Cornel Eberle ist ein Pionier in der Straussenhaltung. Seit 27 Jahren leben auf seiner Straussenfarm im st.gallischen Mörschwil einige Dutzend dieser imposanten, gefiederten Tiere, davon 19 erwachsene Zuchttiere. Schweizweit Bekanntheit erlangte der Betrieb durch seine Teilnahme am Agropreis-Wettbewerb 2013. Cornel und Regula Eberle gewannen damals den Publikumspreis.
Über 90 Prozent des Strausses wird verwertet
Das besondere an Cornel Eberles Straussenhaltung ist, dass er fast sämtliche Teile des Tieres verwertet. Die Straussen werden auf dem Betrieb ausgebrütet, aufgezogen und in der hofeigenen Metzgerei geschlachtet, zerlegt und verarbeitet. Die Schlachtabfälle und Knochen verarbeitet Eberle in einem eigens dafür ausgerüsteten Raum zu Hundefutter. «Auf das Hundefutter herrscht ein regelrechter Run, weil es keine Zusatzstoffe enthält», sagt Eberle. Auch wenn das Produkt relativ teuer ist, übersteigt die Nachfrage das Angebot.
Aus einem Teil der Eier werden Teigwaren und Meringues hergestellt. Dafür arbeitet Eberle mit der Aemisegger Teigwaren AG und der Füger GmbH zusammen. Die Eier (ganz oder ausgeblasen) und Federn kann man ebenfalls im Hofladen kaufen. Aus der Haut entsteht Leder – dies jedoch als einziger Verarbeitungsschritt im Ausland. Das zugekaufte Leder wird im Appenzellerland zu Gürteln und Hundehalsbändern verarbeitet.
Aus dem Straussenfett werden Seifen hergestellt. «Einzig ein Teil des Fusses, den Kopf und die kurzen Gefiederfedern müssen wir entsorgen», erläutert Eberle. Dazu kommt der ganze Agrotourismus, Eberle nennt es «ein Strauss voll Genuss», rund um den Vogel Strauss mit Catering im hofeigenen Partyraum und Betriebsführungen.

Cornel Eberle mit einer Auswahl an Produkten aus der Straussen-Verwertung. (Bild sgi)
Bedienter Hofladen und Postversand
Auch wenn Cornel Eberle immer noch einen Grossteil seines Umsatzes mit den Straussenprodukten macht, sind sie längst nicht mehr das Kerngeschäft des Betriebs. Weitere Betriebszweige sind die Rindviehhaltung, die Lämmeraufzucht und der Hochstammobstbau. Eberle ist diese Diversifizierung wichtig. «So liegt nicht das ganze Risiko auf einem oder zwei Betriebszweigen.»
Die Straussenprodukte sowie Truten-, Rind- und Lammfleisch kann man im Hofladen kaufen, der von April bis Dezember jeweils am Freitagabend und am Samstagmorgen geöffnet ist. Cornel Eberle ist der direkte Kontakt mit seinen Kunden wichtig, darum setzt er auf einen bedienten Hofladen. Bestellen kann man die Produkte aber auch im Online-Shop. Auf Wunsch verschickt Eberle die Bestellungen per Express-Post. Der Arbeitsaufwand für den Versand von Fleisch sei nicht zu unterschätzen, sagt Eberle. Er handelt nach dem Motto: «Der Kunde ist König.»
Neues Projekt während Lockdown im Frühjahr 2020
Die Eventgastronomie war bis vor einem Jahr ebenfalls eine wichtige Einnahmequelle für den Betrieb. «Bis vor einem Jahr hatte ich fast wöchentlich einen Event auf dem Betrieb: Firmenanlässe, Hochzeiten, Geburtstage, usw.», erzählt Eberle. Diese ständige Präsenz und die damit verbundene zusätzliche Arbeit neben Betrieb und Familie forderten aber ihren Tribut. Regula und Cornel Eberle gehen seit vier Jahren getrennte Wege.
Als im März 2020 der erste Lockdown verhängt wurde, hatte Cornel Eberle an den Wochenenden plötzlich Zeit. Zeit für sich und Zeit, um sich wieder mehr auf das Kerngeschäft, die Landwirtschaft, zu konzentrieren. Aber die Zwangspause wurde ihm schon bald zu viel. «Bei mir muss immer etwas laufen, das ist mein Naturell», bemerkt Eberle. So kam ihm die Idee, Golfen auf der Straussenfarm anzubieten.
Golfen zwischen Schafen
Es ist nicht ein Golfplatz wie man ihn sich im ersten Moment vorstellt. Das 18-Loch-XXL-Golfspiel findet auf 1,5 ha Weideland umringt von Schafen und Straussen statt. Das Terrain ist holperig, gespielt wird mit Gymnastikbällen und grösseren Schlägern. Die Hindernisse und die Schläger hat Eberle mit seinen vier Kindern gebaut. «Das war für sie eine willkommene Abwechslung während des Lockdowns», erinnert er sich zurück.
Bei der Konzeptentwicklung hat Eberle an alles gedacht. Im Frühling wird das Angebot auf dem Golfplatz optimiert mit zwei zusätzlichen Grillplätzen. Am Treffpunkt, wo man die Schläger und Bälle bezieht, steht auch eine Selbstbedienung mit Getränken, Snacks und Hofprodukten im Angebot. Auch der Spielplatz ist ein Ausflugsziel für viele Familien.
Erneute Teilnahme am Agro-Preis
Angelaufen sei der Golfplatz recht gut, bilanziert Eberle. «Es kamen aber eher angemeldete Gruppen als spontane Ausflügler wie ich mir das eigentlich vorstellte.» Dann geriet die Nachfrage etwas ins Stocken. «Vielleicht wegen der zweiten Welle», sagt Eberle. Er ist sich aber bewusst, dass er werbemässig präsenter sein sollte. Denn, er wird sich dieses Jahr wieder erneut für den Agropreis bewerben – mit dem Projekt golferei.ch.
Betriebsspiegel
- Betriebsleiter: Cornel Eberle
- LN: 19 ha
- Kulturen: Futterbau, Hochstammobst (1500 Bäume)
- Tiere: 19 Zuchtstraussen, aktuell 60 Aufzuchttiere, 80 Mutterschafe mit Milchlämmeraufzucht (300 Plätze), Rindermast (140 Plätze), Truten (50 Plätze)
- Weitere Betriebszweige: Direktvermarktung, Catering, Eventgastronomie, Golfplatz
- Arbeitskräfte: 2 Teilzeitangestellte, 2 Lehrlinge, auf Abruf Aushilfen für die Gastronomie

