«Bei uns gilt ein Handschlag noch»

Seit über 100 Jahren ist die Kofmel-Mühle im Besitz der Familie. Die vierte Generation führt jetzt den Betrieb. Die Zusammenarbeit mit den Lieferanten beruht auf Vertrauen und Wohlwollen.

Nähert man sich der Kofmel-Getreidemühle, steigt einem ein angenehmer Duft in die Nase. Im Kopfkino sieht man urchige Brote vor sich oder eine mit Butter bestrichene Brotschnitte. Man sieht sich als Kind in der Dorfbäckerei, wo viele Herrlichkeiten gebacken und angeboten werden. Dann betritt man die Kofmel-Mühle in Deitingen durch die offene Tür. Hier fühlt man sich sofort willkommen. Kein kalter Empfangsraum, sondern man ist umringt von Maschinen, Mehl- und Futtersäcken.

Auf vier Stockwerken

An der Wand gegenüber steht ein grosses Gestell mit Mehlen. Man will darauf zugehen, da tritt quasi aus der Wand rechts ein junger sympathischer Mann, der freundlich grüsst. Woher kommt er denn? Zwischen den vier Stockwerken verkehrt ein sogenannter Mühlenlift oder Sackaufzug. Eine Spezialkonstruktion, die von Hand mithilfe eines Steuerseils betrieben wird. Man hat den Familienbetrieb erst vor zwei Minuten betreten. Aber es fühlt sich an, als wäre man schon oft hier gewesen.

Die Kofmel-Mühle in Deitingen, in der vierten Generation im Besitz der Familie, wird heute von den Brüdern Christian und Daniel Kofmel geleitet.
Die Kofmel-Mühle in Deitingen, in der vierten Generation im Besitz der Familie, wird heute von den Brüdern Christian und Daniel Kofmel geleitet.

Ein verschwundener Beruf

Seit über 100 Jahren ist die Kofmel-Mühle im Besitz der Familie. Im Jahre 2019 hat die vierte Generation übernommen. Die Brüder Daniel und Christian Kofmel gründeten eine AG: Daniel, ausgebildeter Obermüller, ist zuständig für das Technische; Ökonom Christian kümmert sich um die Administration und das Marketing. «Auch wenn wir für verschiedene Bereiche verantwortlich sind», sagen sie, «arbeiten wir eng zusammen. Jeder weiss, was der andere macht.» Weiterhin im Betrieb engagiert sind ihr Vater Kurt und ihr Onkel Bruno.

Halbe Welt bereist

Vater Kofmel war «Mühlenbauer», ein Beruf, den es nicht mehr gibt. «Dank meiner Tätigkeit habe ich die halbe Welt bereist», erzählt er. Beim Besuch des Betriebs heisst es immer wieder, diese Maschine sei ein Eigenbau oder dieses Gerät sei veredelt oder dem Betrieb angepasst worden. «Selbstverständlich stets entsprechend den gesetzlichen Sicherheitsvorschriften», ergänzt Christian Kofmel. Der Personalbestand des Familienunternehmens beträgt zehn Personen.

Zusammenarbeit mit Bauern

«Wir arbeiten eng mit regionalen Bauernfamilien zusammen», erklärt Christian Kofmel, «wie das schon unsere Vorfahren getan haben.» Bei ihnen gelte ein Handschlag noch; sie bräuchten keine langen Verträge. Mit langjährigen Lieferanten bestehen Vereinbarungen. 2000 Tonnen einheimisches Getreide werden jährlich angeliefert und verarbeitet. Ein Ackerbauer ruft während des Besuchs der BauernZeitung an. Er möchte so rasch wie möglich Gerste liefern. «So geht es bei uns», lächelt der Junior-Chef, «der Produzent hat vergessen, seine Lieferung vorher anzumelden. Wenn immer möglich, kommen wir unseren Lieferanten entgegen.»

Christian Kofmel im Mühlenladen, wo unzählige Backmehle, attraktive Mehlmischungen sowie Tierfuttermischungen für Nutz- und Heimtiere angeboten werden.
Christian Kofmel im Mühlenladen, wo unzählige Backmehle, attraktive Mehlmischungen sowie Tierfuttermischungen für Nutz- und Heimtiere angeboten werden.

Direkt verarbeiten lassen

Den Produzenten sei es möglich, ihr Getreide bei der Kofmel-Mühle für die Direktvermarktung oder den Eigengebrauch verarbeiten zu lassen. Als Dienstleistungen werden das Röllen von Dinkel, Getreidereinigung und Lohnvermahlung, das Mischen von individuellen Mehlzusammenstellungen und das Abpacken in handelsübliche Gebinde angeboten. «Das Angebot ist vielfältig», sagt Daniel Kofmel, «weitere Leistungen besprechen wir gerne mit Interessierten.»

Mühlenladen für alle

Ein Bijou ist der Mühlenladen. Nicht im Sinne einer Wertsache, sondern wegen seiner Originalität. Die kleine eigentliche Ladenecke erstreckt sich hinaus in den Betrieb. Dort können sich Privatpersonen über unzählige Backmehle, attraktive Mehlmischungen sowie Tierfuttermischungen für Nutztiere und Heimtiere informieren. Kofmels und ihr Team beraten geduldig und freundlich. Das Unternehmen bietet Führungen für zehn bis fünfzehn Personen nach vorheriger frühzeitiger Anmeldung an.

Sandro Tassi, Lernender Müller im zweiten Lehrjahr, beim Mehlabfüllen. Die Lehrzeit dauert drei Jahre.
Sandro Tassi, Lernender Müller im zweiten Lehrjahr, beim Mehlabfüllen. Die Lehrzeit dauert drei Jahre.

Ein Beruf mit Zukunft

Das Familienunternehmen bildet seit 2021 Lehrlinge aus und bietet für 2023 noch eine freie Lehrstelle als Müller/in EFZ in Fachrichtung Lebensmittel an. «In unserem Familienbetrieb machst du nicht einfach eine dreijährige Lehre», hält Christian Kofmel fest, «sondern du übernimmst vom ersten Tag an die Verantwortung, um das Mühlenhandwerk von Grund auf zu erlernen».

Weitere Informationen: www.kofmelmuehle.ch