Landwirt Beat Meyer hat vor vier Jahren von Milchvieh auf Mutterkuhhaltung umgestellt, als Reaktion auf den schlechten Milchpreis. Kurz entschlossen verkaufte er Ende August 2015 die 30 Milchkühe, baute den Laufstall für Mütterkühe um und stallte Mitte September 30 trächtige Grauvieh-Rinder ein, alle importiert aus Österreich.
Heute verkauft er gegen 40 Kälber pro Jahr, grossteils in den Natura-Veal-Kanal.
«Kontinuierlich liefern ist wichtig.»
Beat Meyer zur Produktion von Natura-
Umstellung gelungen
«Die Umstellung war eine finanzielle Herkules-Aufgabe, denn ein trächtiges Rind aus Österreich kostete rund 4000 Franken, das Milchvieh galt bei Weitem nicht so viel», erinnert sich Meyer. Dazu kam die lange Durststrecke bis zum Verkauf der ersten Kälber. Zum Glück verlief der erste Schub recht gut und der junge Limousin-Muni leistete gute Arbeit, so dass alle Tiere wieder trächtig wurden. Auch der zweite Umgang hat befriedigt. Ab dem drittem Kalb versuchte Beat Meyer, der Mutterkuh zum eigenen Kalb jeweils ein zweites anzusetzen, was mit etwas Geduld recht gut gelang.
Am zweiten Tag nach der Geburt werden die Kälber auf Hinter-Wellsberg markiert, gegen Selenmangel gespritzt, der Hornansatz verödet und Stierkälber werden zu Ochsen. Wird ein zweites Kalb von einer Fleischrasse zugesetzt, sollte es einige Tage vorher im Stall sein, denn früh angesetzt, wird es besser angenommen.
Natura-Veal Produktion
Beim Natura-Veal wird wie beim Natura-Beef das Kalb von der Mutter aufgezogen, aber bereits mit rund 5 Monaten schlachtreif abgesetzt. Natura-Veal mit maximal 140 kg Schachtgewicht ist eine Marke von Mutterkuh Schweiz, sie wird in grösseren Coop-Läden und in eher städtischen Gebieten angeboten. Es gilt als das beste Kalbfleisch, eine Delikatesse, und hat einen stolzen Preis. Der Produzent erhält auf den Schlachtgewichtspreis für Kälber einen Zuschlag von zwei Franken. Jedes Tier muss mit Begleitschein und Zertifikat genaustens dokumentiert sein. Diese Art von Kälberhaltung, im Sommer auch mit den Müttern auf der Weide, erfordert eine gute Beobachtungsgabe, viel Sorgfalt und viel Flair für diese Tiere. Für Natura-Veal eignen sich eher frühreife Fleischrassen mit genügend Milch für das Kalb. Als besonders geeignet bezeichnet Beat Meyer Grauvieh, angepaart mit Limousin. Für interessierte Umsteller wird dringend ein Kurs für Neueinsteiger mit einem erfahrenen Praktiker geraten.
Simmental eignen sich auch
Wichtig ist gemäss Beat Meyer genügend Milch für zwei Kälber, was bei Grauvieh oft der Fall sei. Gute Erfahrungen macht der Landwirt auch mit Simmentaler, zurzeit mit Nachkommen vom genetisch hornlosen Fleischstier Tombo. Das zweite Kalb sei kaum ein Krankheitsrisiko, wichtig sei ein «gesunder» Stall, und zudem kaufe er ausschliesslich trächtige Rinder aus Schweizer Herkunft. Das Saugenlassen der Kälber müsse bei Kühen das ganze Jahr beobachtet werden. Kühe, die schlecht saugen lassen, werden ausgemerzt.
Die Remontierung der Mutterkühe erfolgt durch den Zukauf von trächtigen Rindern aus einem auf Aufzucht spezialisierten Betrieb, diese zu einem Preis von 3000 bis 3500 Franken pro Tier.
Mit der Umstellung hat Beat Meyer gleichzeitig auch noch als Deckenbauer im Wohnbereich zu arbeiten begonnen. «Eine Arbeit, die mir liegt und gefällt, die sich zudem gut mit der Mutterkuhhaltung verträgt», lobt der Unternehmer. Am Morgen müsse er zwar früh zur Arbeit, dann schaue sein Vater Emil Meyer nach den Kühen, am Abend sei er dafür wieder frühzeitig daheim.
Markt im Auge behalten
Den vermehrten Spielraum der Mutterkuhhaltung schätzt Beat Meyer. Ihm gefalle es, dass er heute ein Produkt anbiete, das bei richtiger Produktion eine gute Wertschöpfung bringe. Wichtig sei, dass die Abnehmer möglichst kontinuierlich beliefert werden könnten. Falls es Anzeichen einer Marktsättigung geben sollte – und das scheint ihm allmählich der Fall zu sein –, müsste Mutterkuh Schweiz rechtzeitig die Aufnahme neuer Betriebe stoppen, fordert Beat Meyer.
Betriebsspiegel Hinter-Wellsberg
Betriebsleiter: Beat Beyer
Standort: Willisau, 700 m ü. M., Voralpine Hügelzone
LN:19 ha Wiesen und Weiden
Tierhaltung: 30 Mutterkühe mit Kälbern zur Natura-Veal-Produktion, Absatz rund 40 Kälber pro Jahr, 1 Limousin-Stier
Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar Beat und Mariann Meyer, Vater des Betriebsleiters Emil Meyer
Nebenerwerb: Betriebsleiter arbeitet nebenbei im Baubereich

