaten Betrieb kommen würde, sei ihr als Quereinsteigerin nicht bekannt.

«Schau dir den Betrieb genau an»
Interessierten Kolleg(innen) würden sie raten, sich den Hof, auf dem sie ein Praktikum machen möchten, gut anzuschauen. Passt es menschlich? Wie sind die Strukturen? Wie ist das Arbeitsklima? Solche Fragen sollte sich jeder Quereinsteiger stellen, damit die Ernüchterung nicht schon in den ersten Arbeitstagen folgt. In einem Team, statt als Einzelkämpferin tätig zu sein, war für beide Frauen eine Voraussetzung. «Auf dem Fluckhof hatten wir grosses Glück mit dem positiven Arbeitsklima und dem wohlwollenden Miteinander, das hier herrscht. So kann anstrengende Arbeit Spass machen», sind sich die Praktikantinnen einig.
Sie zieht aus der Tätigkeit auf dem Feld Kraft, deshalb möchte Laura Unger in Österreich auf dem zweiten Bildungsweg einen Abschluss im landwirtschaftlichen Bereich erlangen. Für Lisette Buob hingegen ist klar, dass sie nun nicht eine Lehre als Gemüsegärtnerin in Angriff nehmen wird. In einer Tätigkeit im landwirtschaftlichen Bereich, kombiniert mit einem sozialen Auftrag, könnte sie sich zukünftig aber wohlfühlen.

