Christof Widmer, Biolandwirt aus Sempach, bewirtschaftet einen 26-Hektaren-Betrieb mit Milchvieh, Pouletmast und etwas Ackerbau. Seine 38 Kühe kalben alle im Frühjahr und sind während der Vegetationsperiode voll auf der Weide. Entsprechend kommen alle Kälber im Februar und März zur Welt.
«Zählt bei den Schlachttieren nur die Masse?»
Christof Widmer möchte beim Tränkerhandel die Qualität mehr gewichten.
Drei Monate Milch für alle
Ob Aufzucht oder Mast macht keinen Unterschied, es werden alle gleich gehalten und gefüttert. Sie bekommen mindestens drei Monate Milch, dazu Dürrfutter und etwas Graswürfel, dafür kein Kraftfutter. Anfang April kommen alle Kälber tagsüber auf die Weide. Wenn die jüngsten Kälber drei Monate alt sind, geht die ganze Gruppe zusammen zur Nachbarin. Die einen zur weiteren Aufzucht, alle anderen werden zu Bio–Weidebeef herangezogen.
Die Hauptvorteile seiner Kälberhaltung sieht Widmer beim Tierwohl und der Tiergesundheit. Zusätzlich würde der Milchbedarf seiner Kälber die Milchspitze seiner saisonalen Produktion abfedern und die Arbeit sei erst noch gut bezahlt. Christof Widmer ist jedenfalls mit dem Ergebnis sehr zufrieden und glaubt, dass seine Nachbarin das ebenso sieht.
Kritik am Tränkermarkt
Christof Widmer hat sich neben der Kälberhaltung auch viel Gedanken zum Kälbermarkt gemacht. «Ich finde es nicht sinnvoll, wie der Tränkermarkt funktioniert», sagt er. «Die Tiere werden im Immunitätsloch von vielen verschiedenen Betrieben zusammengeführt. Der damit verbundene hohe Antibiotikaeinsatz ist systembedingt und in meinen Augen bedenklich. Das ist nur eine Problemverschiebung.» Die Tatsache, dass Biokälber zu einem hohen Anteil auf dem konventionellen Tränkermarkt landen, ist aus seiner Sicht sowieso nicht sinnvoll und schon gar nicht im Sinne einer biologischen Landwirtschaft. Hier müssten Absatzmöglichkeiten mit einem Grossverteiler geschaffen werden, fordert Widmer.
«Tränkermarkt funktioniert nicht sinnvoll.»
Christof Widmer weist auf kritische Punkte hin.
Masse vor Klasse
Widmer findet generell, dass man Anforderungen und Verhalten im Kälbermarkt auch im Zusammenhang mit der Grossviehmast diskutieren müsste. Er fragt sich, ob bei den Schlachttieren nur die Masse zählt. Beim Handel von Tränkekälbern und Schlachtvieh spiele die Fleischqualität offensichtlich eine sehr untergeordnete Rolle. So werden beispielsweise von den Händlern gerne Abkömmlinge von Weiss-Blauen Belgiern und anderen spätreifen Mastrassen gekauft, dagegen sind Anguskälber weniger gesucht. Aus Sicht des Konsumenten müsste dies jedoch gerade umgekehrt sein, gibt Christof Widmer zu bedenken. Frühreife Rassen hätten weiter den Vorteil, dass sie weniger intensiv gefüttert werden müssten, um einen genügenden Ausmastgrad zu erreichen. Dies würde es ermöglichen, neben Milch auch mehr Fleisch aus Gras zu produzieren.
Die Landwirte müssten hier wachsam sein und dem Konsumenten eine sinnvolle, nachhaltige Produktion verkaufen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Mercosur-Freihandelsabkommen sei dies wichtig, findet Biolandwirt Christof Widmer.

