«Mich wird niemand überholen»

Bauer Hans Vogt ist mit 91 Jahren der älteste Einwohner von Langenbruck im Kanton Basel-Landschaft. Zufrieden blickt er auf sein Leben zurück und erzählt, wie Schnecken Wunder zu bewirken schienen.

«Ich bin der älteste Einwohner im Dorf Langbruck», sagt Landwirt Hans Vogt und schmunzelt. «Und es wird mich wohl niemand mehr überholen.» Der 91-Jährige ist noch voller Schalk und Witz; mit ihm zu sprechen ist unterhaltsam und geistreich. Er wurde als einziges Kind auf dem Hof Helfenberg geboren.

«Ich wollte Bauer werden»

So war es gegeben, dass er den Betrieb übernahm. «Zu jener Zeit überlegten wir uns gar nicht, ob eine andere Lösung in Frage käme», hält er fest. Und fügt sofort an: «Aber ich wollte eh Bauer werden.» Damals sei es nicht Mode gewesen, die landwirtschaftliche Schule zu besuchen. Er habe aber über längere Zeit die von Otti Buess, Schulleiter landwirtschaftliche Schule Baselland, von 1960 bis 1984 angebotenen Aus- und Fortbildungskurse in Oberdorf besucht.

Die Braut war angestellt

1960 heiratete Hans Vogt die Bauerntochter Elsbeth Senn von Wintersingen. Sie war bäuerliche Hausangestellte bei der Familie Schmutz vom Chilchzimmer in Langenbruck. Die beiden lernten sich an einem Tanzabend kennen. Er lacht und sagt: «Ich war Zeit meines Lebens ein richtiges Tanzfüdli. Meine Frau weniger, aber sie hielt mir zuliebe mit, denn ich liess keinen Unterhaltungsabend des Bergbauernvereins Langenbruck aus.» Sechs Kindern wurden Vogts geschenkt: Verena, die in Hägendorf lebt; Ueli, der den Helfenberg übernahm; Rita, die auf dem Rünenberg wohnt; Heidi, die als einzige weiter wegzog, nämlich nach Schwarzsee; Silvia lebt in Egerkingen und Beat in Gerlafingen. Zur eigenen Kinderschar nahm das Paar noch zwei Pflegesöhne auf. Während zwei Jahren Markus und während der ganzen Schulzeit Thomas. Seine Kinder schenkten Hans Vogt zwölf Grosskinder und fünf Urgrosskinder.

Gesund gelebt – das zahlt sich aus

Hans Vogts Frau starb letztes Jahr, nachdem sie ein Jahr im Altersheim gelebt hatte. Er selbst wohnte bereits da mit ihr im Stöckli, im ausgebauten Estrich, der früher als Getreidekammer diente. Seine Töchter und Schwiegertöchter würden ihn jetzt gut unterstützen. Natürlich habe er «Bräschte», wie das so sei in diesem hohen Alter. «Aber», grinst er, «ich bin ein guter Occasion!» Er habe gesund gelebt, nicht geraucht, nicht getrunken. Gut, gibt er zu, hie und da sonntags einen Stumpen gepafft. Auch wegen den «Bräämen», die früher beim Heuen noch häufiger waren. 2016 wurde bei ihm die Gallenblase entfernt und seit zwei Jahren hat er einen Herzschrittmacher.

Eine braune Schnecke

Dann erzählt Hans Vogt die Geschichte von der braunen Schnecke. Als er noch ledig war, sei bei ihm ein Geschwür festgestellt worden im Zwölffingerdarm. Er wollte sich nicht operieren lassen. Jemand habe ihm gesagt, er müsse eine braune schleimige Schnecke ganz schlucken. «Das tat ich», erinnert er sich, «und nach zwei Tagen spürte ich nichts mehr.» Nach ein paar Jahren, als seine Kinder zur Schule gingen, habe er bemerkt, dass da wieder etwas nicht stimme. Also runter mit einer weiteren Schnecke – und seither habe er auch da nichts mehr gespürt.

Gemütlich im Winter

Als Hans Vogt 1965 zusammen mit seiner Frau den Hof übernahm, hielten sie Simmentaler Kühe. Später wechselten sie zur Kälbermast und Aufzucht. «In den 1980er-Jahren hielten wir noch Mastschweine», erinnert er sich. Bis nach Liestal seien sie gefahren und hätten Hotelabfälle für die Verfütterung geholt. Sie haben viel gearbeitet ihr Leben lang. Und er mache immer noch weiter. Im Winter stehe er zwar nicht mehr so früh auf, nehme es gemächlicher, gehe nicht mehr in den Stall. «Aber wenn es dann ans Mähen und Heuen geht, da setzt er sich wieder auf seinen Traktor», erzählt seine Enkelin Anna Ruckstuhl-Vogt. Sie ist auf dem Helfenberg aufgewachsen und hat einen guten Draht zum Grossvater. Sie bewundert ihn, wie er zufrieden sein Leben lebt und seinen Sohn Ueli draussen auf dem Feld und auf dem Acker immer noch unterstütze.