Dieses Jahr wird es sie nicht geben, die Herbstviehschauen im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Das wurde letzte Woche bekannt. Grund ist, dass die Schutzbestimmungen zur Eindämmung des Coronavirus nicht eingehalten werden können. Damit fällt ein grosser Teil des Brauchtums in Appenzell Ausserrhoden weg.

«Schmerzhafter Entscheid»

Der Entscheid fiel an einer gemeinsamen Sitzung mit allen Schauverantwortlichen der jeweiligen Gemeindeviehschauen, der Kommission für Tierzucht, dem Amt für Landwirtschaft, den kantonalen Viehzuchtgemeinschaften, den Schaf- und Ziegenzuchtverbänden sowie dem Bauernverband. «Die Absage schmerzt mich persönlich sehr», sagt Beat Brunner, Präsident des Bauernverbands Appenzell Ausserrhoden. Schade sei es vor allem auch für die Kinder, welche sich jeweils speziell auf den Tag freuen – beim Auffahren oder durch die Teilnahme am Jungzüchterwettbewerb. Den Entscheid gelte es jetzt zu respektieren, hält Brunner fest. «Die Landwirtschaft kann so auch einen Teil zur Corona-Krisenbewältigung beisteuern.»

Wohl auch kein Bauernmarkt

Das Brauchtum im Kanton Appenzell Ausserrhoden lebt zu einem grossen Teil vom «Öberefahre» und den Viehschauen. Als «Öberefahre» bezeichnen die Appenzeller die Alpaufzüge und Alpabzüge. Die geschmückten Tiere und die Sennen in der Tracht sind jeweils ein grosser Publikumsmagnet. Die Alpaufzüge fanden diesen Frühling zwar wie gewohnt statt, sie durften allerdings nicht beworben werden – sprich, die Daten wurden nicht publiziert.

Aller Voraussicht nach werde das auch bei den Alpabzügen so gehandhabt werden, glaubt Beat Brunner. Somit werde mit grosser Sicherheit auch kein Bauernmarkt in Urnäsch stattfinden. Brunner weist darauf hin, dass es noch andere Elemente des Brauchtums gibt, welche im Jahresverlauf schon durchgeführt wurden oder hoffentlich noch kommen, z. B. den Bloch oder das Silvesterklausen. «Da das Brauchtum nach wie vor sehr beliebt ist, kann aus meiner Sicht ein Jahr ohne Viehschauen verkraftet werden», so Brunner. Um so grösser sei für ihn die Vorfreude auf das nächste Jahr.

In Innerrhoden noch offen

Noch keinen Entscheid bezüglich Durchführung der Herbstviehschauen hat der Kanton Appenzell Innerrhoden gefällt. Dort gibt es jeweils nur zwei grosse Viehschauen, in Oberegg und in Appenzell. Auch sie sind beliebte Anlässe – für die Bauernfamilien wie auch für Touristen. Sepp Koch, Präsident des Innerrhoder Bauernverbands, geht davon aus, dass auch diese Schauen dieses Jahr nicht durchgeführt werden können. «Bei uns organisiert die Landwirtschaftskommission die Viehschau. Diese tagt erst im August», teilt Koch mit.

Hoffen im Kanton St. Gallen

Auch im Kanton St. Gallen ist noch nichts entschieden. Geplant und bereits mehrheitlich vorbereitet sind 60 Gemeindeviehschauen. Den Entscheid über die Durchführung der Schauen fällt die örtliche Schaukommission, in der die politische Gemeinde eingebunden ist. «Wir haben den Schauverantwortlichen Ende Juni empfohlen, dass sie spätestens drei Wochen vor der Schau definitiv entscheiden, ob sie das zu jenem Zeitpunkt gültige Schutzkonzept einhalten können», sagt Reto Grünenfelder. Er ist Präsident des St. Galler Braunviehzuchtverbands und von Braunvieh Schweiz.

Die erste Viehschau ist am 12. September geplant, der Entscheid über Durchführung oder Absage dürfte demnach Mitte August fallen. «Schon jetzt ist aber klar: die Umsetzung des Schutzkonzeptes wird sehr anspruchsvoll», sagt Grünenfelder. Die Viehschauen haben im Kanton St. Gallen eine lange Tradition. «Die Schauen dienen der Pflege des Brauchtums und sind ein Festtag für die Landwirte und die Dorfbewohner», betont Grünenfelder. Die Viehschauen seien zudem auch ein Motor der Viehzucht und der Wirtschaftlichkeit.

Gesundheit geht vor

«Ich würde es sehr bedauern, falls die Corona-Pandemie das Schauwesen dieses Jahr lahmlegt», sagt der passionierte Braunviehzüchter. Man müsse dies aber richtig einordnen, hält er fest: «Die Gesundheit der ­Bevölkerung und die Erholung der Schweizer Wirtschaft sind viel wichtiger als die Durchführung von Viehschauen, die im schlimmsten Fall die Corona-Situation verschlechtern.» Die Viehschauen mit ihrer tiefen Verankerung würden in diesem Fall mit viel Elan 2021 durchgeführt. Noch hofft man im Kanton St. Gallen aber, dass die Gemeindeviehschauen auch diesen Herbst stattfinden können.