Die Arbeit mit Maschinen auf dem Feld sagt der Bauerntochter Sabrina Grunder nicht zu, jene mit den Maschinen in der Müllerei hingegen schon. «Hier hantiere ich eigentlich viel mit Maschinen, revidiere, stelle ein, putze, flicke – aber eben nicht draussen bei Wind und Wetter.» Grunder ist 24 Jahre alt, gelernte Müllerin und arbeitet auf dem Landwirtschaftsbetrieb ihrer Eltern, dort hauptsächlich in der Müllerei, mit.
KV als gute Grundlage
Am Anfang ihrer Berufskarriere stand nicht fest, dass sie dereinst Müllerin lernen würde. «Ich kam mit 15 aus der Schule und wollte nicht gleich weg von zu Hause», erzählt Sabrina Grunder. Sie machte die kaufmännische Lehre bei einer Recyclingfirma in Riet bei Neftenbach ZH. Schon bald aber merkte sie, dass ihr im Bürojob die körperliche Betätigung fehlte. «Einfach den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, das ist nicht meins.» Das KV sei aber eine gute Basis gewesen, wovon sie noch heute profitiere.
Weil sie von Kindesbeinen an in der Müllerei mithalf und ihr die Arbeit mit Lebensmitteln gefiel, entschied sie sich, die Ausbildung zur Müllerin zu machen. Grunder wollte nicht in einen Grossbetrieb, sie suchte einen kleinen, familiären Betrieb, so wie sie es von zu Hause kannte. In der Bachtalmühle in Sins im Kanton Aargau fand sie einen solchen Betrieb und absolvierte dort die dreijährige Lehre. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie eine Zeit lang in einer Getreidesammelstelle in Hallau SH und kehrte für vier Monate in ihren Lehrbetrieb zurück.
Ende 2019 nahm sie sich eine Auszeit und reiste mit ihrem Freund, der gelernter Landwirt ist, nach Kanada. Im Herbst 2020 begann sie mit der Ausbildung zur Müllermeisterin in Stuttgart, die sie im Februar dieses Jahres abschloss. Und im März 2022 will sie nun noch die Technikerschule in St. Gallen in Angriff nehmen. «Man hat nie ausgelernt», schmunzelt sie.
Zukunftspläne schmieden
Während all dieser Stationen arbeitete Sabrina Grunder zwischendurch immer wieder auf dem Betrieb ihrer Eltern, Maja und Bruno, mit. Am liebsten in der Müllerei. «Tiere waren früher nicht so mein Ding, auch wenn ich mittlerweile mehr Freude an ihnen habe», räumt sie ein. Dass sich das geändert hat, hat wohl auch mit ihrem Freund zu tun, dessen Eltern im Nachbardorf einen Landwirtschaftsbetrieb haben. «Unser Ziel ist, die elterlichen Betriebe irgendwann zu kombinieren», sagt Grunder. Dazu bestehe aber noch keine Eile, denn bis zur Pensionierung ihrer Eltern dauere es noch eine Weile. «Wir reden aber zu Hause viel über die Weiterführung und zukünftige Ausrichtung des Betriebs», fährt sie fort.
Das schwierige gesellschaftliche Umfeld, in der sich die Landwirtschaft befindet, macht der jungen Frau hie und da zu schaffen, gibt sie zu: «Während des Abstimmungskampfs um die Pflanzenschutz-Initiativen fragte ich mich schon, ob ich das wirklich will – das ständige Rechtfertigen unseres Berufsstandes.» Schlussendlich überwiege aber die Freude an der Arbeit in der Landwirtschaft und mit den Produkten. Grunder sagt, sie könne sich durchaus vorstellen, mehr Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Allerdings eher im Hintergrund und nicht so prominent wie ihre Mutter Maja Grunder, die Co-Präsidentin des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL) ist.
Vieles ist noch mechanisch
In der Mühle Entenschiess, so heisst der Weiler des Betriebs, gibt es keine Getreideannahme. Das Getreide beziehen Grunders von den umliegenden Sammelstellen. Sabrina Grunder erklärt: «Wir lagern einen Vorrat von zirka vier Monaten immer bei uns ein.» Dann zeigt sie auf einem Rundgang durch die Mühle die Betriebsabläufe. Das Getreide wird Schritt für Schritt von den Walzenstühlen immer feiner zu Mehl verarbeitet. Mit Hilfe des Sichters wird das Mehl von groben Partikeln getrennt, bis am Schluss nur noch Mehl und Grüsch übrig bleiben.
Viele Maschinen in der Mühle Entenschiess stammen aus der Nachkriegszeit. «Von den Abläufen her funktioniert unsere Mühle wie die modernen, es ist jedoch noch viel mehr mechanisch und nicht elektronisch», sagt Grunder. Dies hat aber zum Vorteil, dass vieles selber repariert und gewartet werden kann.
Spezialmehle für Hofläden
Angesprochen auf das schwierige Marktumfeld, in der die Schweizer Müllerei steckt, meint Sabrina Grunder: «Die Stärke unserer vergleichsweise kleinen Mühle ist die Regionalität und dass wir in einer Nische tätig sind. Mit dem Preisdruck der grossen Mühlen könnten wir nicht mithalten.» In der Mühle Entenschiess werden das eigene Getreide sowie Spezial- und Biomehle im Lohn gemahlen. 350 Tonnen Getreide, hauptsächlich Weizen, Dinkel und Roggen sowie verschiedene Urgetreide haben Grunders letztes Jahr vermahlen. Das sind etwa 250 Tonnen Mehl.
«Unsere Kundschaft sind Privathaushalte und Bäuerinnen, die für den eigenen Hofladen backen», sagt Grunder und fügt an: «Von der Nachfrage her könnten wir noch mehr Getreide vermahlen, aber dazu fehlen uns die zeitlichen und personellen Ressourcen und die Lagerkapazitäten.» Auch deshalb ist in den nächsten Jahren, noch unter der Ägide ihrer Eltern, ein Ausbau der Mühle geplant. «Langfristig möchten wir Führungen und vielleicht auch Brotbackkurse anbieten», sagt Grunder.
Schätzt den Kundenkontakt
Besonders gefällt Sabrina Grunder am Beruf Müllerin die Vielseitigkeit. Zu ihren Aufgaben gehören der Getreideeinkauf, die Einstellung der Maschinen, das Abfüllen und Absacken sowie die Auslieferung des Mehls oder der Verkauf im eigenen Hofladen, aber auch die Buchhaltung und Qualitätskontrolle. «Am meisten schätze ich den Kundenkontakt bei uns im Laden oder beim Ausliefern. Da spürt man die Wertschätzung, kann auf Probleme oder Kundenwünsche direkt eingehen.» Und auch Backen tut die 24-Jährige gerne und viel. Sie sei sonst nicht eine, die wahnsinnig viel Geduld habe, «aber beim Backen habe ich sehr viel Ausdauer».
Weitere Informationen: www.muehle-entenschiess.ch

