«Nur wenn es dem Tier wohl ist, bringen wir am Schluss auch eine gute Fleischqualität hin.» Mit diesem Satz endet der Werbespot vom Betrieb Unterbuck im Rahmen der Werbekampagne «Schweizer Fleisch – der feine Unterschied», der regelmässig im Fernsehen zu sehen ist. Andrea Müller, die zusammen mit ihrem Mann Christian in Thayngen im Kanton Schaffhausen einen Munimastbetrieb mit 350 Tieren führt, meint: «Den Satz habe ich etwa zehn Mal gesagt, bis wir das im Kasten hatten.»
«Authentische und realitätsnahe Werbekampagne»
Müllers Betrieb ist einer von 13, der im Rahmen der Kampagne «Schweizer Fleisch – der feine Unterschied» porträtiert wurde. «Wir wurden Anfang 2019 von der Casting-Agentur angefragt, ob wir bei der neuen Kampagne mitmachen wollen», erzählt Andrea Müller. Ihre Motivation war, dem Konsumenten klar zu machen, wie das Fleisch auf Schweizer Betrieben wirklich produziert wird.
Sie schafften es in die Endauswahl. Im Oktober 2019 kam eine Filmcrew einen Tag auf den Betrieb. «Das war eine coole Erfahrung», sagt Müller. Sie sei zeitweise ziemlich nervös gewesen, mit dem Resultat ist sie sehr zufrieden. «Die Serie zeigt das ganze Spektrum der Fleischproduktion realitätsnah und ohne etwas zu beschönigen», findet die Mutter von drei Kindern. Dass sie vor der Kamera stand und nicht ihr Mann, sei der Wunsch der Kampagnenleitung gewesen. «Da wir den Betrieb zu zweit führen und alle wichtigen Entscheide gemeinsam treffen, spielte es für uns keine Rolle, wer vor der Kamera steht.»
Ein vielseitiger Betrieb
Ein respektvoller Umgang mit den Tieren ist Andrea Müller besonders wichtig. «Die Tiere sollen es in dem Jahr, wo sie bei uns leben, gut haben», betont die 49-Jährige. Wichtig ist der Meisterbäuerin auch, dass man trotz der Betriebsgrösse als Familienbetrieb und Team funktioniert. Müllers bewirtschaften neben der Munimast noch 100 ha Land mit Schwerpunkt Kartoffelbau.
Die Energiewirtschaft ist ein weiteres Standbein. 2012 gründeten sie die Müller Energie GmbH. Im selben Jahr bauten sie ein Wärmeverbundnetz auf, das mit Waldhackschnitzeln betrieben wird. Damit werden 250 Wohneinheiten, vier Gewerbebetriebe und ein Schulhaus beheizt.
In den Folgejahren investierten sie in eine Photovoltaik- sowie in eine Biogasanlage. Und das nächste Projekt, eine Biogas-Tankstelle, steht kurz vor der Inbetriebnahme. Es wird die erste Hofdünger-Biogas-Tankstelle der Schweiz sein. «Die Kreislaufwirtschaft ist ein wichtiger Teil unserer Betriebsphilosophie. Dafür arbeiten wir jeden Tag», sagt Müller.
Bäuerin und Politikerin
Auch wenn Andrea und Christian Müller den Betrieb gemeinsam führen, für Büro und Buchhaltung ist Andrea Müller zuständig. Zudem ist sie seit 2017 Mitglied im Thaynger Gemeinderat. Letzten Sommer kandidierte sie sogar als Gemeindepräsidentin, wo sie allerdings unterlag. Hingegen schaffte sie den Sprung ins Kantonsparlament bei den Wahlen im Herbst 2020. «Ich möchte die Schweiz mitgestalten und mich aktiv in die politischen Prozesse einbringen», sagt die SVP-Politikerin.
Dass sie einst einen Landwirtschaftsbetrieb führen würde, darauf hatte zu Beginn ihrer Berufskarriere nichts hingedeutet. Ursprünglich hat die Stadt-Zürcherin Maschinenzeichnerin gelernt. Später arbeitete sie in der Modebranche, entschied sich dann aber der Liebe wegen für das Leben auf dem Bauernhof. Sie machte die Ausbildung zur Bäuerin, absolvierte die Betriebsleiterschule und zog drei Kinder gross. Es macht den Eindruck, als wäre Andrea Müller eine Frau, die das Wort Stillstand nicht kennt.
Betriebsspiegel Unterbuck
Name: Andrea und Christian Müller
Ort: Thayngen SH
Fläche: 100 ha
Kulturen: Kartoffeln, Mais, Weizen, Kunstwiesen
Rindermast: 350 Tiere
Energiebetrieb: Wärmeverbund, Biogasanlage (330 kW), Photovoltaikanlage (220 kW)
Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar, Seniorchef, ein bis zwei Lehrlinge, ein Festangestellter, drei bis vier saisonale Mitarbeitende im Kartoffelbau

