Raymond Zurschmitten, Agronom und Fotograf, hat zwölf Bergbauernfamilien aus der ganzen Schweiz in einem Bildband porträtiert. Das Coverbild zeigt exemplarisch, worum es Zurschmitten bei seinen zahlreichen Aufnahmen geht: um authentische Bilder, in denen Licht und Schatten, Formen und Strukturen eine wichtige Rolle spielen. So sieht man den Bergbauern Senior Sepp Niederberger morgens früh in Grafenort im Engelbergertal beim Mähen eines Steilhanges. Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf den gegenüberliegenden Hang Altzellen und bilden einen scharfen Schnitt zwischen Licht und Schatten.

Erschienen ist der Bildband «Bergbauern» Ende Oktober im Weber Verlag. Zwei Jahre brauchte Zurschmitten für die Fertigstellung. Er verbrachte jeweils mehrere Tage mit den Familien und fotografierte sie beim Arbeiten, ihre Umgebung und ihre Produkte, die sie grösstenteils selbst vermarkten. [IMG 2]

Überrascht von den Frauen

Am längsten verweilte er bei der Familie Lichtenberger in Le Brouillet im Vallée de la Brévine (NE). «Speziell an diesem Betrieb ist, dass sie 90 % aller Arbeiten mit Pferden erledigen. Da es reinrassige Freiberger Stuten sind, könnte man von reiner Frauenpower sprechen», so der Fotograf. Er habe bei den Betriebsbesuchen starke Persönlichkeiten kennengelernt, wie beispielsweise Giovanni Berardi, der zusammen mit seiner Familie den Betrieb Almafold in Breno in Form einer Aktiengesellschaft bewirtschaftet. Berardi, dipl. Ing. Agr. ETH, ist Mitte-Kantonsrat und Präsident der Bauernvereinigung Agrifutura und hält Hochlandrinder und Mutterkühe.

Sehr überrascht sei er von der Stärke der Frauen gewesen, sagt Raymond Zurschmitten. «Sie halten Familie und Betrieb zusammen, haben grossen Respekt vor der Natur und sind im Umgang mit den Tieren sehr umsichtig.»

Gefahrvolle Arbeit

Bei der Auswahl der Betriebe halfen ihm Kontakte wie der Präsident der Schweizer Bergheimat oder die Autorin des Buchklassikers «Wildiheiw». Die Porträts geben einen sehr breiten Einblick auf die Berglandwirtschaft: Vom Wildheuen, Käsen über das Halten von Geissen bis hin zum Agrotourismus und mehr ist alles dabei. Die Auswahl der zwölf Bauernfamilien ist nicht repräsentativ. Es wird eine breite Vielfalt von Möglichkeiten aufgezeigt, Berglandwirtschaft zu betreiben. Auf die Frage, weshalb alle im Buch porträtierten Betriebe bio seien, antwortet Zurschmitten: «Bio finde ich gut, aber dieser Punkt war kein zentrales Auswahlkriterium. In der Berglandwirtschaft ist es häufig ein kleiner Schritt zum Biobetrieb.»[IMG 3]

Die Fotos sind sehr idyllisch. Im Gegensatz dazu fokussieren sich die Texte schnörkellos auf das Wesentliche – und das ist gut so. Ob ihm die Familien auch von Sorgen und Nöten berichteten, wollte die BauernZeitung von Zurschmitten wissen. «Ja – denn Bergbauernfamilien trotzen den Naturgefahren und sind das ganze Jahr über in der Verantwortung. Gesund zu bleiben und Unfälle zu vermeiden, ist existenziell.» Das ist bei den gefahrvollen Arbeiten wie Holzen und Mähen im Steilhang immer mit Risiken verbunden, was von den Männern Mut erfordert. Trotz der strengen Arbeit sei bei allen aber eine gewisse Gelassenheit zu spüren.

«Braucht Herzblut»

[IMG 4]Während bei den einen die Nachfolge geklärt ist oder noch in weiter Ferne liegt, ist für zwei Betriebe eine Nachfolgelösung aktuell. Helmut Kiechler und Karolin Wirthner in Blitzingen VS konnten vor Kurzem über die Hofplattform für ausserfamiliäre Hofübergaben der Kleinbauern-Vereinigung Schweiz eine gute Lösung finden. Bei Robert und Edith Albin ist die Nachfolge in Abklärung. «Es wäre wunderbar, wenn sich junge Leute begeistern können, wieder vermehrt in die Berglandwirtschaft einzusteigen. Dafür braucht es Herzblut», sagt Zurschmitten.

Neben der Idylle erinnern die Schwarz-Weiss-Aufnahmen doch ein wenig an die 1980er-Jahre und an den Film «Wir Bergler in den Bergen …» von Fredi M. Murer. Gut, dass im Bildband auch mal ein Twister, eine Ballenpresse und ein Laubbläser zu sehen sind. Das zeigt, dass auch die Bergbauern im 21. Jahrhundert angekommen sind. «Manche nennen Schwarz-Weiss altmodisch, für mich bedeutet Schwarz-Weiss zeitlos», sagt dazu der Fotograf und Autor. Mit Schwarz-Weiss vermeide man die «Geschwätzigkeit der Farben», die den Blick vom Wesentlichen ablenke. Im Februar können sieben der Bilder grossformatig in der Ausstellung Photo Schweiz im Kongresshaus in Zürich bewundert werden.