«Mami, du musst jetzt noch mitmachen, solange ich noch klein und herzig bin», hat ihr der damals zehnjährige Sohn Damian argumentiert. Denn sein Herzigsein laufe bald ab, wenn er grösser werde. Nicht nur er, sondern auch seine beiden älteren Schwestern, Ladina und Isabel, hätten Sonja Rutz überzeugt, sich bei der Landfrauenküche anzumelden. Und das, obwohl sie und ihr Mann sich je nach Jahreszeit beim Kochen abwechseln.
Übernahm den Betrieb ihrer Eltern
Der Hof der Familie Rutz – «Ruetz» spreche man den Namen richtig aus, erklärt Sonja – liegt auf 830 m ü. M., oberhalb von Küssnacht am Rigi. Zum Betrieb gehören das ältere Holzhaus ihrer Eltern mit dem bunten Garten, ein Stall und dahinter das neuere Holzhaus der Familie.
Und praktisch von überall: der Blick zum Pilatus und auf den Vierwaldstättersee. 2013 übernahmen Sonja Rutz und ihr Mann Hanspeter, ein gelernter Landwirt und Zimmermann, den Betrieb ihrer Eltern. Ihr Vater ist als Muotathaler Wetterprophet bekannt. Sie selbst habe zwar ebenfalls ein «Gspüri» fürs Wetter, doch sei dieses Thema für sie nebenbei im Alltag nicht allzu wichtig.

Hausarbeiten sind saisonal verteilt
Sonja Rutz ist Pflegefachfrau und arbeitet jeweils im Winter zu 90 % in der Andreasklinik Cham. Während sie auswärts arbeitet, übernimmt ihr Mann zu Hause die Aufgaben als Hausmann und kümmert sich um Hof und Haushalt.
Das ist schon seit vielen Jahren so: Als ihre damals halbjährige Tochter zu fremdeln begann, wurde deutlich, dass sie ihren Vater zu wenig sah. Hanspeter war als Zimmermann viel auswärts und ansonsten mit dem Hof beschäftigt. Deshalb beschlossen die beiden, ihren Familienalltag künftig anders zu organisieren. So arbeitete Sonja zu 80 % im Spital im Spätdienst. Während sie also am Morgen zu Hause war, konnte Hanspeter die Hofarbeiten machen und übernahm ab Mittag die Kinder. Gab es zu Heuen, haben die Eltern, Schwiegereltern oder Tanten die Kinder betreut.
Steckbrief
Name: Sonja Rutz
Alter: 46
Beruf / Ausbildung: Pflegefachfrau, Mutter und Lama-Guide
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 11,5 Hektare in der Bergzone 2
Tierbestand: 22 Lamas, 24 Aufzuchtrinder, 2 Ponys, 40 Hühner, ein Hofhund und 4 Katzen
Lama-Trekking für junge Erwachsene
Vor zehn Jahren kam die Seebodenalp hinzu, die direkt oberhalb ihres Betriebes liegt. Seither ist Hanspeter Rutz dort im Sommer angestellter Älpler und betreut rund 180 Rinder und einige Mutterkühe, während Sonja zwischen der Alp und dem heimischen Betrieb pendelt. «Mein Arbeitgeber ist grossartig. Seit die Alp dazu kam, muss ich im Sommer nicht im Spital arbeiten.»
Mit auf der Alp sind jeweils auch einige Lamas der Familie Rutz. Sonja Rutz bietet mit ihnen Lama-Trekkings an und verkauft im kleinen «Lama-Eggä» die Produkte aus Lamawolle. Mit vier Tieren haben sie ursprünglich angefangen, mittlerweile sind es 22. Dabei ist die grösste Zielgruppe nicht – wie ursprünglich vermutet – Familien mit Kindern, sondern Kollegschaften von jungen Erwachsenen, Vereine und Firmen. «Ich geniesse die Kontakte der verschiedenen Menschen, die viel stadtorientiert sind. So kommt man mit ihnen ins Gespräch und kann ihnen die Landwirtschaft näherbringen.»
Kein Lieblingslama
Hinter dem Stall weidet die Wallach- und Hengstgruppe: weiss, braun, beige, gefleckt oder nahezu einfarbig und mit einer Schulterhöhe von bis zu 120 cm. Mit ihren langen Hälsen überragen sie Sonja Rutz, die ihnen abends das Heu bringt. Die Kommunikation unter den Lamas ist spannend zu beobachten: das Ohrenspiel, die Haltung des Schwanzes und die generelle Körpersprache.
«Ich habe Classic-Lamas sowie einige Kreuzungen aus Wooly und Classic», erklärt Rutz. Obwohl alle geschoren sind, haben die Classics den heissen Sommer entspannter überstanden. Ein Lieblingslama habe sie nicht, meint die Bäuerin. Jedes Tier habe seine eigenen Eigenschaften und sei auf seine Art liebenswert.
Von der Natur inspirieren lassen
«Ich habe das Glück, nicht jeden Tag kochen zu müssen», meint Sonja Rutz schmunzelnd. Sonst würde ihr das Kochen verleiden. Auch im Sommer, wenn sie mit ihren Lamas unterwegs ist, steht ihr Mann oft in der Küche. Dabei kocht er ähnlich wie sie. Die Kinder finden sogar, dass ihr Vater besser kocht.
Wenn es schnell gehen muss, gibt es meist etwas mit Eiern von den eigenen Hühnern: Rührei, Spiegelei, Omeletten. Und wenn es etwas sein soll, von dem sie weiss, dass es alle Familienmitglieder gerne essen, stehen Kartoffeln auf dem Speiseplan.
Für ihr Menü bei der Landfrauenküche hat sich die 46‑Jährige von der Natur inspirieren lassen. Und zwar mehr, als man lediglich im Stall oder Garten findet. Das gesamte Menü hat sie einmal durchgekocht und einzelne Komponenten ein weiteres Mal geübt.

Sein eigener Chef sein
Wenn die dreifache Mutter Zeit hat, geht sie gerne mit Hofhund Jacky wandern. Und sei es nur bis zur Weide ihrer Lamas, oberhalb des Betriebes. Diesen Ort mag sie besonders: Hier kann sie die Aussicht geniessen, beobachten, was auf den umliegenden Höfen läuft, und gelegentlich den Sonnenuntergang bestaunen.
Genau das schätzt Sonja Rutz an der Landwirtschaft: draussen bei den Tieren zu sein, keine direkten Nachbarn zu haben, die sich an spielenden, manchmal lauten Kindern oder an einem nicht perfekt gestylten Outfit stören könnten. Und vor allem die Freiheit, die eigene Chefin zu sein.

Fünf Fragen an Sonja Rutz
Mein Lieblingsessen als Kind:
Ein Lieblingsessen hatte ich nicht, aber Luzerner Pastetli mochte ich sehr gerne.
Das esse ich (heute) nicht gerne:
Büchsenravioli.
Meine Küchenwunderwaffe:
Abwaschmaschine: Während Corona war sie defekt und wir mussten ein halbes Jahr von Hand spülen.
Meine Lieblingsarbeit in der Küche:
Backen.
Diese Küchenarbeit finde ich öde:
Kühlschrank putzen, auch weil man den Erfolg nicht lange sieht bei fünf Personen im Haushalt.

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