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Einfach, regional, erfolgreich: Familie Hänni liefert Frische direkt nach Bern

Seit fast einem Jahrhundert liefert Familie Hänni aus Gasel BE frische Produkte zur Kundschaft – früher mit dem Pferdewagen, heute mit Lieferwagen, Velo und einem einfachen Bestellsystem. Eine Geschichte von Direktvermarktung zwischen Tradition und Neuerfindung.

Kurz & bündig

Seit drei Generationen vermarkten Hännis direkt. Heute mit Lieferservice und Hofladen. Erdbeeren, Tomaten, Salate, Bohnen und weiteres Gemüse werden auf rund 50 Aren selbst angebaut. Lieferungen über E-Mail, Bestellformular und Velo ermöglichen planbare Abläufe und direkte Kundennähe.

Schon die Grosseltern von Fritz Hänni aus Gasel BE lieferten ihre Produkte direkt in die Genossenschaftsquartiere der Stadt Bern. Mit dem Pferdewagen ging es entlang der Dübystrasse – im Gepäck vor allem Eier, dazu saisonales Gemüse und Obst aus dem Garten. Man sprach damals vom «Eier-Cheer» (Eier-Rundgang). Verkauft wurde, was gerade reif war, häufig in grösseren Mengen, da viele Kundinnen und Kunden Gemüse zum Einmachen kauften. Diese Tradition setzte sich fort: Die Eltern wechselten vom Pferd zum Traktor, später zum Auto.

Eigene Produktion: Vielfalt und Frische direkt vom Hof

Fritz Hänni führte den Betrieb mit seiner Frau Margrit weiter – mit Gemüsebau, Obst und Beeren, Tomaten im Tunnel und Hühnerhaltung für frische Eier. Auf rund 50 Aren bauen sie unter anderem folgende Produkte an:

  • Salate
  • Gemüse
  • Erdbeeren
  • Tomaten (im Tunnel)
  • Zwetschgen und Obst

Zum Hof gehören zudem 55 Milchkühe sowie 30 Hektaren Kulturland für den Futterbau. Um diese Bereiche kümmern sich seine Söhne Andreas und Jürg Hänni und ein Angestellter. Durch die eigene Erzeugung können Hännis die Qualität und den Geschmack ihrer Produkte genau kontrollieren und den Kundinnen und Kunden stets frische Waren liefern. Was der Hof nicht selbst produziert – etwa Knoblauch oder Peperoni –, wird von Partnerbetrieben in der Region bezogen. Südfrüchte finden sich aus Prinzip nicht im Sortiment.

Vom Markt zur Lieferung: eine Krise als Chance

Über viele Jahre war die Familie auf dem Wochenmarkt in der Stadt Bern präsent. Ab 1993 wechselten sie zu einem Marktstand vor dem Coop in Köniz. Die Direktlieferung an Haushalte lief damals eher nebenbei. Mit der Zeit nahm die Nachfrage jedoch ab – und Fritz Hänni spielte mit dem Gedanken, das System einzustellen.

Den Wendepunkt brachte ausgerechnet eine Krise: Während der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln sprunghaft an, weil viele Menschen ihre Einkäufe möglichst kontaktlos und zuverlässig nach Hause geliefert be-kommen wollten. «Wir waren zu zweit den ganzen Tag beschäftigt, nur um die Bestellungen abzuarbeiten», erinnert sich Hänni.

Die Krise offenbarte gleichzeitig eine Chance: Das Nebenprojekt der Direktlieferung erwies sich als dringend benötigtes Angebot für Kundinnen und Kunden, die auf frische, lokale Produkte Wert legten. Sie zeigte, dass eine gut organisierte Lieferung nicht nur praktisch ist, sondern auch wirtschaftlich tragfähig sein kann. Seither gehört die wöchentliche Lieferung fest zum Betriebskonzept. Wochenmärkte besuchen die Hännis nicht mehr.

Einfache Struktur und kundenfreundliche Abläufe

Heute beliefert Fritz Hänni rund 40 Haushalte regelmässig. Die Basis bildet ein einfaches Bestellformular, welches jeweils am Donnerstag oder Freitag per E-Mail verschickt wird. Darin listet er die saisonalen Produkte auf, oft mit Hinweisen auf Ernteüberschüsse. Kundinnen und Kunden tragen ihre Wünsche in das angehängte Formular ein und senden dieses bis Montag zurück. Am Dienstag wird ausgeliefert.

Bei der Zusammenstellung der Kisten achten Hännis auf Details: Ein Zweipersonenhaushalt erhält keinen riesigen Blumenkohl, sondern ein kleineres Stück. Mischkisten gibt es bewusst nicht – die Kundschaft soll nach Bedarf wählen können.

So einfach wie bestechend – das Bestellformular wird später gleichzeitig zur Rechnung.
So einfach wie bestechend – das Bestellformular wird später gleichzeitig zur Rechnung.

Interessant ist der Unterschied im Kaufverhalten: Auf dem Markt überschritten einzelne Einkäufe selten die 20-Franken-Grenze. Bei Lieferungen hingegen planen die Kundinnen und Kunden gezielter für die ganze Woche. Bestellungen über 100 Franken sind laut Hänni keine Seltenheit.

Lieferservice als praktische Ergänzung zum Hofladen

Nebst der wöchentlichen Lieferung betreiben Hännis einen kleinen Hofladen, der bewusst schlicht und funktional gestaltet ist und an drei Tagen in der Woche geöffnet ist (Montag, Freitag und Samstag). Gemüse liegt in Kisten auf Holzgestellen, die Kundschaft wiegt selbst ab und bezahlt direkt in der Kasse.

Der Lieferservice dient vor allem als Ergänzung zum Hofladen: Wer kurzfristig frisches Gemüse oder einzelne Produkte benötigt, kann direkt vor Ort einkaufen. Gleichzeitig ermöglicht er eine flexible Ergänzung zu den Bestellungen, die die wöchentliche Lieferung abdecken, und entlastet so den Betrieb, indem spontane Einkäufe gebündelt werden.

Kunden und Logistik: Vielfalt und sichere Auslieferung

Die Kundschaft von Hännis ist breit gefächert – von Familien mit Kindern über ältere Haushalte bis hin zu Kindertagesstätten und Restaurants. Einen «typischen» Kunden gibt es nicht.

Für die Auslieferung nutzt Hänni sowohl den Lieferwagen als auch das Velo. Mit dem Wagen fährt er jeweils in die Nähe des Quartiers. Im Laderaum befinden sich die bestellten Kisten und das Velo mit Anhänger. Von dort aus übernimmt das Velo den weiteren Transport.

Fritz Hänni ist mit Leib und Seele Direktvermarkter. Besonders schätzt er den Kontakt mit der Kundschaft.
Fritz Hänni ist mit Leib und Seele Direktvermarkter. Besonders schätzt er den Kontakt mit der Kundschaft.

«Einmal hätte ich in einem engen Quartier fast ein Kind übersehen – das hat mir zu denken gegeben. Seither fahre ich lieber mit dem Velo als mit dem Lieferwagen», berichtet Hänni. Für ihn ist das nicht nur sicherer, sondern auch praktischer im städtischen Umfeld. Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz des Velos eine flexible Routenplanung und schnelle Anpassungen bei kurzfristigen Bestelländerungen. Das ist gerade in der Stadt ein entscheidender Vorteil.

Schlicht und einfach erfolgreich

Abgerechnet wird schlicht: Die Kosten notiert Fritz Hänni direkt auf der Liste, die der Kiste beiliegt. Das Total wird zusätzlich in einem Ordner zur Überprüfung festgehalten. Die Bezahlung erfolgt per Überweisung auf ein separates Konto, das eigens für die Lieferungen eingerichtet wurde. Probleme mit säumigen Zahlern treten praktisch nicht auf.

«Für uns ist die Einfachheit zentral», betont er. «Eine Internetplattform wäre zu aufwendig. Ein E-Mail mit Bestellformular ist das einfachste System.»

Die Direktvermarktung über den Lieferservice zeigt, dass ein kleines, überschaubares System sehr effizient funktionieren kann. Es ermöglicht nicht nur planbare Einnahmen und eine klare Übersicht über Bestellungen, sondern stärkt auch die Bindung zu den Kundinnen und Kunden. Das Beispiel von Fritz Hänni macht deutlich: Erfolg in der Direktvermarktung hängt nicht von komplizierter Technik ab, sondern von einem durchdachten Konzept, das genau auf Betrieb, Produkte und Kundschaft zugeschnitten ist.

«Ein E-Mail mit Bestellformular reicht – ein einfaches System spart Zeit, Geld und Nerven.»

Fritz Hänni

Betriebsspiegel der Familie Hänni

Fritz Hänni, Gasel BE LN: 30 ha, davon ca. 50 Aren Gemüse und Obst Kulturen: Wiesen/Weiden, Silomais, Salate, Gemüse, Obst, Erdbeeren, Zwetschgen, Tomaten Tierbestand: 55 Milchkühe Weitere Betriebszweige: Hofladen Arbeitskräfte: Andreas und Amanda Hänni, Jürg Hänni und ein Angestellter, Fritz und Margrit Hänni (Rentner), gelegentlich zusätzliche Helfer für Ernte, Lieferung und Verkauf

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