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«Ah, als Frau…»: Diese Aussage hat Betriebsleiterin Irma Hüppin bis heute nicht vergessen

Seit der Scheidung bewirtschaftet die Landwirtin Irma Hüppin den Betrieb im schwyzerischen Feusisberg weitgehend allein. Die Mutterkuhhalterin erzählt, wie Vorurteile ihren Berufsalltag bis heute prägen.

Für Touristen ist es etwas Besonderes, für Irma Hüppin gehört die Aussicht zum Alltag: Beim Heuen auf ihrem Betrieb in Feusisberg SZ sieht sie bis zum Zürichsee, der Insel Ufenau und den dahinterliegenden Bergen. Die Landwirtin bewirtschaftet hier, auf rund 700 Metern über Meer, 16 ha Eigen- und 33 Aren Streuland. Das Land liegt am Nord-Schattenhang und ist arbeitsintensiv, da alles in Steillage liegt.

Seit 1993 hat die Familie auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Die Herde besteht nun zu 100 % aus Angusrindern. Der Tierbestand setzt sich aus 24 Kühen, 20 Naturabeef-Tieren für die Direktvermarktung des Fleisches und sechs Aufzuchtrindern zusammen. Die Hälfte der Tiere wird auf einer Alp gesömmert. Die Kühe werden alle mit KB-Stieren besamt.

Unterstützung im Alltag

Irma Hüppin hat den Hof ihrer Eltern übernommen. Sie lebt zusammen mit ihren drei Kindern (14, 11 und 10 Jahre alt) und ihrer Mutter in einem gemeinsamen Haushalt. Hüppin und ihr Mann haben sich vor einiger Zeit getrennt und sind unterdessen geschieden. Um das Einkommen des Hofes nach der Trennung zu verbessern, arbeitet die 38-Jährige in einem 45-Prozent-Pensum in einer Tierarztpraxis. 

Das Paar hat sich im Guten getrennt. In Arbeitsspitzen springt ihr Ex-Mann auch heute noch helfend ein. Auf die Unterstützung ihrer Mutter bei der Betreuung ihrer Kinder kann die Landwirtin dankbar zählen. Um die Hofarbeiten und die Organisation des Hofes kümmert sie sich allein.

Traumberuf Besamungstechnikerin

Der Wunsch, Landwirtin zu werden, begleitete Irma Hüppin schon durch ihre Kindheit. Mit 15 Jahren wollte sie sich sogar für eine Ausbildung zur Besamungstechnikerin anmelden. Das war damals in ihrer Vorstellung schlicht der Traumberuf. An ihren Telefonanruf beim KB-Verband kann sich Irma Hüppin noch gut erinnern.

Die Kontaktperson am Telefon sagte: «Also, wenn ihr Sohn diese Ausbildung machen möchte, soll er doch selbst anrufen.» «Nein, nein, es ist für mich.» Pause: «Ah, als Frau…». Irma absolvierte dann eine Lehre als Detailhandelsfachfrau bei der Post.

Im Jahr 2015 verstarb ihr Vater plötzlich. Irma Hüppin hatte bereits Kinder und begann 2017 nach dem absolvierten «7-Wochenkurs» die EFZ-Ausbildung am Strickhof und schloss diese mit der Meisterschule ab. 

Sie arbeitete auf dem Hof, betreute zusammen mit ihrem Mann, der 100 % auf dem Bau arbeitete, die kleinen Kinder und besuchte die Schule. Als die Eheleute sich trennten, war sie nebst der anfallenden Arbeit auch mit diversen «Kopfkino-Vorstellungen» aus dem Umfeld konfrontiert.

Sie sagt dazu: «Die Leute machen sich natürlich immer Gedanken, wie es beim Nachbarn nun wohl weitergehen könnte.»

Selbst ist die Frau: Baggerarbeiten kann Irma Hüppin bei Bedarf selbst erledigen.(Bild: Irma Hüppi / privat)

Arbeiten unter Beobachtung

Als Landwirtin stehe man im Alltag auch heute noch unter besonderer Beobachtung, so Irma Hüppins Erfahrung. Ihre Stellung im Betrieb muss sie immer wieder von Neuem unter Beweis stellen. 

«Es war und ist auch für mich ein Lernprozess, damit umzugehen», sagt sie. «Das Bild der Bäuerin mit einer blumigen Schürze und Kopftuch ist noch weitverbreitet.» So müssten Frauen oft im Alltag Prüfungsfragen bestehen. Sie würden gefragt, wie viele Kühe da seien und wie schwer Masttiere seien. Die Leistung der Traktoren müsse sie genauso kennen wie den genauen Setzzeitpunkt der Zwiebeln. 

Und vor allem: «Als Landwirtin muss man für kritische Verhandlungssituationen besser vorbereitet sein, um ernst genommen zu werden.»

Zwischendurch gönnen sich Irma Hüppin und Hund Amira eine Pause.(Bild: Irma Hüppi / privat)

Pächter der eigenen Kinder

Das Leben und Arbeiten auf einem Hof ist eine Lebensform, die Irma Hüppin als Kind erleben durfte. Schon ihre Mutter sagte immer, dass man als Bäuerin und Bauer eigentlich Pächter der eigenen Kinder sei. 

Und auch Tochter Irma arbeitet und pflegt die Werte des bäuerlichen Lebens für die nächste Generation mit Bedacht. Sie ist überzeugt, dass die Kinder sehr viel Selbstvertrauen aufbauen können, wenn sie eine Arbeit zusammen mit den Erwachsenen ausführen lernen und dafür später das Vertrauen bekommen, sie auch allein erledigen zu können.

Keine langen Ferien

Auch in ihrer wenigen Freizeit ist Irma Hüppin gerne draussen: «Ich brauche nicht lange Ferien, um mich zu erholen. Es ist schön, einen Nachmittag mit meinen Kindern ohne Arbeiten zu verbringen und voll und ganz für sie da zu sein.» 

Beim Biken in der Natur und in den Bergen kann sie sich gut entspannen und erholen. Das Schönste sei jedoch, wenn alle zusammen Kollegen auf der Alp besuchen können. «Dort kann man die Batterien aufladen. Es gibt dort kein WLAN. Man ist ohne Druck und mögliche Störungen.»

Heuen mit Aussicht: Von der Weide kann man bis zum Zürichsee blicken.(Bild: Irma Hüppi / privat)

Wunsch für die Betriebsübergabe  

Beim Gedanken an die Zukunft sagt Irma Hüppin: «Mein grösster Wunsch ist eine gute, stabile Finanzlage, damit ich den Betrieb wirtschaftlich gesund an die nächste Generation weitergeben kann.» 

Die nachfolgende Generation müsse sich wohl neuen Herausforderungen stellen, sich neu orientieren und anpassen. Sie denkt dabei auch an Krankheiten wie Blauzunge, an neue Pflanzenschädlinge, aber auch an sich ändernde politische Weichenstellungen. 

«Es wird wahrscheinlich in der Zukunft nötig sein, sich ein finanziell sicheres Standbein zu suchen.» Doch der Hof ist für Hüppin weit mehr als nur für die eigene Familie wichtig. «Er ist auch eine Art Drehscheibe der Verwandtschaft, ein Lebensankerpunkt.»