Bereits das fünfte Mal ist Pavel Piskovský im Einsatz mit Agriviva. Der Medizinstudent aus Tschechien weilt derzeit bei Carmen Pfrunder und Christoph Schnetter. Durch seine Aufenthalte hat Pavel nicht nur die Liebe zur Schweiz entdeckt, sondern auch die zur Landwirtschaft.
Von der Stadt auf die Alp
Auf das Angebot von Agriviva kam er durch einen Schulfreund. Der hatte bereits einen Aufenthalt hinter sich und ihm von der Schweiz erzählt. Die Erzählungen hatten ihn beeindruckt und er entschied sich, auch einen Austausch zu machen. Gerne wäre er auf eine Alp, das habe dann leider nicht geklappt.
Als Pavel dann das erste Mal in die Schweiz kam, war er 16 Jahre jung. Etwas komisch sei es schon gewesen, so jung und weit weg von der eigenen Familie. Damals hat er noch täglich mit seinen Eltern telefoniert. Aber als offene und kommunikative Person, fiel es Pavel leicht, sich in die Gastgeberfamilien zu integrieren und neue Menschen kennen zu lernen. Auch sein Deutsch war nach acht Jahren Unterricht am Gymnasium bereits so gut, dass er sich klar mitteilen konnte. Natürlich hat er während seiner Aufenthalte noch viel dazu gelernt. Die deutsche Sprache bereitet ihm viel Freude, so dass er mittlerweile ein Zertifikat am Goethe-Institut errungen hat.
Tischobst statt Tafelobst
Eine amüsante Geschichte erzählt Gastgeber Christoph Schnetter zu einem Fachbegriff: «Pavel hat am Anfang von Tischobst gesprochen und wir haben uns gedacht, was meint er nur damit. Irgendwann wurde uns klar, dass er ‹Tafelobst› meinte. So verkehrt ist die Wortwahl ja nicht, nur gibt es den Ausdruck Tischobst nicht.»
In Tschechien studiert Pavel Medizin im zweiten Semester, ein sehr kopflastiges Studium. Die Zeit bei seiner Gastfamilie empfindet er als Erholung. Vor allem für sein Gehirn. «Besonders mag ich die körperlichen Tätigkeiten, bei denen ich den Kopf abschalten kann. Heuen zum Beispiel ist streng, aber schön. Ich bin sehr gerne in der Natur. Ich mag die Nähe zur Erde. Es ist alles sehr bodenständig im landwirtschaftlichen Bereich. Das empfinde ich als Bereicherung», erzählt er gut gelaunt. Am liebsten arbeitet er jedoch mit den Tieren. «Sie sind immer ehrlich, man sieht ihre Veränderung von Tag zu Tag», erklärt er weiter. Auf die Frage, was ihm in der Schweiz speziell aufgefallen sei, erzählt Pavel schmunzelnd: «Wenn du am Fussgängerstreifen stehst, halten die Autos tatsächlich an. In Tschechien muss man länger warten.»
Herzlich mit einigen Regeln
Zu seinen derzeitigen Gastgebern Carmen Pfrunder und Christoph Schnetter kam er das erste Mal im Jahr 2019 für zwei Wochen. Die herzliche und freundliche Familie hat ihn sofort ins Herz geschlossen und auch Pavel fühlte sich von Anfang an wohl. So ist er nun das dritte Mal in Gansingen auf der Pfrunder Wildfarm und unterstützt den Betrieb. Ob bei den Hirschen und Schafen oder der Arbeit auf den Wiesen und im Hochstamm-Obstgarten. Pavel packt überall gerne mit an.
Im Hause Pfrunder/Schnetter gibt es gewisse Regeln für die Praktikant(innen). Wichtig ist der Familie, dass das Handy während der Arbeitszeit weggelegt wird. Auch feste Essenszeiten, in denen man gemeinsam am Tisch sitzt und sich austauscht, liegen dem Paar am Herzen.
Bereicherung für alle
«Die jungen Menschen sind eine Bereicherung in unserem Alltag, insbesondere auch für die Kinder,» führt Christoph Schnetter aus. Neben der Arbeit ist der Familie auch die gemeinsame Freizeit wichtig. Die jungen Helfer(innen) können jederzeit einen Spiele- oder Fernsehabend mit der Familie verbringen. Carmen und Christoph haben sich bewusst auch für Jugendliche aus der Europäischen Union entschieden. Das hat gemäss Schnetter einen simplen Grund: «Wir können hier wegen der Tiere nicht so oft weg, Ferien sind nicht jedes Jahr machbar. Mit der Anmeldung als Gastgeber für Agriviva haben wir uns gedacht, holen wir uns die Welt ein bisschen nach Hause.»
Besuch in Tschechien
Die Familie und ihr Praktikant sind mittlerweile auch ausserhalb der Agriviva-Zeit in Kontakt. Pavel hält sie stets auf dem neusten Stand, was sein Studium und seine Erfolge angeht. Für das Gastgeberpaar und die Kinder ist klar, dass sie, wenn es die Zeit und Corona zulassen, Pavel auch mal in Tschechien besuchen möchten. Konkrete Pläne sind sie bereits am schmieden. Eine Reise bedeutet, wie bei vielen Bauern, immer eine gewisse Organisation. Sie sind optimistisch, dass sie ihren Plan im kommenden Jahr realisieren können.
Weitere Informationen: www.pfrunder-wildfarm.ch
Pfrunder Wildfarm Betriebsleiter:
Carmen Pfrunder und Christoph Schnetter, Kinder Maria (17), Vanja (15), Zwillinge Andres und Vivienne (13) Ort: Gansingen (Aargau) Flächen: 25 ha LN, davon 38 % Ökoflächen, 2,5 ha Wald, 430 Hochstammobstbäume Tiere: Damhirsche: 50 Muttertiere, 1 Stier, Schafe: 13 Auen, 1 Bock Nebenerwerb: Direktvermarktung von Damhirsch- und Lammfleisch, Produkte aus dem Hochstammgarten Weitere Angebote: Schule auf dem Bauernhof, Tavolatas, ganzheitliche Kurse

