Kurz & bündig
- Die Trockenheit hat 2026 auf vielen Landwirtschaftsbetrieben deutliche Spuren hinterlassen und gezeigt, wie wichtig Anpassungsmassnahmen sind.
- Die Familie Zumbrunn in Wittinsburg BL setzt unter anderem auf Regenwasserspeicherung, Anpassungen im Futterbau und Humusaufbau.
- Auf dem Katzhof im luzernischen Richenthal sorgt ein umfassendes Wassermanagementsystem, basierend auf dem Keyline-Design, für mehr Widerstandsfähigkeit.
- Beide Betriebe haben ein betriebsindividuelles Konzept entwickelt, denn eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht.
Die Trockenheit hat in diesem Jahr auf vielen Landwirtschaftsbetrieben deutliche Spuren hinterlassen. Wie stark die Erträge darunter leiden, erlebt auch Elias Zumbrunn aus Wittinsburg BL. «Seit Anfang Juni hatten wir hier keinen Regen mehr. Auf einer Parzelle konnten wir auf 5 Hektaren noch vier Rundballen ernten, auf den anderen hatten wir beim dritten Schnitt einen Totalausfall», erzählt der Landwirt Anfang September 2026.
Der Betrieb der Familie Zumbrunn gehört zu den über 20 Baselbieter Betrieben, die am Ressourcenprojekt «Slow Water» teilnehmen (siehe Box «Das Projekt Slow Water»). Die Trockenheit ist hier in der Region schon seit Jahren ein Thema und stellt landwirtschaftliche Betriebe zunehmend vor Herausforderungen.
Den Stallneubau als Kreislaufsystem nutzen
Die Familie Zumbrunn steckt derzeit mitten in einem Stallbauprojekt. «Das Ziel ist es, im Februar 2027 einzustallen», plant Elias Zumbrunn. Das neue Ökonomiegebäude bietet Platz für 70 Milchkühe und die eigene Nachzucht.
Der Stallneubau ist für die Familie Zumbrunn ein wichtiger Schritt, um den Betrieb langfristig weiterzuentwickeln. Ausschlaggebend waren einerseits die beschränkten Platzverhältnisse im Dorf, weswegen der neue Stall ausserhalb gebaut wird. Andererseits sollte der neue Standort genügend Raum für die Entwicklung weiterer Betriebszweige bieten. Ein zusätzlicher Vorteil ist die Lage direkt bei den Weideflächen.
Zum Projekt gehören ausserdem ein 300 Kubikmeter grosser Wassertank, eine 1800 Kubikmeter fassende Güllegrube, eine 50-kW-Biogasanlage mit einem 750 Kubikmeter grossen Fermenter, eine 500-kWp-Photovoltaikanlage sowie ein 1250 Kubikmeter fassendes Flachsilo. Die einzelnen Elemente sollen sich gegenseitig ergänzen und die auf dem Betrieb anfallenden Ressourcen möglichst effizient nutzen.
«Energie, Futter und Dünger sollen mit dem Stallneubau einen Kreislauf bilden», sagt Elias Zumbrunn. Gleichzeitig schafft die neue Infrastruktur die Voraussetzungen dafür, dass sich der Betrieb auch unter veränderten klimatischen Bedingungen weiterentwickeln kann.

Den Betrieb besser für trockene Zeiten rüsten
Die Ausschreibung des Projekts «Slow Water» fiel mitten in die Planungsphase des Stallneubaus. Für die Familie Zumbrunn war das eine gute Gelegenheit, sich frühzeitig Gedanken über passende Massnahmen zu machen und diese direkt in die Planung einzubeziehen. «Unser Ziel ist es, Ressourcen einzusparen, Abschwemmung zu verhindern und das Ökosystem auf dem Betrieb zu fördern», sagt Elias Zumbrunn. Ausserdem sollen die Kunstwiesen besser an die Trockenheit angepasst werden.
Im Rahmen des Projekts Slow Water haben Zumbrunns verschiedene Massnahmen umgesetzt. Dazu gehören der Regenwasserspeicher, ein Retentions- bzw. Versickerungsgraben sowie die Pflanzung eines Baumgartens. Zudem wurde Ackerland in extensive Wiesen überführt und Luzernemischungen angebaut.
Das über den Regenwassertank gespeicherte Wasser soll überall zum Einsatz kommen, wo keine Trinkwasserqualität erforderlich ist. Damit erhofft sich die Familie Zumbrunn, einen massgeblichen Anteil des Wassers aus dem örtlichen Versorgungsnetz einzusparen.
Im Stall soll das gesammelte Wasser zum Beispiel zur Benetzung des Stallgangs dienen, um Schmierschichten zu reduzieren. Gleichzeitig ist im Wassertank eine Pufferzone für Starkniederschläge eingebaut.

Mit dem Baumgarten wurden 45 Hochstammbäume gepflanzt, darunter Eichen, Linden, Kirsch-, Apfel- und Zwetschgenbäume sowie Vogelbeeren. Ergänzend wurden Kleinstrukturen und Sträucher angelegt. «Die neuen Elemente dienen zur Förderung der Biodiversität, spenden aber auch Schatten und reduzieren Erosion sowie Abschwemmung», zeigt Zumbrunn auf.
Auch bei der Futterproduktion setzt der Betrieb auf Anpassungen. Um Erosion zu verhindern, wurde mehrjähriges Ackerland in Dauergrünland überführt. Zudem baut der Betrieb vermehrt Luzernemischungen an. Die Luzerne verfügt über eine tiefe Pfahlwurzel, kann Wasser auch in tieferen Schichten erreichen und gilt deswegen als sehr trockenheitstolerante Futterpflanze. «Luzerne kann bei Trockenheit hilfreich sein, kommt aber in einem so trockenen Jahr auch an ihre Grenzen», so Zumbrunn.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Humusaufbau. Humus wirkt wie ein Schwamm und hat eine hohe Wasserspeicherkapazität. Um den bereits hohen Humusgehalt zu erhalten und weiter aufzubauen, bauen Elias Zumbrunn und sein Vater Bruno Zumbrunn mehrjährige Kunstwiesen an, arbeiten in der Fruchtfolge mit Gründüngungen, bringen Mist und Kompost aus und haben den Pflugeinsatz reduziert. «Seit 2023/2024 arbeiten wir ausserdem mit dem Tiefenlockerer. Besonders bei Böden mit Staunässe haben wir dabei gute Erfahrungen gemacht», ergänzt der Landwirt.
Die Erfahrungen mit der diesjährigen Trockenheit zeigen, wie wichtig es ist, den Betrieb frühzeitig auf veränderte Bedingungen auszurichten. «Slow Water ist ein interessantes, zukunftsgerichtetes Projekt, das diesen Sommer sehr aktuell wurde», fasst Zumbrunn zusammen.

Betriebsspiegel
der Familie Zumbrunn
Generationengemeinschaft Bruno und Elias Zumbrunn, Wittinsburg BL
LN: 35 ha, zusätzlich 15 ha zur Futternutzung
Kulturen: Natur- und Kunstwiesen, Mais, Weizen, Gerste, Kürbisse, Blumen
Tierbestand: 40 Milchkühe
Weitere Betriebszweige: Direktvermarktung, Blumen-Selbstpflückfeld
Arbeitskräfte: Bruno und Elias Zumbrunn
Wassermanagement mit Pioniergeist
Auf dem «NaturGut Katzhof» in Richenthal LU wird seit einigen Jahren in ein klimaangepasstes Bewirtschaftungssystem investiert. Die Betriebsleitenden Markus Schwegler und Claudia Meierhans setzen auf ein ganzheitliches Wassermanagementsystem auf Grundlage des Keyline-Designs (siehe Box «Das Keyline-Design»). Entlang der Keylines sind Wassergräben und ein Agroforstsystem angelegt, ergänzend dazu sind ein Wasserspeicherbecken sowie Weiher und Biotope in das Gesamtsystem integriert. Entstanden ist eine vielfältige, halboffene Landschaftsstruktur.
Der Katzhof gilt mit seinem gesamtbetrieblichen System in der Schweizer Landwirtschaft als Pionier, was das Wassermanagement angeht.
Das Projekt ist noch jung und wurde vor rund eineinhalb Jahren fertiggestellt. «Die Bäume sind momentan noch im Erhaltungsstadium und können ihre Klimawirkung noch nicht vollständig entfalten», sagt Landwirt Markus Schwegler. Im Idealfall wären sie bereits vor 15 Jahren gepflanzt worden. Je nach Baumart dauert es ungefähr so lange, bis sie ihre volle Wirkung entfalten. «Am besten ist eine grosse Vielfalt», rät Schwegler.
Für Markus Schwegler ist das Potenzial dieser Massnahmen gross, auch wenn die Wirkung der jungen Bäume noch nicht vollständig sichtbar ist. Dass Bäume einen Betrieb widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit machen können, zeigt sich bei älteren Beständen. Sie spenden Schatten, kühlen die Umgebung, bremsen den Wind und wirken der Austrocknung des Bodens entgegen. «Für mich sind Bäume ein sehr wichtiger Teil für die Zukunft», verdeutlicht Schwegler.

Das Keyline-Design
Beim Keyline-Design («Schlüssellinien-Gestaltung») werden flache Gräben entlang der Geländestruktur angelegt, die Regenwasser aufnehmen und langsam zu Keypoints weiterleiten. Von hier aus wird das Wasser mithilfe von Rohren in die nächsttiefere Keyline oder in ein Retentionsbecken geleitet. Besonders geeignet ist das Keyline-Design für leichte Hanglagen. Durch die geringe Fliessgeschwindigkeit wird der Wasserabfluss gebremst und Erosion reduziert. Das gespeicherte Wasser kann zudem während Trockenperioden für die Bewässerung genutzt werden.
«Man denkt anders nach einem solchen Jahr»
Wie wichtig solche Massnahmen sind, zeigte sich in diesem Jahr besonders deutlich. «Dieses Jahr war ein ultimativer Stresstest. Damit haben wir nicht schon so früh gerechnet», sagt Markus Schwegler. Auf dem Betrieb fiel über den Daumen nur etwa die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge der vergangenen 11 Jahre an. «Es gab keine Reserven mehr im Boden, und das Wachstum ist stark zurückgegangen», so Schwegler.
Die Trockenheit machte sich im Betriebsalltag bemerkbar. Erstmals mussten die Kartoffeln bewässert werden. Zudem wurden die Tiere während rund zwei Monaten im Stall gefüttert, da nicht mehr genügend Futter auf den Weiden war.
Grundsätzlich ist die Bewässerung auf dem Katzhof extensiv. Eine wichtige Rolle spielen die bereits vorhandenen Wassergräben und -speicher. Ihre Kapazität deckt rund 60 Prozent des Wasserbedarfs für die Gemüsebewässerung ab. Heute würde Markus Schwegler gerne über zusätzliche Speichermöglichkeiten verfügen. Er verdeutlicht aber: «Wenn es nicht regnet, hat es auch kein Wasser.» Gleichzeitig können Speicher und Wassergräben bei Gewittern und Starkregen eine wichtige Funktion übernehmen. Sie halten grosse Wassermengen zurück und können so Überschwemmungen und Erosion verhindern. Zudem kann das anfallende Wasser aufgefangen und für spätere Trockenperioden zurückgehalten werden.

Für die Zukunft will der Katzhof verschiedene Massnahmen umsetzen: das vorhandene Wasserangebot besser nutzen, zusätzliche Speichermöglichkeiten schaffen, die Bewässerung technisch effizienter gestalten und weitere Bäume pflanzen. «Die Anfangsinstallation ist gemacht, nun geht es darum, die Zwischenräume zu nutzen», sagt Schwegler.
Eine allgemeingültige Lösung für die Anpassung an Trockenheit gibt es nicht. «Es gibt keine pfannenfertige Lösung. Das ist je nach Betrieb sehr individuell», sagt Schwegler. Entscheidend sei, die eigenen Herausforderungen zu kennen und herauszufinden, wo sich mit vergleichsweise wenig Aufwand der grösste Nutzen erzielen lasse.
Dabei empfiehlt er, schrittweise vorzugehen. Zunächst solle geprüft werden, was kurzfristig möglich sei. Das könnten einfache Lösungen sein, etwa die Umnutzung einer nicht mehr benötigten Güllegrube als Wasserspeicher. Danach könne man sich mit den langfristigen Anpassungen beschäftigen. «Es geht darum, ehrlich mit sich selbst zu sein und bestehende Strukturen auch einmal neu zu denken», rät Schwegler. Darin sieht er auch eine Chance, den eigenen Betrieb weiterzuentwickeln.
Die Erfahrungen dieses Jahres haben diese Haltung nochmals verstärkt. «Man denkt anders nach einem solchen Jahr. Plötzlich pressiert es», so Schwegler. Trotz der Herausforderungen blickt der Landwirt positiv auf den eingeschlagenen Weg: «Für uns ist das Projekt eine sehr schöne Geschichte, die viel Freude macht.»

Betriebsspiegel
NaturGut Katzhof
Markus Schwegler und Claudia Meierhans, Richenthal LU
LN: 15 ha
Kulturen: Natur- und Kunstwiesen, Freilandgemüse, Dinkel, Einkorn, Speisehafer, Speisehirse, Obstkulturen
Tierbestand: 7 Mutterkühe
Weitere Betriebszweige: Direktvermarktung, solidarische Landwirtschaft, Hochstammobstbäume
Arbeitskräfte: Markus Schwegler und Claudia Meierhans, Lernende Landwirtschaft
Das Projekt Slow Water
In den Kantonen Luzern und Basel-Landschaft läuft im Zeitraum von 2024 bis 2029 das gemeinsame Ressourcenprojekt «Slow Water». Ziel ist es, Regenwasser länger im Kulturland zu halten, die Speicherung im Boden zu fördern und das Abfliessen zu verlangsamen. Gemeinsam mit Landwirtschaftsbetrieben und Gemeinden werden verschiedene Massnahmen zur Wasserretention umgesetzt und deren Wirkung untersucht.
Das sind die Ziele
- Langfristiger Erhalt der Ertragsfähigkeit im Pflanzenbau und in der Tierhaltung durch Sicherstellung der Wasserverfügbarkeit.
- Reduktion der Wasserentnahme der Landwirtschaft aus Trinkwasserversorgungen und Gewässern.
- Verlangsamter Abfluss und verstärkte Speicherung von Regenwasser.
- Verhinderung von Erosion.
- Beitrag zur Sicherstellung der Wasserversorgung von Gemeinden.
- Beitrag zum Schutz der Gemeindeinfrastrukturen und Privatbauten vor Überschwemmungs- und Hochwasserschäden.
Diese Massnahmen werden untersucht
Die beiden Kantone des Projekts haben in Zusammenarbeit mit der Agridea einen Leitfaden mit den Massnahmen erarbeitet. Jede Massnahme ist hinsichtlich Wirkung, Planung und Kosten beschrieben.
Hydrotechnische Massnahmen:
- Retentionsteich (mit oder ohne Versickerungsgraben)
- Versickerungsmulden und -gräben
- Regenwassersammlung von Dächern und versiegelten Flächen
- Nutzung von Drainagen
- Keyline-Design
Bewirtschaftungstechnische Massnahmen:
- Humusaufbau (Kunstwiese)
- Untersaaten/Einsaaten
- Schonende Bodenbearbeitung
- Hecken/Bestockung auf Höhenlinien
- Agroforst/Obstgarten
- Extensive Weiden und Wiesen, Bunt- und Rotationsbrachen
- Saum auf Ackerland
- Überführung von mehrjährigem Ackerland in Grünland
Quelle: Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN)
Hier gibt es mehr Informationen zum Projekt «Slow Water».

