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Harmonisch zusammenleben und -arbeiten am selben Ort

Wegziehen oder auf dem Betrieb bleiben? Das ist eine Frage, die sich viele stellen rund ums Thema Hofübergabe. Zusammenzuarbeiten und gleichzeitig noch am selben Ort zu wohnen, kann zu Konflikten führen. Nicht so bei Familie Bader. Auf dem Betrieb Bereten in Mümliswil SO wohnen beide Generationen auf dem Betrieb, und das soll voraussichtlich auch nach der Hofübergabe so bleiben.

Kurz & bündig

  • Offene Kommunikation ist der Schlüssel für eine harmonische Hofübergabe. Schon Jahre vorher spricht Familie Bader über Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche.
  • Bei Familie Bader werden wahrscheinlich nach der Hofübergabe die Wohnungen getauscht. Ein symbolischer Schritt für den Rollentausch.
  • Auch Details werden geklärt wie: Wem gehört der Hund nach der Hofübergabe? Wer kümmert sich um die Blumen?

Aktuell wohnen Liliane Bader und ihr Partner Thomas Ackermann in der zweiten Wohnung im Haupthaus, während ihre Eltern in der Betriebsleiterwohnung sind. Der Bruder von Josef Bader wohnt im Stöckli daneben.

Obwohl die Hofübergabe erst in knapp zwei Jahren stattfindet, hat sich Familie Bader bereits viele Gedanken zur Wohnsituation gemacht und tauscht sich diesbezüglich immer wieder aus. Dieses schwierige Thema frühzeitig anzugehen, ist wichtig, damit jede Partei ihre Bedürfnisse und Wünsche einbringen kann, um eine Lösung zu finden, die für alle stimmt. So kam bei Familie Bader die Idee für einen Wohnungstausch auf.

Dank Harmonie auf dem Hof bleiben

«Wenn wir nicht so ein gutes Verhältnis zueinander hätten, wie wir es jetzt haben, dann würden wir Eltern wahrscheinlich vom Hof wegziehen», sagt Josef Bader. Das könnte sich Sibylle Bader aber nur schwer vorstellen. Für sie bedeutet es pure Lebensqualität, auf dem Hof Bereten zu wohnen. «Wir haben das Privileg, während des Arbeitens wunderschöne Sonnenuntergänge zu geniessen. Andere Leute müssen extra hier hochfahren, um zu sehen, was wir täglich sehen können», schwärmt Sibylle Bader.

Doch nicht nur die Aussicht gefällt ihr besonders gut, auch in ihrer Wohnung fühlt sich Sibylle Bader sehr wohl. Sie und Josef Bader haben während der letzten 30 Jahre immer wieder etwas umgebaut auf dem Hof, so auch das Wohnhaus. Vor 8 Jahren haben Baders einen Teil des Wohnhauses abgerissen und dort einen Anbau mit Glasfront gebaut.

Das Projekt wurde ordnungsgemäss bewilligt. Da sich der Betrieb in der Juraschutzzone und somit ausserhalb der Bauzone befindet, bekamen Baders die Auflage, dass sich der Anbau optisch klar vom restlichen Haus unterscheiden muss, damit man auf einen Blick sieht, was neu dazugekommen ist. Der Anbau wurde von Josef Bader selbst geplant. «Wir haben mit den Behörden von Anfang an immer offen kommuniziert und nie was verheimlicht», erzählt Josef Bader. Daher wurde das Projekt vom Natur- und Heimatschutz bewilligt.

Dank des Anbaus wurden die Küche und der Essbereich grösser und heller. Ein Ort, an dem sich Sibylle Bader besonders gerne aufhält.

Die Wohnungen liegen nahe beieinander auf dem Hof Bereten.(Bild: Gian Vaitl / «die grüne»)

Rollen wechseln und Wohnungen tauschen

Die Betriebsleiterwohnung, wo aktuell Sibylle und Josef Bader wohnen, ist grösser und liegt näher am Stall. Daher fänden es beide Generationen sinnvoll, früher oder später die Wohnungen zu tauschen. Für Sibylle Bader ist das aber erst eine Option, wenn Liliane Bader und Thomas Ackermann den Betrieb übernommen haben und mehr auf dem Betrieb arbeiten. Solange die beiden tagsüber noch einer ausserbetrieblichen Arbeit nachgehen, findet sie es sinnvoller, wenn sie und Josef in der Betriebsleiterwohnung bleiben. Zum einen, weil sie so näher bei den Tieren sind, und zum anderen, weil Sibylle Bader grosse Freude am Hausanbau hat.

«Dass wir die Wohnungen tauschen werden, ist klar. Wann genau, steht aber noch nicht fest», sagt Liliane Bader. «Ich glaube, die Wohnsituation ist für Sibylle am wichtigsten. Sie wird wahrscheinlich dann auch der Auslöser für den Zeitpunkt des Wohnungstausches sein», meint Josef Bader. Mit dem Tausch der Verantwortlichkeiten könnten also ebenfalls die Wohnungen getauscht werden. Das wäre auch ein symbolischer Schritt für den offiziellen Rollentausch zwischen der Generationen.

«Bevor wir in die Wohnung meiner Eltern einziehen würden, möchten wir diese sicher noch sanieren. So würde sie sich auch mehr wie unser Zuhause anfühlen», sagt Liliane Bader. Diese Idee befürworten ihre Eltern. Bad und Küche sind bereits 30-jährig. «Wir machen nichts mehr daran, das wird das Projekt der Jungen sein», meint Sibylle Bader. Thomas Ackermann hat da bereits Ideen zur Umsetzung: «Dann könnten Sibylle und Josef gleich ein paar Wochen in die Ferien gehen, währenddessen wir umbauen.»

Indem Familie Bader bereits Jahre vor der Hofübergabe offen über das Thema Wohnsituation spricht, können alle Beteiligten ihre Wünsche und Bedürfnisse auf den Tisch legen. Das fördert das gegenseitige Verständnis und gibt die nötige Zeit, damit solche Prozesse in den Köpfen reifen können. «Der Hofübergabe-Prozess reift bei uns. Wir sind schon weiter als noch vor einem halben Jahr», merkt Josef Bader an.

Eine eigene Wohnung mit separatem Hauseingang schafft Distanz und Privatsphäre unter den Generationen.(Bild: Gian Vaitl / «die grüne»)

Konfliktfrei wohnen und arbeiten am selben Ort, aber wie?

Offene Kommunikation ist also der Grundstein für ein harmonisches Zusammenleben. Klare Regelungen können zusätzliche Sicherheit für beide Parteien bringen. Seit Liliane Bader im Alter von 20 Jahren in die Wohnung nebenan gezogen ist, zahlt sie den Eltern eine angemessene Wohnungsmiete. Bei der Hofübergabe wird sich das ändern. Danach werden die Eltern die Wohnungsmiete schulden, womit Liliane Bader das Darlehen von ihnen schrittweise tilgen kann.

Obwohl die beiden Wohnungen direkt übereinanderliegen, besteht doch auch ein gewisser geografischer Abstand, dank separater Hauseingänge vor und hinter dem Haus. Die Wohnung, in der aktuell Liliane Bader mit ihrem Partner Thomas Ackermann wohnt, würde sich gut als Alterswohnung eignen, weil sie dank des separaten Hauseinganges hinten am Hof ermöglicht, sich auch etwas zurückzuziehen. Einzig die Treppe ist nicht altersgerecht. Zwar befinden sich alle Zimmer, Bad und Küche auf einer Etage, doch der Hauseingang liegt im unteren Stock. Doch auch das sieht Familie Bader pragmatisch. «Dafür gibt es Lösungen, zum Beispiel einen Treppen- oder Vakuumlift», weiss Thomas Ackermann.

Auch Details sollten frühzeitig geklärt werden

Für die Wohnungssituation haben Baders bereits eine Lösung. Doch es gibt noch viele weitere kleine Dinge, die geklärt werden müssen. Zum Beispiel Sachen wie: Wem gehört der Hund nach der Hofübergabe? Wer bezahlt seine Tierarztkosten? Darf Sibylle sich weiterhin um die Blumen rund um den Hof kümmern? Darf sie ihre Katzenbabys weiterhin im Pferdestall aufziehen? Wer putzt das Betriebs-WC? Details, die schnell zu Konflikten oder unausgesprochenen Erwartungen führen können, wenn sie nicht diskutiert werden.

Wer giesst die Blumen? Wem gehört der Hund und wer geht mit ihm zum Tierarzt? Kleine Details, die nach der Hofübergabe zu Missverständnissen und Konflikten führen können, wenn sie nicht geregelt werden.(Bild: Gian Vaitl / «die grüne»)

Besonders für Josef Bader ist es wichtig, diese Details zu klären. «Diese Dinge müssen vorher geklärt werden. Nicht immer sagen, mir luege de nach der Hofübergabe. Was ist, wenn wir mal richtig Streit hätten und vor Gericht gehen müssten?»

Er erinnert sich an früher, als er und Sibylle den Betrieb von seinen Eltern übernommen haben. Damals haben sie im Vertrag schriftlich festgehalten, dass alles, was auf dem Betrieb wächst, seine Eltern zugute haben. Bei ihnen war das vor allem Milch und Fleisch. Doch drei Jahre nach der Hofübergabe haben sie die Milchproduktion aufgegeben. «Danach haben wir die Milch für meine Eltern gekauft und es gab keine Probleme», erzählt Josef Bader.

Zusammenwohnen und -arbeiten hat auch Vorteile

Wohnen und Arbeiten am selben Ort birgt zwar ein höheres Konfliktpotenzial innerhalb der Familie, bringt nicht zuletzt aber auch diverse Vorteile mit sich. Für Sibylle und Josef Bader ist es zentral, dass sie auch nach der Hofübergabe eine Beschäftigung haben. «Es ist nicht selbstverständlich, dass wir auch nach der Hofübergabe weiterhin hier wohnen und mithelfen können», weiss Josef Bader. Er und Sibylle Bader hätten zwar schon diverse Hobbys wie Ski fahren, Wandern, Musik hören und an Konzerte gehen. Doch das erfüllt nicht den ganzen Tag. «Ich schätze es, wenn ich noch etwas Handarbeit rund um den Hof machen kann. Das erfüllt mich. Und es wäre schon nur komisch für mich, wenn ich das Werkzeug nicht mehr benutzen dürfte», sagt Josef Bader. Er könnte es sich nicht vorstellen, mit 60 oder 65 Jahren noch eine Arbeit ausserhalb des Betriebes zu suchen.

Umgekehrt können Liliane Bader und ihr zukünftiger Mann Thomas Ackermann von den Eltern profitieren, wenn diese später einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen würden.

Zusammenwohnen und -arbeiten bringt Vor- und Nachteile. Wichtig ist es, offen miteinander zu kommunizieren, Bedürfnisse anzubringen, klare Verhältnisse zu schaffen und nicht zuletzt auch Synergien zu nutzen.

Nach getaner Arbeit gönnt sich Familie Bader auch mal eine Pause. Gemeinsame Zeit ausserhalb der Arbeit schafft Platz für Gespräche.(Bild: Gian Vaitl / «die grüne»)

Betriebsspiegel
der Familie Bader

Josef (57) und Sibylle (54) Bader, Mümliswil-Ramiswil SO

LN: 36 ha

Kulturen: Grünland, 8 ha Wald

Tierbestand: 55 bis 60 Aufzuchtrinder, 2 Pferde

Weitere Betriebszweige: Transportunternehmen für gewerbliche Transporte und Kranarbeiten, 30-kW-Solaranlage mit Stromspeicher, Verkauf von Holzschnitzeln

Arbeitskräfte: Josef und Sibylle Bader

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