Immer wieder taucht die Frage auf: Was für Wetter steht uns denn im kommenden Sommer bevor? Das Interesse an Langfrist-Prognosen ist hoch und gerade in der Landwirtschaft ist der Wunsch gross, möglichst genaue Aussagen über die Witterungsverhältnisse in den kommenden Monaten zu erhalten.
Modelle für ein halbes Jahr
Dazu gibt es verschiedene Ansätze – einige sind wissenschaftlicher, andere etwas weniger. Hier soll beschrieben werden, wie Langfrist-Wettermodelle funktionieren, was sie können und wo ihre Grenzen liegen. Ausserdem werfen wir noch einen kurzen Blick auf die jüngst prophezeiten Sommerprognosen des Böögs und der Wetterschmöcker.
Schon lange vor der ersten Entwicklung von Wettermodellen haben sich die Menschen Gedanken über die Wetterentwicklung gemacht und aus Beobachtungen Regelmässigkeiten für die zukünftige Entwicklung des Wetters hergeleitet. Daraus sind dann auch die Bauernregeln entstanden.
Heutzutage richtet sich der Fokus für die Vorhersage des Wetters über mehrere Monate auf Langfrist-Wettermodelle. Diese Langfrist-Modelle sind im Grunde nichts anderes als die üblichen Wettermodelle, die für die tägliche Wetterprognose benötigt werden. Der Unterschied liegt darin, dassdie Langfrist-Modelle den Zustand der Atmosphäre nicht wie üblich nur für die kommenden ein bis zehn Tage berechnen, sondern für sechs oder sogar neun Monate im Voraus.
Das Grosse im Blick
Rasch kommt natürlich der berechtigte Einwand: Wenn die Wettermodelle oft schon das Wetter für eine Woche nur ungenau berechnen können, was bringt es dann, Wettermodelle für mehrere Monate in die Zukunft laufen zu lassen?
Hier kommen die Limitationen der Langfrist-Modelle zum Tragen. Bei saisonalen Prognosen kann es nicht darum gehen, das Wetter zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu prognostizieren, dafür sind sie zu ungenau. Vielmehr geht es darum, Aussagen darüber zu machen, ob es in einer grösseren Region über eine längere Zeitspanne, zum Beispiel einen Monat, überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich temperiert ist und ob mehr oder weniger Niederschlag fällt als im klimatologischen Durchschnitt.
Alles Wahrscheinlichkeiten
Ein weiterer wichtiger zu beachtender Punkt bei Langfrist-Wetterprognosen ist, dass bei den möglichen Entwicklungen von statistischen Wahrscheinlichkeitsaussagen gesprochen wird. Dazu wird das Modell mit leicht veränderten Anfangsbedingungen viele Male ausgeführt und am Schluss werden die Wahrscheinlichkeiten der Abweichungen vom klimatologischen Durchschnitt berechnet.
Betrachten wir etwa den aktuellen Temperaturtrend für die Monate Mai bis Juli im Mittelland der Nord- und Ostschweiz: Die Wettermodelle zeigen für die kommenden drei Monate einen Trend zu überdurchschnittlichen Temperaturen mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60 % und unterdurchschnittlichen Temperaturen zu nur knapp 20 %.
Wie wird der Sommer 2022?
Niederschlagstrends festzustellen, ist in der Regel mit noch grösseren Unsicherheiten behaftet. Die aktuellen Berechnungen zeigen eher trockenere Verhältnisse in Südeuropa und leicht feuchtere im Norden Europas im Vergleich zum klimatologischen Durchschnitt. Für die in Mitteleuropa liegende Schweiz ist in den Modellen kein Trend auszumachen.
Neben den wissenschaftlichen Modellen gibt es auch noch andere, populäre Methoden der saisonalen Prognosen. So prophezeit der Böög dieses Jahr durch die lange verzögerte Explosion einen schlechten Sommer, die Wetterschmöcker aus dem Muotathal in der Tendenz hingegen einen schönen Sommer.
Abgerechnet wird natürlich wie immer am Schluss und Ende Sommer werden wir sehen, welche Prognose wie zutreffend für den diesjährigen Sommer war.

