209 Eier pro Kopf und Jahr: So viele isst die Schweizer Bevölkerung derzeit. Vor zwei Jahren waren es noch 189 Stück. Der Konsum steigt allerdings nicht gleichmässig. «Der Pro-Kopf-Konsum von Eiern ist in der Schweiz sehr schwankend», sagt Daniel Würgler von Gallo Suisse, der Genossenschaft der Schweizer Eierproduzenten. Zwischen 2021 und 2022 ging er von 195 auf 186 Eier zurück. Über die letzten zehn Jahre gesehen zeigt die Kurve aber nach oben, im Schnitt um rund drei Eier pro Jahr. Das zeigt die Statistik «Geflügelwirtschaft in Zahlen» vom Aviforum. Rund zwei Drittel davon stammten aus Schweizer Produktion.
Zwei Drittel als Ziel
Der Selbstversorgungsgrad, also der Anteil des Konsums, der mit inländischen Eiern gedeckt wird, liegt aktuell bei 62,6 Prozent. Gallo Suisse strebt rund 66 Prozent an. Dieser Wert federe die saisonalen Schwankungen erfahrungsgemäss gut ab, erklärt Daniel Würgler. Mehr ist nicht unbedingt besser: 2022 lag der Selbstversorgungsgrad bei über 68 Prozent. «Das war zu viel und führte zu Überschuss während der Sommermonate.»
Gemessen am Ziel von 66 Prozent kann die inländische Produktion laut Würgler derzeit um höchstens 5 Prozent wachsen, ohne dass im Sommer Überschüsse entstehen. Gallo Suisse hält sich an eine klare Devise: «Lieber ein wenig knapp als zu viel produzieren.» Eine Überproduktion koste die gesamte Wertschöpfungskette mehrere Millionen Franken, von den Produzenten bis zum Detailhandel. Leere Ställe, Entschädigungen, deklassierte Ware und weniger Umsatz führten auf allen Stufen zu hohen Kosten und Verlusten.
Die Spitze wandert
Einfluss auf die Verfügbarkeit von Schweizer Eiern haben auch die Umtriebe, also die Zeitspanne, während der eine Herde im Stall bleibt. Rund 70 Prozent der Produzenten arbeiten heute mit verlängerten Umtrieben. «Das bedeutet aber nicht, dass während der Hauptnachfragezeiten an Ostern und im Winter mehr Eier produziert werden», sagt Daniel Würgler.
Mit den längeren Umtrieben verschiebt sich die Produktionsspitze jedes Jahr. Sie wird in der Regel sechs Wochen nach dem Einstallen erreicht und hält rund fünf Monate an. Damit beeinflussen die verlängerten Umtriebe auch, wie viele Schweizer Eier während der Nachfragespitzen verfügbar sind.
Bis zu zehn Jahre warten
Aus der Politik kommen Forderungen, den Bau neuer Legehennenställe zu erleichtern. Heute dauert es bei reibungslosem Ablauf rund zwei bis drei Jahre bis zur Baubewilligung. Immer häufiger müssen Produzenten aber mit fünf bis sechs oder sogar acht bis zehn Jahren rechnen. Zu den grössten Hürden gehört laut Würgler die Standortwahl. Mindestabstände, das Raumplanungsgesetz, widersprüchliche Verordnungen und bisweilen Einsprachen erschwerten den Bau neuer Ställe oder verunmöglichten ihn ganz.

Kritisch sieht Gallo Suisse auch Auflagen wie Filteranlagen zur Abluftreinigung. Diese verlagerten die Emissionen vom Ammoniak hin zu Strom und Wasser. Die Gesamtbilanz falle deshalb negativ aus: hohe Kosten bei nur geringer Ammoniak-Einsparung.
Gleiche Rahmenbedingungen gefordert
Was müsste sich ändern? Politik und Behörden müssten die Geflügelbranche als gleichwertige landwirtschaftliche Produktion anerkennen, fordert Würgler. Sie müssten zwingend die gleichen Rahmenbedingungen schaffen wie für die Milch- und Fleischwirtschaft sowie für den Acker- und Gemüsebau. «Es braucht gesunden Menschenverstand sowie politischen und behördlichen Willen, die inländische Eierproduktion zu akzeptieren.» Denn Schweizer Eier seien gefragt. «Das Nachhaltigste und Tierfreundlichste, das wir tun können, ist, in der Schweiz zu produzieren.»
Ein strategischer Entscheid
Familien, die einen Einstieg in die Eierproduktion prüfen, rät Daniel Würgler zu einer gründlichen Abklärung, ob der Betriebszweig überhaupt passt. Wegen der komplexen Auflagen und Prozesse sei der Einstieg kapital- und arbeitsintensiv und damit ein bedeutender strategischer Entscheid. Gallo Suisse empfiehlt eine strategische Beratung bei der Genossenschaft und den Austausch mit etablierten Produzenten. Die Genossenschaft begleitet Interessierte so weit, bis sie fundiert für oder gegen die Eierproduktion entscheiden können. Und schliesslich, so Daniel Würgler: «Es braucht aber auch Freude am Umgang mit Hühnern sowie den Willen, sich das nötige Wissen für die Haltung dieser Tiere anzueignen.»

