ABO

Bäuerinnen-Biografien: Warum ihre unbezahlte Arbeit sichtbar werden soll

Frauen und ihre Leistungen ins Bewusstsein holen, das will der Verein Femmes Sapiens und publiziert Biografien. Die Bäuerin Käthy Meyer Burger hat mitgemacht und teilt ihre Lebensgeschichte.

In Brugg AG gibt es die Laurstrasse und den Laurpark, benannt nach dem Gründer des Schweizer Bauernverbands Ernst Laur. Nichts Ähnliches zeugt von Lili Kohler, der Gründerin des Schweizer Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV) aus dem Aargauer Dorf Linn. Typisch, weiss die Historikerin Astrid Baldinger.

Die Co-Präsidentin des Vereins Femmes Sapiens arbeitet daran, Frauen und ihre Leistungen ins Bewusstsein der Gesellschaft zu holen. «In der Geschichtsschreibung kommen Frauen zu wenig vor – wir müssen unsere Geschichte selbst schreiben.»

Das tut der Verein mit Sitz im Aargau unter anderem, indem er Biografien von Frauen aus der Region sammelt und publiziert. Auch von Landfrauen und Bäuerinnen. «Sie leisten unglaublich viel, sie sind Vorbilder in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umgang mit Ressourcen», findet Astrid Baldinger.

Vom Flugzeug auf den Milchwirtschaftsbetrieb

Es wurde eine langwierige Suche nach Landfrauen und Bäuerinnen, die vortreten und ihre Geschichte erzählen. Schliesslich machte die Bäuerin Käthy Meyer Burger aus Effingen mit. Ihre Biografie ist eine von bisher sieben, die Femmes Sapiens publiziert haben und in begrenzter Auflage verkaufen.

Am Stadtfest in Brugg führte der Verein einen Tag lang Veranstaltungen zum Thema «Bäuerinnen und Landfrauen» durch. Dort erzählte Käthy Meyer Burger von ihrem Werdegang als reisefreudige Swissair-Mitarbeiterin zur verwurzelten Bäuerin im abgelegenen Kästhal – angefangen damit, dass ihr der flotte Jungbauer Franz gefiel.

Den vierten Fluss in der Aargauer Fahne setzen die Frauen von Femmes Sapiens für den «Grundwasserstrom» an unsichtbaren Geschichten und ungehörten Stimmen von Frauen, die auch bei den Sternen hervorschimmern. (Bild: Ruth Aerni)

Damit Franz’ Mutter im Spital ihre offenen Beine behandeln lassen konnte, führte Käthy Meyer Burger probehalber den bäuerlichen Haushalt und stellte fest: «Es passt.» Das junge Paar gründete eine Familie und führte ein arbeitsreiches Leben auf dem Milchwirtschaftsbetrieb.

«Am Anfang schaute ich oft den Flugzeugen am Himmel nach», erzählte die mittlerweile 70-Jährige. «Aber nur am Anfang.» Der gleichmässige Rhythmus auf dem Bauernhof und die Ruhe im Kästhal hätten ihr gutgetan.

Sie wurde Mitglied bei den Landfrauen, führte den Ortsverein und später auch den Bezirksverein als Präsidentin. Als bei Franz ein Tumor diagnostiziert wurde und er ins Spital musste, stand Käthy Meyer Burger Knall auf Fall allein auf dem Hof. «Die Unterstützung durch die Landfrauen war riesig», sagte sie über dieses Netzwerk.

Nicht in die Feminismus-Schublade

Als Käthy Meyer Burger Bäuerinnen und Landfrauen für eine öffentliche Gesprächsrunde am Stadtfest in Brugg suchte, bekam sie Absagen mit der Begründung: «Ich habe nichts zu erzählen», «so was liegt mir nicht». Und es gab Bedenken, das könnte «so etwas Feministisches» sein.

Schon für Lili Kohler und ihre Mitstreiterinnen war es wichtig, nicht in dieser Schublade versorgt zu werden. «Feminismus ist für viele ein Reizwort», beobachtet Käthy Meyer Burger. Sie bezeichnet sich nicht als Feministin – «ich bin einfach für Gleichberechtigung».

Am Stadtfest erzählten auch SBLV-Präsidentin Anne Challandes und Geschäftsführerin Kathrin Bieri-Straumann, wie sich der Verband für die Landfrauen einsetzt. Diese leisten besonders viel unbezahlte Arbeit im Haushalt, in der Betreuung von Kindern und Angehörigen.

«Was kein Geld einbringt, hat in der Gesellschaft keinen Wert», sagte Anne Challandes. Zu Frauen in der Landwirtschaft gebe es viel weniger Zahlen als zu Männern. Diese Zahlen brauche es aber für Gleichberechtigung in finanziellen und anderen Fragen.

Weiterlesen

  • Linus Müller ist Futterbauberater an der Liebegg.

    Bei richtiger Einstellung braucht es kein Schwadtuch

    Linus Müller ist Futterbauberater an der Liebegg. Er meint, dass man nicht den letzten Grashalm aufkratzen sollte, wenn beste Futterqualität im Vordergund steht.
    Show more
  • Der Wald schlägt Wurzeln an der OHA in Thun

  • Vor der Richtpreisverhandlung: Milchbauern fordern rasche Entlastung bei den Mehrkosten

    ABO