Ob kleine Ornamente oder sogar die Schweiz als Spitzenlandkarte geklöppelt: Der Stand der Vereinigung Schweizerischer Spitzenmacherinnen VSS stösst auf Interesse. Zahlreiche Olma-Besucher bewundern die ausgestellten Werke und schauen den Schauklöpplerinnen bei der Arbeit zu. Es gibt sogar die Möglichkeit, selber an einen Tisch zu sitzen und sich an diesem alten Handwerk zu versuchen.

Welche Voraussetzungen sollte man fürs Klöppeln mitbringen? Braucht es dazu spezielle Fingerfertigkeit, wo man sich doch in ziemlich filigranen Bereichen bewegt? Beatrice Senn, Co-Präsidentin der VSS, schüttelt den Kopf und lacht: "Nein, es braucht dazu keine besonderen Talente. Gefragt ist vor allem eines, nämlich Geduld!" Jeder könne es lernen, und Kinder seien darin besonders schnell.
Klöppel-Treffs
Die Handarbeitslehrerin aus Urdorf ist selbst seit 20 Jahren begeisterte Klöpplerin. "Mich reizen vor allem die Schönheit der Spitzen wie auch die Herausforderung für den Kopf, vor allem bei komplizierten Mustern." Lernen lässt sich das Klöppeln in zahlreichen Kursen, die schweizweit angeboten werden. Die VSS bildet dazu Kursleiterinnen aus, welche privat oder an Bildungseinrichtungen Kurse organisieren.
Die Vereinigung zählt heute rund 900 Mitglieder, davon drei Männer. "Es sind auch zahlreiche Landfrauen darunter", stellt Senn fest. "Leider fehlt uns der Nachwuchs, viele Mitglieder sind bereits über sechzig. Wir konnten aber in letzter Zeit feststellen, dass das Interesse wieder am Steigen ist." Laut Senn gibt es Gegenden, in denen das Klöppeln noch besonders gepflegt wird. Etwa im Bernbiet, ganz besonders im Lauterbrunnental, aber auch im Kanton Neuenburg. Schweizweit gibt es vielerorts Gruppen, die sich regelmässig zusammenfinden, um Gleichgesinnte zu treffen oder um Unterstützung zu erhalten, wenn es bei der Klöppelarbeit Unklarheiten gibt – vergleichbar mit "Lismi"-Gruppen.
Feine Baumwolle
Die Utensilien, die es zum Klöppeln braucht, sind ein Klöppelkissen als Unterlage, Klöppel und Stecknadeln. Mit den Klöppeln aus Holz, auf welche das Garn gewickelt ist, werden die Fäden nach Mustern gedreht und verkreuzt und schliesslich zu Spitzen verarbeitet. Als Vorlage dienen Klöppelbriefe, eine Art Schnittmuster. Diese werden mittels Klöppelschrift wiedergegeben, die aus einfachen farbigen Zeichen besteht und ähnlich aussieht wie die Strickschrift.
Nebst traditionellen Spitzen kommen auch neue Klöppelbriefe zur Anwendung, die moderne Muster oder Sujets zur Vorlage machen. Während Spitzen früher häufig aus Leinen und Seide gemacht wurden, wird heutzutage auch feine Baumwolle verarbeitet.
Kongress in Estland
Das Klöppeln findet hauptsächlich im Freizeitbereich statt. Versierte Klöpplerinnen erhalten laut Beatrice Senn auch Aufträge, beispielsweise für eine Spitze an einer Tracht. Dies jedoch zu bescheidenen Preisen: "Die tatsächliche Arbeit, die wir dafür aufwenden, können wir kaum verrechnen", sagt Senn. "Mit den günstigen maschinengefertigten Spitzen kann die Handarbeit wirtschaftlich gesehen nicht mithalten". Das Klöppeln sei heute höchstenfalls ein Nebenerwerb, Einnahmen seien vor allem mit Kursen und dem Kreieren von Klöppelbriefen zu erzielen.
Das Ziel der VSS ist es, altes Kulturgut zu erhalten und Klöppeltraditionen auszutauschen. Die Vereinigung unterhält ein Archiv mit alten Spitzen sowie eine Fachbibliothek. "Zu unserer Tätigkeit gehört auch die Vernetzung mit dem Ausland." Nächstes Jahr findet im estnischen Tartu ein Weltkongress statt, an dem Beatrice Senn als Schweizer Vertreterin teilnehmen wird. Sie freut sich auf den Austausch: "Spannend ist auch, dass man im internationalen Austausch zu komplett anderen Klöppelmustern kommt."
Sonderschau Dresscode
Ehrengast der Olma 2019 ist die Schweizer Volkskultur. Im Zentrum steht Brauchtum in seiner ganzen Vielfalt: Trachten, Jodeln, Blasmusik, Volkstanz, Fahnenschwingen, Alphörner, Hackbrettmusik, Volkskunst und vieles mehr.
Eine grosse Sonderschau mit Präsentation wunderbarer Schweizer Trachten und natürlich ein buntes, täglich wechselndes Programm lässt das Messepublikum in die reichhaltige Welt der Schweizer Volkskultur eintauchen. Hier gehts zum Programm.
Immer noch viel Handarbeit
Lässt man den Blick weiter schweifen, so bleibt man unwillkürlich an der Trachtenausstellung hängen. Die Trachten und das dazugehörige Handwerk sind das Herzstück der Ausstellung. Die Genossenschaft Heimatwerk und Handweberei Zürcher Oberland stellt sich hier zum Beispiel vor. Das Unternehmen stellt Stoffe und textile Produkte her, darunter auch Trachten. "Heimatwerk und Trachten gehören fest zueinander", sagt Verkaufsberaterin Sandra Siepmann.
In der eigenen Handweberei werden heute noch traditionelle Stoffe für Frauen- und Männertrachten produziert. In der Schneiderei werden unter anderem Zürcher Trachten hergestellt und vielfältige Trachten angepasst. "Wir haben bei uns im Laden zwar auch die Berner oder St. Galler Tracht, aber es ist schon vor allem die Zürcher Tracht, die nachgefragt wird", berichtet Siepmann, die sich in der Halle 9.1.2 in der Zürcher Werktagstracht präsentiert.
Seit 40 Jahren Weberin
Selbstverständlich haben die Zürcher Oberländer einen Webstuhl mit an die Olma gebracht. Dahinter sitzt Katharina Osterwalder. Seit fast 40 Jahren ist sie Weberin. "Mir gefallen die Möglichkeiten der Stoffbildung. Mit dem Handweben kann ich jeden Faden, jeden Streifen so gestalten, wie ich will." Osterwalder leitet bei der Genossenschaft Heimatwerk die Handweberei. Daneben gibt sie Kurse im Handweben oder produziert für ihre eigenen Projekte Stoffe.

Auch nach so langer Zeit in ihrem Beruf sei die Technik und Koordination am Webstuhl eine Herausforderung, gibt die 60-Jährige zu. "Jeder Webstuhl ist wieder anders. Da braucht es vor allem am Anfang viel Konzentration. Wenn ich mich angewöhnt habe, bin ich dann rasch wieder drin", sagt sie, macht sich wieder an die Arbeit und lässt das Webschiffchen unter den neugierigen Blicken der Olma-Besucher hin und her sausen.
Jedem Kanton seine Tracht
In der Sonderausstellung liegt auch ein Malbuch zu Schweizer Trachten auf. Die Bilder zeigen Ausschnitte, Farbenvielfalt und Details wie Hüte oder Taschen und geben einen Einblick in das Brauchtum der 26 Kantone. Jeder Kanton ist einmal vertreten, wohlwissend, dass es in vielen Kantonen mehr als eine Tracht gibt. Laut der Schweizerischen Trachtenvereinigung gibt es in der Schweiz gegen 1000 verschiedene Trachtenkleider. Dabei wird unterschieden zwischen historischen Trachten und solchen, die zu ganz bestimmten Anlässen getragen werden. Eine kleine Auswahl ist noch bis Sonntag an der Olma ausgestellt.

