Regionale Produkte: Aargauer entdecken im Hofladen mehr Vielfalt als im Supermarkt

Im Projekt «Eintüten» des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg, erkundeten Einwohnerinnen und Einwohner von insgesamt sechs Aargauer Gemeinden, woher die gekauften Lebensmittel kommen. Sie entdeckten neue regionale Produkte und Einkaufsmöglichkeiten.

Woher kommen eigentlich die Tomaten, der Käse oder der Tofu, den ich einkaufe? Wurde der Soja in Italien oder der Schweiz angebaut? Wann haben Gurken und Erdbeeren aus der Region Saison? Finde ich Schweizer Mehl, Linsen und Öl? Dies waren Fragen, mit denen sich im Herbst 2025 und Frühling 2026 rund 70 Teilnehmende des Projektes «Eintüten – woher kommt mein Essen» befassten.

Lanciert wurde das Projekt vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG und von «Catta» – einem Büro für Wissenschaftskommunikation. Es fand mit den engagierten aargauischen Gemeinden Suhr, Gränichen, Lenzburg, Möriken-Wildegg, Niederlenz und Othmarsingen statt.

Die Entstehung des Projektes

Das Ziel des Projektes war, Einwohnerinnen und Einwohner für die nachhaltige Ernährung zu sensibilisieren. Denn beim Lebensmitteleinkauf kann jede und jeder mit kleinem Aufwand etwas zur Nachhaltigkeit beitragen. Etwa mit weniger Foodwaste, der Orientierung an der Lebensmittelpyramide und eben einer regionalen und saisonalen Ernährung.

Dieser Fokus wurde im Projekt gewählt, da er einfach umzusetzen ist und konkrete Handlungsmöglichkeiten bietet. Zudem wird der Bezug zur lokalen Landwirtschaft gefördert. Das Projekt wurde durch den Entwicklungsschwerpunkt Klima des Kantons Aargau unterstützt.

Regionale Einkaufsmöglichkeiten entdecken

Am Startworkshop lernten die Teilnehmenden das Projekt und die eigens kreierte Web-App kennen. Sie befassten sich damit, wie sie die Herkunft (Produktionsort der Rohstoffe) eines Produktes herausfinden können, was Regio-Labels bedeuten, und sie trugen auf einer Karte Einkaufsmöglichkeiten für regionale und lokale Produkte in ihrer Gemeinde zusammen. Zudem erfuhren sie von lokalen Landwirtinnen und Landwirten viel Konkretes über die Landwirtschaft, zum Beispiel was aktuell Saison hat oder wo Herausforderungen in der Produktion liegen.

Den eigenen Einkauf erkunden

Nach dem Workshop ging es ans Erfassen der Herkunft der Lebensmittel in der eigenen Küche. Die Teilnehmenden wurden nun zu Forschenden gemäss dem Konzept «Citizen Science». Citizen Science heisst auf Deutsch «Bürgerforschung» oder «Bürgerwissenschaft». Die Teilnehmenden gingen den Fragen nach: Wie gut ist es möglich, möglichst regional und saisonal einzukaufen? Welches importierte Lebensmittel kann ich mit einem einheimischen Produkt ersetzen? Welche regionalen Produkte sind in den hiesigen Läden vorhanden? 

Am Schlussworkshop tauschten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen dazu aus. Einige entdeckten neue regionale Einkaufsmöglichkeiten und Produkte. Vielen gelang es im Projektzeitraum, vermehrt regional und saisonal einzukaufen, wie die zusammengefassten Daten zeigten.

Warum gelingt es nicht immer?

Einige Hürden waren unklare und nicht vorhandene Herkunftsbezeichnungen, das mangelnde Angebot von Schweizer Produkten (z. B. bei Nüssen, Hülsenfrüchten) am üblichen Einkaufsort, der Zeitaufwand, um noch mehr regionale Produkte zu finden, oder auch der Preis. Zudem gibt es bei der Ernährung nicht nur das Kriterium regional und saisonal.

Einige Teilnehmende bevorzugen in erster Linie Biolabel oder sie haben gerne Abwechslung bei den Gerichten. So gibt es auch mal ein Thai-Curry mit Kokosmilch oder einen Chicoréesalat mit Orangen und Datteln, welche nicht regional bezogen werden können. Andererseits entdeckten viele auch neue Gemüsesorten und probierten neue Zubereitungsarten mit Krautstiel, Kohl oder Randen aus. In der Frühjahrsdurchführung waren die ersten Spargeln aus der Region ebenfalls ein Highlight und wurden in der App als Saisonmahlzeit festgehalten.

Mehrwert für lokale Landwirtschaft

Die erstellten Karten und Flyer für lokale Einkaufsmöglichkeiten für regionale Produkte enthalten viele Hofläden, Gemüseabos und Selbstpflückfelder. Durch das Projekt wächst die Aufmerksamkeit für diese Angebote und Produkte.

Vielen Teilnehmenden wurde bewusst, wie vielfältig die Aargauer Landwirtschaft ist und dass sie in manchen Hofläden das interessantere Angebot finden als im Supermarkt. Zum Beispiel – je nach Saison – eine grosse Vielfalt an Tomaten oder Äpfeln. Oder auch die Erkenntnis, dass im Grossverteiler die Peperoni aus Holland kamen, während der lokale Hofladen welche aus eigenem Anbau im Angebot hatte.

Auch wenn einige Teilnehmende an diesem Projekt bereits vorher bewusst eingekauft haben, haben sie doch über den Projektzeitraum mehr regionale Produkte eingekauft. Ein Fazit war: Es sind mehr regionale oder Schweizer Produkte erhältlich als gedacht. Aber es braucht teilweise etwas Einsatz, diese auch zu finden. Denn trotz diverser Online-Tools und Hofladen-Seiten fehlt eine Übersicht, was aktuell wo erhältlich ist und einfach eingekauft werden kann.

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