Letztes Jahr haben der Geschäftsmann und Metzger Ludwig Hatecke aus Scuol GR und die Pro Terra Engiadina ein ungewöhnliches Projekt lanciert: Sie unterstützen finanziell alle Käufe der echten, ursprünglichen Engadiner-Nelke in Gärtnereien des Engadins. Diese Nelke ist nämlich selten und in ihrer Art und Weise speziell.
Langsam zeigen sich auch im Engadin die ersten Frühlingsboten: Die Natur erblüht in frischen Farben und die Menschen bekommen Lust ihren Garten zu bepflanzen.
Speziell und einzigartig
Blumenkisten mit verschiedensten Blumen sorgen für Farbe an den Hausfassaden oder an Balkonen. «Dies ist ja alles gut und recht», meint Ludwig Hatecke, doch passe es einfach nicht so richtig zum Engadiner-Bild. Ziel sei es, auch in den Blumenkisten die Engadiner-Kultur und die Geschichte des Tales zu erhalten und zu fördern. «Denn die Engadiner-Nelke ist speziell und einzigartig», meint er. Dass sie auch selten geworden ist, beweist, dass heute nur noch drei Gärtnereien die edle Blume noch ziehen, pflegen und verkaufen.
«Unsere ganz spezielle Nelke blüht erst nach zwei Jahren», erklärt die Geschäftsführerin der Giardinaria Müller in Susch GR, Elisa Bonorand-Müller. Daher wurde sie letztes Jahr auch ein wenig von der Aktion «Engadiner-Nelke» überrascht. «Ich habe
immer einige kleine Pflanzen an Lager, die ich auch verkaufe. Doch diese Aktion verlangt eine grössere Menge Nelken, als bisher nachgefragt wurde», meint sie.
Qualität hat seinen Preis
Noch zwei weitere Unterengadiner Gärtnereien nehmen an dieser ganz speziellen «Nelken-Rettungsaktion» teil. Doch auch sie mussten bei der Giardinaria Müller zuerst einmal Pflanzen einkaufen. Auch diese blühen erst nach zwei Jahren und ermöglichen erst nach dieser Zeit neue, kleine Pflanzen zu ziehen.
«Sie ist eine Perle in unserer Umgebung.»
Ludwig Hatecke, Metzger, Geschäftsmann und Retter der Engadiner-Nelke
Dass die Engadiner-Nelke vermehrt Balkone, Fenstersimse usw. verziert, bedeutet natürlich, dass andere, sagen wir mal «nicht regionale Pflanzen», dort nicht mehr angepflanzt werden. Hatecke und die Pro Terra Engiadina unterstützen dies. Und zwar grosszügig. «Normalerweise kostet eine dieser speziellen Pflanzen 26 Franken», erklärt Elisa Bonorand-Müller. Dank der Aktion müssen Kunden aber nur die Hälfte des Preises bezahlen. «Qualiät hat immer schon seinen Preis gehabt», so Hatecke. «Doch unsere Nelke ist nicht nur Qualität, sie ist eine Perle in unserer einzigartigen Umgebung», betont er.
Viel Zeit und Geduld
Sowohl Ludwig Hatecke als auch die Pro Terra Engiadina sind sich bewusst, dass diese Aktion sich nicht nur auf ein oder zwei Jahre beschränkt. «Da unsere Nelke viel Zeit und Geduld braucht, wird das ganze Projekt erst in ein paar Jahren wirkliche Früchte tragen. Wenn sich aber in Zukunft nur ein paar alte Engadiner-Häuser mit der seltenen Engadiner-Nelke schmücken, habe wir das Ziel erreicht», meint er und freut sich den Werdegang der neuen Ära der Engadiner-Nelke zu beobachten. «In unserer Region haben wir Bilderbuch-Dörfer, und ich bin der Meinung, dass sich diese Mithilfe der alten, wirklich selten schöner Engadiner-Nelke noch schöner präsentieren können», schliesst er.
Ein Teil der Kultur
«Ohne umsorgt zu werden, geht sie ein.»
Elisa Bonorand-Müller, Gärtnerin und Engadiner-Nelken-Produzentin
«Mein Vater hat mir immer wieder gesagt, dass die Engadiner-Nelke etwas für alte Leute ist», erinnert sich Elisa Bonorand-Müller und lacht. Grund zu dieser Aussage sei die Begründung gewesen, dass diese Nelke sehr viel Zeit und Pflege in Anspruch nimmt. Auch die Überwinterung der Pflanzen sei eine Herausforderung. «Doch für mich ist die Engadiner-Nelke ein Teil von uns, von unserer Engadiner-Tracht und von unserer Kultur. In unserer Gärtnerei ist sie eine Rarität: Und dies macht mich sehr stolz», betont sie. Die Engadiner-Nelke sei wie eine Frau, ergänzt sie: «Sie braucht viel Verständnis, viel Liebe und viel Geduld.» Wenn diese Grundvoraussetzungen gegeben seien, sei die Nelke auch für junge Leute gemacht. «Doch ohne umsorgt zu werden, geht sie ein», warnt die Expertin. Ausserdem könne die spezielle Nelke in sehr gut in den altbelassenen Kellern überwintert werden.
Bezugsinformationen
Weitere Informationen und Bezug von Engadiner-Nelken: www.giardinaria-mueller.ch
Elisa Bonorand-Müller verlangen

