Mit einer Hofübergabe ändern nicht nur die Besitzverhältnisse, sondern auch die Funktionen der einzelnen Personen auf dem Betrieb. Wenn ein Sohn oder eine Tochter den Betrieb übernimmt, dann wird das Kind auf einmal zum Chef, bleibt aber gleichzeitig ein Leben lang das Kind.
Umgekehrt geben die Eltern ihrem Kind, der neuen Führungsperson, die Verantwortung und somit auch die Entscheidung ab. Vielfach werden die Eltern nach der Hofübergabe auf dem Betrieb angestellt und arbeiten weiterhin mit. Doch die Unterschrift auf dem Kauf- oder Pachtvertrag ändert nicht automatisch die Funktionen der beteiligten Personen. Die neue Rollenverteilung muss in den Köpfen ankommen.
Deshalb beschäftigen sich Sibylle und Josef Bader schon jetzt mit ihren neuen Rollen, die sie in knapp drei Jahren nach der Hofübergabe haben werden.
Die Rollenverteilung betrifft alle Beteiligten auf dem Betrieb
Liliane Bader wird per Anfang 2029 den Hof im solothurnischen Mümliswil übernehmen. Dann möchte sie ihren Vater auf dem Hof anstellen und weiterhin in einem Teilpensum als kaufmännische Angestellte arbeiten gehen. In ihrer Projektarbeit zur Berufsprüfung Bäuerin mit Fachausweis hat sie die neue Rollenverteilung bereits in der Theorie festgelegt.
Josef Bader wird weiterhin noch in einem 50-Prozent-Pensum sein Transportunternehmen weiterführen und Sibylle Bader wird nach wie vor auf dem Betrieb anpacken. Denn die beiden werden erst fünf Jahre nach der Hofübergabe pensioniert werden.
Die Projektarbeit hat dazu geführt, dass Familie Bader bereits vier Jahre vor der Hofübergabe über das Leben und die neue Rollenverteilung nach der Übergabe sprach.
Den Haushalt beziehungsweise das Kochen am Mittag werden sich die beiden Frauen aufteilen. An den Tagen, an denen Liliane Bader auf dem Betrieb arbeitet, wird sie für alle anderen kochen. An den anderen Tagen wird weiterhin Sibylle Bader kochen oder die beiden Parteien essen separat.
Beim Haushalt wird sich zwischen den Generationen ziemlich viel ändern. «Meine Eltern haben eine klare Rollenverteilung, meine Mutter ist für den Haushalt zuständig und gleichzeitig aber auch im Stall tätig», sagt Liliane Bader. Bei ihr und ihrem Partner Thomas Ackermann sieht die Arbeitsaufteilung etwas anders aus. Sie teilen sich den Haushalt. Kochen, Einkaufen, Putzen werden von beiden erledigt. «Aber wir arbeiten auch beide 100 Prozent ausserhalb des Betriebes», erklärt Liliane Bader.
Sie fragt sich, ob die Arbeitsaufteilung wirklich einfacher ist, wenn sie nicht klar verteilt ist wie bei ihren Eltern. Diese Gedanken zeigen, dass auf einem Hof nicht nur die Rollenverteilung zwischen den Eltern und der nachfolgenden Generation geklärt werden muss, sondern auch innerhalb der Partnerschaft.
Am Schluss muss es nicht nur für zwei, sondern quasi für vier Parteien stimmen.
Den jungen Leuten etwas zutrauen
Für Josef Bader war schon immer wichtig, dass er gegenüber jungen Leuten eine gute Einstellung hat. «Man muss immer das Positive sehen und das Gute am Beruf Landwirt vermitteln. Klar hat man auch mal Probleme im Stall oder mit dem Wetter, aber die sollten nicht im Vordergrund stehen.» Ausserdem solle man den Jungen etwas zutrauen auf dem Hof und sie auch mal die Ferienvertretung machen lassen, das sei motivierend.
Sibylle Bader entgegnet, dass Josef immer besser wusste, was er Liliane zutrauen könne. Sie selbst sei eher die Vorsichtigere in der Familie und würde schneller mal «Nein» sagen. «Ich versuche zu akzeptieren, dass Liliane Verantwortung übernehmen will und zur Chefin wird. Das muss ich mir immer wieder vor Augen führen», sagt Sibylle Bader.
Die Eltern von Liliane Bader sehen, dass sie Verantwortung übernehmen will und sie wollen ihr diese auch geben. «Liliane wird mit 30 den Betrieb weiterführen, das ist ein gutes Alter, um Verantwortung zu übernehmen», findet Josef Bader.
Wohnen und Arbeiten am selben Ort
Häufig übergibt die ältere Generation den Hof an die jüngere, bleibt aber zugleich auf dem Betrieb wohnhaft. So plant es auch die Familie Bader. Auf die Frage, ob Josef Bader die Verantwortung abgeben könne, wenn er gleichzeitig auf dem Betrieb wohnhaft bleibe, meint er: «Ja, ich denke schon. Aber sicherlich auch, weil ich noch im Nebenerwerb zu tun habe und regelmässig vom Betrieb wegkomme.» Sie hätten diese Situation schon oft miteinander diskutiert und seien zum Schluss gekommen, dass es für Josef Bader einfacher sein wird, da er schon immer einer ausserbetrieblichen Arbeit nachging. Dadurch war er als Land-wirt stets gezwungen, Verantwortung abzugeben. Meistens an seine Frau Sibylle.
Gemeinsames Wohnen und Arbeiten kann zu Spannungen führen. Sibylle Bader sagt aber, dass bei ihnen in der Familie die Wohnsituation entspannter sei, seit Liliane Bader im Alter von 20 Jahren in ihre eigene Wohnung auf dem Hof gezogen sei. So sind zumindest die Haushalte räumlich getrennt.
In der Familie Bader wird viel über die Hofübergabe gesprochen. Das Ganze wirkt sehr harmonisch, doch auch bei ihnen sind Alt und Jung nicht immer derselben Meinung.
«Als wir jung waren, wollten wir auch unser Ding machen»
«Wir haben 30 Jahre Altersunterschied zu unserer Tochter. Das wäre ja nicht normal, wenn sie immer dieselbe Meinung hätte wie wir», so Sibylle Bader. «Als wir jung waren, wollten wir auch unser Ding machen, und da möchten wir Liliane auch ihren Freiraum lassen», ergänzt Josef Bader.
Vielleicht hilft es, wenn sich die ältere Generation wieder mal auf ihre jungen Jahre besinnt und sich überlegt, was sie sich damals von ihren Eltern gewünscht hätten zur Hofübergabe. Das könnte helfen, gegenseitiges Verständnis zu schaffen, und den Übergang in die neue Rollen vereinfachen.
LN:
Betriebsspiegel der Familie Bader Josef (57) und Sibylle (54) Bader, Mümliswil-Ramiswil SO 36 ha Kulturen: Grünland, 8 ha Wald Tierbestand: 55 bis 60 Aufzuchtrinder, 2 Pferde Weitere Betriebszweige: Transportunternehmen für gewerbliche Transporte und Kranarbeiten, 30-kW-Solaranlage mit Stromspeicher, Verkauf von Holzschnitzeln Arbeitskräfte: Josef und Sibylle Bader

