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«Auch wenn KI so tut, als ob – sie weiss nichts», sagt Vereinscoach Hanu Fehr

Eine Umfrage für die Vereinsmitglieder, ein Sitzungsprotokoll oder eine Idee aus dem Kühlschrankinhalt zum Zmittag erstellen lassen – KI macht das möglich. Doch wo liegen ihre Grenzen? Vereinscoach Hanu Fehr über das Prompten und Menschlichkeit.

«Künstliche Intelligenz (KI) ist kein Zukunftsthema – sie kann schon heute im Alltag und im Vereinsleben helfen», erklärt Hanu Fehr, Vereinscoach, Referent und Moderator, in einem seiner Vorträge. So geschehen im Frühling, als er Mitgliedern des Verbands Bernischer Landfrauenvereine erklärte, wie KI als clevere Helferin im Verein und auch im Alltag eingesetzt werden kann.

Aber was genau ist KI? Sie ist kein Roboter, sondern eine digitale Assistenz, die hilft, Ideen für Ausflüge oder Einladungen sowie Texte schneller zu erstellen. KI «lernt» aus vielen Beispielen – etwa beim Planen, Schreiben oder Gestalten – und liefert Vorschläge, die anschliessend geprüft werden müssen. Wichtig zu wissen ist: «Auch wenn KI so tut, als ob – sie weiss nichts», erklärte Hanu Fehr. Künstliche Intelligenz filtert das Benötigte aus grossen Mengen an Daten aus dem Netz heraus und errechnet das wahrscheinlich passendste Ergebnis.

Der Coach Hanu Fehr unterstützt Vereine und vermittelt in Kursen Wissen zum Umgang mit künstlicher Intelligenz.(Bild: Hanu Fehr)

Menschlichkeit kann KI nicht

KI schafft Zeit für Menschliches, ist Hanu Fehr der Überzeugung. Und er betonte: «KI kann Menschlichkeit unterstützen, nicht ersetzen.» Dies, indem mit ihrer Unterstützung berührende Texte für Grusskarten, Briefe oder eine Rede entstehen. Auch Rätsel oder Quiz können einfach erstellt werden, um etwa die Vereinsversammlung aufzulockern.

Vorteile für Vereine:

  • Zeitersparnis beim Schreiben von Einladungen, Newslettern, Protokollen und Reden.
  • Erstellen von Beiträgen für die sozialen Medien.
  • Ideenfindungen für Ausflüge, Reisen, Events etc.

Hanu Fehr nannte auch geeignete Tools. Diese heissen: ChatGPT, Gemini, Claude, Copilot, Perplexity oder Ideogram. Sollen Bilder für Flyer, Websites oder Präsentationen erstellt werden, sind ChatGPT, Ideogram oder Stable Diffusion eine gute Wahl. Viele dieser Programme bieten Einstiegslösungen kostenlos an.

Prompt – Der Auftrag an die KI

Doch wie mache ich der KI klar, was ich von ihr will? Dies geschieht mit einem Text, dem sogenannten Prompt. Wichtig zu wissen: Die Qualität der Antwort hängt stark davon ab, wie gut der Prompt formuliert ist. Und: «Geben Sie Stil, Zielgruppe und Kontext an. Verwenden Sie möglichst vertrauenswürdige Quellen wie chatgpt.com, um Fakes zu vermeiden. Aber Achtung: Ironie versteht KI nicht», betonte Hanu Fehr.

Der Referent zeigte mehrere praktische Beispiele auf. So etwa den Prompt, der Ideen für die Mitgliederwerbung suchte. Dieser lautete: Wir sind ein Frauenverein in einer ländlichen Region in der Schweiz. Unsere Mitglieder sind eher älter und es kommen immer weniger neue dazu. Welche einfachen und umsetzbaren Ideen hast du für Anlässe, die wieder mehr Menschen anziehen und Gemeinschaft fördern? Bitte konkret und realistisch.

ChatGPT lieferte nach wenigen Sekunden rund zehn gute Ideen. Auch bei der leidigen Frage «Was soll ich heute nur kochen?» kann KI helfen. Dies, indem in die KI ein Bild des Kühlschrankinhaltes hochgeladen wird. Soll KI bei der privaten oder vereinstechnischen Reiseplanung helfen, kann im Prompt erwähnt werden, was schon erlebt wurde, was gut ankam und was nicht.

Chancen und Risiken

Neben Vorteilen hat KI aber auch Grenzen. Hanu Fehr betonte, dass die Verantwortung immer beim Menschen liegt. Jede Person müsse sich selbst überlegen, ob etwa Namen in Prompts geschrieben würden oder nicht (Datenschutz und das Urheberrecht).

«Überlegt selbst, was ihr hineinschreibt und was nicht. Seid euch bewusst, dass alles, was ins Internet geht, potenziell weiterverarbeitet werden kann.» Zudem soll im Verein definiert werden, was beim Prompten erlaubt ist und was nicht. Hanu Fehrs Tipp zum Schluss ist simpel: «Schau hin, probiere aus, lerne mit. Und bleibe gleichzeitig Mensch mit Humor, Neugier und der Fähigkeit, über dich selbst zu lachen. Denn genau das kann keine KI der Welt kopieren.»

Zudem soll KI so genutzt werden, wie Vereine gute Helferinnen nutzen – nicht jeden Tag, aber immer dann, wenn es das Leben vereinfacht.

Nachteil: grosser Stromverbrauch

Ein Thema, das im Kurs von Hanu Fehr nicht angesprochen wurde, ist der Stromverbrauch. Laut SRF-Wirtschaftsredaktor Dario Pelosi hat Google Berechnungen angestellt. «Nach der Berechnung des Konzerns benötigt eine Anfrage an KI so viel Strom wie neun Sekunden Fernsehen, 0,24 Wattstunden. Zusätzlich dazu werden rund fünf Tropfen Wasser (0,26 Milliliter pro Anfrage) benötigt, dies zur Kühlung der Rechenzentren», heisst es in einem Onlineartikel von SRF aus dem vergangenen Jahr.

Anfrage und Training benötigen viel Strom

Auch die Firma OpenAI – die Erfinderin von ChatGPT – habe sich diese Überlegung gemacht. Dort wurde errechnet, dass eine durchschnittliche KI-Anfrage bei 0,34 Wattstunden so viel Strom wie gut eine Sekunde Backofenbetrieb verbrauche. Das klingt nicht nach viel. Allerdings sei die Rechnung nicht so einfach, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Dario Pelosi: «Der Stromverbrauch ist nur für die eigentliche Anfrage angegeben. Aber diese Applikationen müssen trainiert werden. Sie werden mit Unmengen von Daten gefüttert, was auch Unmengen von Energie verbraucht.»

Bilder haben einen grösseren Verbrauch

Und wie bei so vielem anderen auch, ist die Menge massgebend. Denn weltweit werden laut «gradually.ai», Deutschlands führender Plattform für KI-Tools und Wissen für Online-Unternehmer, allein bei ChatGPT tagtäglich 2,5 Milliarden Abfragen getätigt. Das verbraucht eine Menge Strom. Klar ist, dass das Erstellen von Bildern und Videos mit KI deutlich mehr Strom benötigt als eine einfache Textanfrage. Trotz aller Vorteile sollte sich jede und jeder gut überlegen, ob die Anfrage an eine KI wirklich nötig ist, oder, ob eine Anfrage in einer Suchmaschine wie Google nicht auch ausreicht.

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