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Akupressur bei Mensch und Tier: Bäuerin aus Weissbad setzt auf Ursachenforschung

Blanca Fässler-Wyss sucht seit Jahrzehnten nach Zusammenhängen im Körper. Ihre Hände sind dabei ihr wichtigstes Werkzeug.

Eigentlich könnte Blanca Fässler-Wyss langsam kürzertreten. Sie ist 65 geworden und einer ihrer Söhne übernimmt den Landwirtschaftsbetrieb mit Braunviehzucht und Alpung in Weissbad AI. Besonders stolz sind Fässlers auf ihre Braunviehkuh Tau Sissi. Sie ist dieses Jahr volljährig geworden und hat inzwischen eine Lebensleistung von 170 000 kg Milch erreicht. Zudem besass ihr Mann eine Zaunbaufirma, die seit dem Frühjahr einem ihrer Söhne gehört.

Für die Bäuerin bedeutet die Hofübergabe in erster Linie mehr Zeit für ihre Praxis: Seit vielen Jahren arbeitet sie ganzheitlich als Akupressur-Therapeutin. Ihre Kundschaft kommt aus der ganzen Schweiz. «Ich werde behandeln, solange ich atme und meine Sinne und meine Kraft funktionieren», stellt sie in Aussicht und lacht.

Blanca Fässler-Wyss (rechts) mit einem Teil ihrer Familie und Kuh Tau Sissi. Der 18-jährige Stolz der Familie hat mittlerweile eine Lebensleistung von 170 000 kg Milch vorzuweisen. (Bild: Familie Fässler / Privat)

Menschen und Tiere fast im selben Atemzug

Wenn die Mutter von sechs erwachsenen Kindern von ihrer Arbeit erzählt, spricht sie von Menschen und Tieren fast im selben Atemzug. Da ist das Kalb, das nicht trinken will. Die junge Mutter, die nach der Geburt erschöpft und niedergeschlagen ist. Oder das Spitzenpferd aus dem Leistungssport. Das Baby, das die Brust oder die Flasche verweigert. Das Pferd, das eine Fütterungsempfehlung bei Kotwasser braucht. Ein Sportler, der sein Leistungspotenzial optimieren möchte. Allgemeine Wettkampf- und Prüfungsthemen bei Mensch und Tier. Ein Mann, der vor Publikum funktionieren muss.

Die Liste der Beschwerden, die Blanca Fässler-Wyss bereits behandelt hat, ist beinahe endlos: Schock nach Unfällen, Operationen, Infektionen. Allergien, Unverträglichkeiten. Heuschnupfen, Hautprobleme, Ödeme. AD(H)S, Stottern, Panikattacken. (Geburts-)Narben, Muttermilch-Gelbsucht, Klumpfüsschen oder Phantomschmerzen nach Amputationen, um nur einige zu nennen.

Die Fälle sind unterschiedlich und sie informiert sich immer nach den neuesten Erkenntnissen. «So erweitere ich mein Wissen, damit ich herausfinden kann, auf welcher Ebene etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist», sagt die Bäuerin und Familienfrau. Sei es beispielsweise auf Organ-, System-, Zellebene oder subzellulär und biochemisch.

Die Suche nach dem Warum

Die Frage, warum ein Körper so reagiert, wie er reagiert, beschäftigt Blanca Fässler-Wyss schon fast ihr ganzes Leben. Sie erinnert sich an starke Kopfschmerzen in ihrer Kindheit. Eine fundierte ärztliche Abklärung brachte keine neuen Erkenntnisse. Dies weckte ihre Neugierde. Sie begann, sich intensiv mit unterschiedlichen Heilmethoden zu beschäftigen. Vor mehr als vierzig Jahren waren allerdings weder Kinesiologie noch Bioresonanz in ihrer heutigen Form in der Schweiz bekannt.

«Ich besuchte die Vorläufer der Kinesiologie, die Touch-for-Health-Kurse, und stieg so ein», erzählt sie. Danach bildete sie sich in verschiedenen Kursen und mit Sachbüchern weiter: «Ich tastete mich durch, bis ich bei einer speziellen verfeinerten Form der Akupressur landete. Das ist eine Behandlungsmethode, die keine Nadeln verwendet, sondern nur mit dem Druck ihrer Finger arbeitet», erklärt Fässler-Wyss. Das entsprach ihr.

Die Punkte auf dem Kuhmodell weisen auf sogenannte Energiewirbel hin, die in der Akupressur genutzt werden. (Bild: Blanca Fässler-Wyss / Privat)

Sie besuchte und besucht immer wieder Aus- und Weiterbildungen. 2023 schloss sie ein Nachdiplomstudium in Akupressurtherapie mit vertieften Kenntnissen in der Traditionellen Chinesischen Medizin ab.

Dabei hat Blanca Fässler-Wyss eigentlich einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Sie studierte an der Universität Zürich Biologie. Während des Studiums arbeitete sie auf der Intensivstation einer Zürcher Privatklinik mit. Das erworbene naturwissenschaftlich-medizinische Wissen hilft ihr bis heute.

Eine Behandlung beginnt mit Fragen

Kommen eine Klientin oder ein Klient zu ihr, beginnt die Behandlung mit einem Gespräch. Blanca Fässler-Wyss fragt nach der Befindlichkeit, Krankheiten, Operationen, Medikamenten und einschneidenden Erlebnissen im Leben. «Für mich ist es immer eine spannende Entdeckungsreise», sagt sie über den Anfang einer Behandlung. Erst müsse sie sich ein Bild machen und herausfinden, was der Klient wünsche, was ihn schwäche, was ihn stärke und was bei der Behandlung seines Anliegens Priorität hat.

Sie arbeitet mit einer Form des Muskeltests. Vereinfacht erklärt sie diesen als eine Reaktion des Unterbewusstseins auf die Muskulatur. Auf stressfreie Themen einerseits oder auf belastende andererseits.

Über den Test sucht sie nach Hinweisen, wo sie nachhaken, oder wo sie behandeln muss. Sie arbeitet mit Ja-Nein-Fragen. Entscheidend seien die richtigen Fragen. «Sie zu finden, ist manchmal Detektivarbeit. Denn das Offensichtliche ist nicht immer der passende Ausgangspunkt», schildert sie. Das Gespräch mit dem Klienten und der Klientin ergänzt die Tests und weist ihr den Weg.

Ein «Wanderwegnetz» durch den Körper

Körper, Gefühle und Gedanken betrachtet Blanca Fässler-Wyss nicht getrennt voneinander. Sie geht davon aus, dass Erfahrungen im Unterbewusstsein abgespeichert werden und auf verschiedenen Ebenen Spuren hinterlassen. Sie beeinflussen sich gegenseitig. «Unser Körper hat nicht nur den Blutkreislauf und das Nervensystem, sondern noch ein weiteres Leitungssystem, ein Energiesystem, das unter der Körperoberfläche beziehungsweise durch den Körper hindurchzieht.»

Auf ihrer Website vergleicht die Akupressur-Therapeutin dieses mit einem Wanderwegnetz. «Auf diesem Wegnetz gibt es Erdrutsche, Überschwemmungen, Steinschläge und Umleitungen.» Alle Vorkommnisse wie ein Unfall, eine OP, eine Geburt, ein Schicksalsschlag oder eine Angst würden auf dem Energienetz genauso ihre Spuren hinterlassen und dort gespeichert. Der eine Vorfall beeinflusse eher die Gefühls- oder Gedankenebene, der andere zeige sich am Körper.

Vor der Behandlung einer neuen Klientin fragt Blanca Fässler-Wyss zunächst nach der Befindlichkeit, Krankheiten, Operationen, Medikamenten und einschneidenden Erlebnissen im Leben. (Bild: Blanca Fässler-Wyss / Privat)

Der Körper versucht zuerst, selbst auszugleichen

«Wenn man einen Muskel elektrisch ableitet, stellt man fest, dass heftige Emotionen ein anderes Bild ergeben, als ein ausgeglichenes Befinden», erklärt sie. Der Körper reagiere auf Trigger mit veränderten Schwingungskurven. Er versuche zunächst immer selbst, eine Belastung auszugleichen. Sei es mit einer Schonhaltung oder zum Beispiel mit dem Ausschaffen eines Schadstoffes hin zur Körperoberfläche, zur Haut.

Aber er lasse sich auch durch die ausgleichenden Berührungsimpulse der Akupressur wieder regulieren. «Da unsere gesamte Gesundheit im Körper zu Hause ist, kann ich sie auch über den Körper unterstützen: Berühre ich eine bestimmte Stelle, setzt sich der Impuls fort und bewegt sich dorthin, wo im Körper des Klienten oder der Klientin ein Ungleichgewicht ist. Mit Berührung und Druck setze ich verschiedene Impulse», so die Appenzellerin.

Das Ziel sei ein gemeinsam mit dem Klienten definiertes Projekt, bei dem beide zum Gelingen beitrügen. «Die Genesung soll angeregt und die Selbstheilung oder der Therapieprozess unterstützt werden.»

«Schicht um Schicht»

Dabei kann Blanca Fässler-Wyss nicht möglichst viele Impulse pro Sitzung auslösen. Sie muss das Ungleichgewicht «Schicht um Schicht» dosiert durcharbeiten – je nach Verträglichkeit und Integrationskraft der betroffenen Person.

Wenn sie den Eindruck hat, dass für den Moment genug bewegt wurde, beendet sie die Sitzung: Der Körper, die Seele und der Geist brauchen Zeit, um angestossene Veränderungen zu integrieren. Erst bei einem nächsten Termin kann, falls nötig, weitergearbeitet werden.

Schulmedizin und Akupressur als Ergänzung

Wichtig ist ihr die Abgrenzung zur Schulmedizin. Akute Beschwerden, Notfälle und Risikopatienten werden von ihr zur ärztlichen Abklärung verwiesen. «Ein Körper, egal ob Mensch oder Tier, der sehr geschwächt oder geschädigt ist, braucht zwingend Ärzte, Medikamente und die entsprechende Infrastruktur», sagt sie. Denn in diesem Fall sei die Aktivierung der Selbstheilungskraft allein zu wenig.

Von einer grundsätzlichen Ablehnung der Schulmedizin hält Blanca Fässler-Wyss nichts. Ärztinnen und Ärzte hätten mit ihrem Wissen, mit Labor, Röntgen und Medikamenten und mit verordneten Physiotherapien Möglichkeiten, die sie nicht bietet. Das Zusammenwirken von Schulmedizin, Alternativmedizin und komplementärtherapeutischen Angeboten könne ein sehr wirkungsvolles Instrument zur Förderung der Gesundheit sein.

Eine Fachperson allein könne etwas bewirken. Alle zusammen hingegen sprächen jeweils verschiedene Aspekte an und verstärkten die Wirkung, hält sie fest. «Meine Vision ist es, meine Arbeit in der Fachgruppe einer Reha oder in einem Kinderspital bei der Behandlung von speziellen Krankheiten/Ungleichgewichten einzubringen.»

Die Landwirtschaft hilft beim Verstehen

Dass sie selbst aus der Landwirtschaft kommt, hilft Blanca Fässler-Wyss besonders bei bäuerlichen Familien und bei Tieren. Wenn ein Landwirt ihr von der Fütterung oder vom Verhalten einer Kuh oder eines Pferdes erzähle, könne sie vieles nachvollziehen. Tiere, die wie wir Menschen zur Gruppe der Säugetiere gehören, behandelt sie oft ähnlich.

Auch ihre Erfahrung als Mutter von sechs Kindern prägt ihre Arbeit. Wenn eine Mutter sagt, sie könne etwas niemandem erzählen, kennt Fässler-Wyss solche Hemmschwellen. Auch von ihren eigenen Kindern hat sie viel gelernt.

Blanca Fässler-Wyss behandelt auch Pferde - darunter auch das erfolgreiche Westernreitpferd Play Ruff. (Bild: Blanca Fässler-Wyss / Privat)

«Mir tut es fast weh, wenn ich sehe, dass jemand Genesungspotenzial hat, das aus irgendeinem Grund gebremst ist – sei es durch ein Geburtstrauma oder durch einen frühkindlichen Reflex, der nicht vollständig abgebaut wurde. Bei einem Stoffwechsel, der seit der Geburt nicht richtig funktioniert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.»

Nicht alles sei genetisch und unveränderbar: Auch Mobbing, ein prägendes Ereignis oder ein Unfall könnten eine Verschiebung der Gesundheit oder des ganzen Wesens bewirken. «Bei allen Möglichkeiten ist es immer ein Lernprozess, zu erkennen, dass trotz aller Bemühungen das Leben Herausforderungen bereithält, die es auszusitzen gilt.»

Das Staunen bleibt

Wenn sie aber bei vielen Themen unterstützen kann, stimmt das Blanca Fässler-Wyss glücklich: «Meine grösste Freude ist es, dass ich mit meiner Behandlung etwas erreichen und bewirken kann.» Das ist auch der Grund, warum sie nach all den Jahren immer noch für ihre Form der Akupressur brennt – und behandeln will, solange sie denken, forschen, umsetzen und unterstützen kann. «Mein Horizont wird immer weiter und mein Staunen und meine Dankbarkeit über die – manchmal – unzähligen Möglichkeiten zur Veränderung begleiten mich.»

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