An zwei Posten wurden laufende Arbeiten vorgestellt. Am Schluss erhielt das geplante Projekt für den geschützten Anbau deutliche politische Rückendeckung aus Bern und Freiburg.
Nationalrätin Katja Riem (SVP, BE), Präsidentin der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Bern und Freiburg (GVBF), begrüsste Gemüseproduzenten, Fachleute sowie Vertreter von Beratung, Forschung, Verbänden und Politik. Im Gemüsebau genüge es nicht, dass ein Verfahren unter kontrollierten Bedingungen Wirkung zeige. Es müsse auch unter Produktionsbedingungen funktionieren und wirtschaftlich tragbar sein. «Wir müssen Lösungen finden, die in der Praxis funktionieren und wirtschaftlich sind», sagte Riem.
Forschung direkt auf dem Betrieb
Genau darauf ist die Versuchsstation Gemüsebau Ins ausgerichtet. Seit 2022 arbeitet Agroscope mit der GVBF sowie den Kantonen Bern und Freiburg zusammen. Auf kantonalen Versuchsflächen wurden bisher 37 Versuche in zehn Projekten durchgeführt. Dazu kommen 56 On-Farm-Versuche auf Gemüsebaubetrieben. Agroscope bringt Methodik, Personal und Versuchstechnik ein, die Kantone stellen Flächen und Infrastruktur zur Verfügung. Über die GVBF gelangen Fragestellungen aus der Praxis direkt zur Forschung. Bei den On-Farm-Versuchen tragen GVBF und beteiligte Betriebe die Ertragsausfälle je zur Hälfte.
Wie das funktioniert, wurde an zwei Posten sichtbar. Ein Teil der Forschungsarbeit läuft auf intensiven Versuchsparzellen, wo einzelne Verfahren gezielt geprüft werden. Der zweite Teil findet als On-Farm-Versuch mitten im laufenden Gemüsebau statt. Dort führt der Betrieb die Kultur betriebsüblich, während die Forschenden auf Teilflächen ihre Varianten prüfen. Düngung, Unkrautregulierung und Kulturführung bleiben in der Hand des Produzenten. Die Forschung muss sich denselben Wetter-, Boden- und Produktionsbedingungen stellen wie der Betrieb.
Das ist nicht immer bequem. Starkniederschläge können einen Versuch zerstören, Schaderreger treten zu schwach auf, um Unterschiede zu erkennen, oder der Befallsdruck ist so hoch, dass keine Variante genügt. Auch ein negatives Resultat hat für die Praxis einen Wert, wenn es verhindert, dass ein Betrieb Geld und Arbeit in ein Verfahren steckt, das unter Produktionsbedingungen nicht trägt.
Salatlaus zeigt Zeitdruck auf
Ein aktuelles Beispiel ist die Grüne Salatlaus. Ein wichtiger Wirkstoff fällt ab Juli 2027 weg. Die Laus wandert in den Salatkopf ein und ist nach dem Kopfschluss mit Kontaktmitteln nur schwer zu erreichen. Für den Markt zählt nicht nur der Ertrag: Ein verkaufsfertiger Salat muss praktisch lausfrei sein.

In einem Versuch wurden verschiedene Strategien verglichen. Bei der Bonitur vom 16. September fanden sich in der unbehandelten Kontrolle im Durchschnitt rund 125 Läuse pro Kopf. Bei den Mitteln, die nach 2027 noch zugelassen sein werden, waren es rund 175; die Behandlung war allerdings spät erfolgt. Potenziell neue systemische Mittel kamen auf vier Läuse, eine Kombination verschiedener Mittel auf rund 25. Die Zahlen sind noch kein fertiges Rezept, zeigen aber, wo weitere Arbeit sinnvoll ist.
Ersatzlösungen haben Grenzen bei der Wirkung
Die bisherigen Versuche zeigen auch die Grenzen einfacher Ersatzlösungen. Pflanzenstärkungsmittel, Mikroorganismen, Netze, Biodiversitätsmassnahmen sowie digitale Verfahren können Teilwirkungen bringen. Unter hohem Befallsdruck sichern sie Ertrag, Qualität und Wirtschaftlichkeit aber nicht automatisch.
Beim Lauch schnitt in zwei von vier Jahren mit starkem Schaderregerdruck die chemische Variante deutlich besser ab als alternative Ansätze. Bei Bodenkrankheiten führten zusätzliche Präparate teilweise zu positiven Effekten, ohne dass der Ertrag stieg. Mehr Aufwand ohne Mehrertrag ist für einen Betrieb keine Lösung.
Nächster Schritt: geschützter Anbau
Nun soll das Modell auf den geschützten Anbau ausgeweitet werden. Vorgesehen sind rund 40 Aren Gewächshausfläche für Systemversuche sowie neue Flächen für Bildung, Beratung und Weiterbildung beim Inforama Seeland. Die Vorstellung der GVBF geht weiter: Auf rund 15 Hektaren kantonseigenem Boden sollen regionale Gemüsebaubetriebe eigene Gewächshäuser im langfristigen Baurecht erstellen können. In diesen Praxisgewächshäusern wären wiederum On-Farm-Versuche möglich. ÖLN- und Biobetriebe sowie unterschiedliche Kulturen könnten eine breite Versuchsbasis liefern.
Damit würde dasselbe Prinzip wie im Freiland gelten: Neue Verfahren werden zuerst kontrolliert untersucht und anschliessend unter realen Produktionsbedingungen geprüft. Für die GVBF ist deshalb nicht nur der Bau eines Forschungsgewächshauses entscheidend. Forschung, Bildung, Beratung und produzierende Betriebe sollen zusammenspielen. Dafür braucht es raumplanerische Voraussetzungen, langfristige Baurechte und Investitionssicherheit. Die Voranfrage ist eingereicht, die raumplanerischen Abklärungen laufen.
Politik sagt Unterstützung zu
Am Schluss richtete sich der Blick auf die Politik. Der Berner Regierungsrat Raphael Lanz, Vorsteher der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion, und der Freiburger Staatsrat Didier Castella, Direktor der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft, stellten sich dezidiert hinter das vorgestellte Vorhaben.
Lanz machte deutlich, dass der Goodwill für das Projekt sehr hoch sei und der Kanton weiterhin seinen Beitrag leisten wolle. Gleichzeitig brauche es die Initiative der Branche: Die Kantone könnten solche Entwicklungen nicht allein tragen. Auch Castella sagte dem Projekt seine Unterstützung zu. Beide Regierungsvertreter stellten damit am Ende der Veranstaltung klar, dass sie die Weiterentwicklung des Standorts und die Zusammenarbeit von Forschung und Praxis unterstützen.
Damit endete die Veranstaltung mit einem klaren Signal: Die Versuchsstation soll nicht nur weitergeführt, sondern in den geschützten Anbau hinein entwickelt werden. Für die Gemüseproduzenten bleibt entscheidend, dass Forschung nicht neben der Praxis stattfindet. Sie muss sich dort bewähren, wo über Ertrag, Qualität, Arbeitsaufwand und Wirtschaftlichkeit entschieden wird – auf dem Betrieb.

