Die AGFF-Mittellandtagung vom 27. August am Wallierhof in Riedholz SO war sehr gut besucht. Über Trockenheit und Futtermangel diskutierten die Bauern sachlich und mit einem gewissen Fatalismus. An den Posten standen praktische Fragen im Zentrum: Was funktioniert auch in einem schlechten Futterjahr? Was bringt eine Massnahme in Milch – und was kostet sie?
Bei Futtermangel nicht schneller rotieren
Michael Sutter von IP-Suisse und weideberatung.ch setzt beim Weidemanagement auf Messen, Vorausplanen und genügend Erholungszeit für die Pflanzen. «Man kann fast nicht zu früh anweiden», sagte er. Der frühe Weidestart gewöhnt die Kühe ans Frischgras und fördert die Bestockung. Beim Englischen Raigras gilt das Dreiblattstadium als optimaler Zeitpunkt für den nächsten Auftrieb. Als Faustregel nannte Sutter etwa drei Wochen Ruhezeit.
Ziel sind drei bis vier Zentimeter Resthöhe. Bleiben weniger schmackhafte Pflanzen stehen, entsteht ein Selektionsrasen. Die Tiere fressen beim nächsten Durchgang erneut die jungen Blätter, während der Rest altert. Für Milchkühe empfiehlt Sutter deshalb präzise 12-Stunden-Portionen.
Bei Futtermangel schneller auf die nächste Koppel zu wechseln, sei falsch, betonte Michael Sutter. «Kein Jahr entspricht dem Mittelwert.» Bei Trockenheit müsse die Rotation verlangsamt werden. Die Ruhezeit werde auf vier bis fünf Wochen verlängert, nötigenfalls mit Zufüttern im Stall oder dem Zuschalten zusätzlicher Fläche. «Nur wer die Grasmengen misst, hat zu jedem Zeitpunkt gutes Weidegras.» Entscheidend sei dabei weniger, womit gemessen werde, als dass regelmässig gemessen und danach gehandelt werde.
Günstiges Weidegras kann teuer werden
Dass Weiden auch eine Kostenfrage ist, zeigte Martin Zbinden vom Inforama. In der Talzone setzte er die Vollkosten von Weidefutter mit rund 20 Rappen je Kilogramm Trockensubstanz an, konserviertes Futter mit 42 Rappen. «Weidefutter ist das günstigste Futter – jede zusätzliche Investition macht es aber teurer», sagte Zbinden.

Bei einer Herde mit 30 Kühen und 8000 Kilogramm Milchleistung verursachen Wasserleitung und Tränke für 5000 Franken Zusatzkosten von 0,19 Rappen je Kilogramm Milch. Ein Weideselektionstor schlägt mit 0,89 Rappen, ein befestigter Weideweg mit 1,03 Rappen zu Buche. Eine Viehunterführung für 100 000 Franken erhöht die Kosten um 2,60 Rappen.
Investitionen müssen deshalb einen entsprechenden Nutzen bringen. Eine leistungsfähige Wasserversorgung oder flexible Zäune können Arbeit sparen und das Weidesystem verbessern. Zbinden stellte dazu eine im trockenen Sommer besonders aktuelle Frage: «Wirkt eine Massnahme auch, wenn das Gras nicht wächst?» Seine wichtigste Botschaft: «Die wichtigsten Weidegrundlagen sind nicht käuflich: die gute Grasnarbe und die angepasste Kuh.»
Leguminosen steigern den Futterverzehr
Der ehemalige HAFL-Dozent Peter Thomet brachte einen weiteren Faktor ins Spiel: «Das Wichtigste ist der TS-Verzehr. Und wenn Leguminosen in der Ration sind, steigt der Verzehr.»
Ähnlich argumentierte Biobauer Mischa Scherrer aus Lengnau BE, der die Tagung mit seinem Lehrling Sven Tüscher besuchte. Auf seinen schweren Böden in der «Witi» stand ihm länger Futter zur Verfügung als Betrieben in trockeneren Regionen. Bei seinen Kühen setzt Scherrer auf den Heterosis-Effekt einer Dreirassenkreuzung, beispielsweise mit Montbéliarde. Auch er sieht im Leguminosenanteil einen Schlüssel zu hohem Futterverzehr und guter Milchleistung. Von der Trockenheit geschädigte Futterflächen hat er nach einem scharfen Striegeleinsatz mit einer Übersaat «repariert».
900 Kilogramm Milch Unterschied
Wie sich Grundfutterqualität in Milch umsetzen kann, zeigte Federico Ghione von der BFH-HAFL in Zollikofen BE. Entscheidend sei nicht allein der Ertrag auf der Parzelle, sondern wie viel Energie und Protein im Trog ankomme. Der wichtigste Hebel sei der Nutzungszeitpunkt: Mit zunehmender Reife steige der Trockensubstanzertrag, gleichzeitig nähmen Rohfaser und Verholzung zu, während Verdaulichkeit und Energiegehalt sänken.
«Es braucht einen Kompromiss zwischen Menge und Qualität», sagte Ghione. Ein früher Schnitt bringe hohe Qualität, aber weniger Masse, ein später Schnitt mehr Masse, aber weniger Nährwert. Auch die Schnitthöhe spiele eine Rolle: «Die Schnitthöhe sollte sieben bis zehn Zentimeter betragen.» Die verbleibende Blattfläche unterstütze Wiederaufwuchs und Wurzelentwicklung und vermindere die Verschmutzung des Futters.
Bei 7000 Kilogramm Jahresleistung können laut Ghione bis zu 6500 Kilogramm Milch aus dem Grundfutter erzeugt werden. Zwischen guter und schlechter Grundfutterqualität lagen in den berechneten Varianten mehr als 900 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr. «Hohe Grundfutterqualität bringt Leistung und spart Geld», lautete Ghiones Fazit.
Rohrschwingel als Versicherung
Barbara Graf vom Bildungszentrum Wallierhof und Daniel Suter von Agroscope zeigten in einer Demoanlage 18 Standardmischungen für Weide, kombinierte Weide- und Schnittnutzung sowie reine Schnittnutzung.
Besonders fiel der Rohrschwingel auf. Moderne Sorten sind feinblättriger als frühere Typen und wurzeln tief. Bei einer zweijährigen Pflanze wurden bis zu 2,5 Meter Wurzeltiefe gemessen. «Rohrschwingel verträgt Trockenheit und Feuchtigkeit sehr gut», erklärte Suter. Er müsse aber kurz und intensiv genutzt werden, damit er schmackhaft bleibe.
Auch die Leguminosen zeigten deutliche Unterschiede. Weissklee wurzelt nur etwa 40 Zentimeter tief und litt 2026 stark unter der Trockenheit. Rotklee erreicht rund 80 Zentimeter und ist trockenheitstoleranter. Noch besser für trockene Standorte eignet sich Luzerne. «Auf die Wuchsform kommt es an», betonten Graf und Suter. Ausläuferbildende Pflanzen schaffen einen dichten, trittfesten Wasen und eignen sich für die Weide. Hochwachsende Horstgräser passen eher zur Schnittnutzung.
Die Empfehlung der Fachleute: Mindestens ein Viertel der Kunstwiesenfläche sollte mit trockenheitsverträglichen Mischungen bestellt werden. Rohrschwingel, Rotklee und Luzerne würden damit zur Versicherung gegen trockene Sommer.
Ein Hackdurchgang wie eine Bewässerung
Biobauer Martin von Däniken aus Corban JU hat gute Erfahrungen mit dem Hacken von Mais gemacht: «Ein Hackdurchgang wirkt wie eine Bewässerungsgabe.» Beim Silomais warnte Hanspeter Hug vom Strickhof davor, die Ertragssicherheit für eine zusätzliche Vornutzung aufs Spiel zu setzen. Zwischenfutter vor Mais verschiebe den Saattermin und koste Ertragspotenzial – besonders in trockenen Jahren. Hug empfiehlt deshalb, höchstens die Hälfte des benötigten Silomaises nach einer Vornutzung anzubauen.
Der Häcksler muss warten können
Beim Einsilieren warnte Hanspeter Hug davor, der Schlagkraft moderner Häcksler blind zu folgen. «Nicht dem Feldtempo blind folgen. Es soll nicht euer Problem sein, wenn die Häcksler immer grösser und leistungsfähiger werden», lautete seine Feststellung. Als Faustregel sollte das Walzgewicht etwa einem Drittel der stündlich angelieferten Futtermenge entsprechen. Gewalzt wird mit zwei bis drei Kilometern pro Stunde. Jede Fläche sollte mindestens zweimal überfahren werden, die Schichten dürfen nur 10 bis 15 Zentimeter dick sein.
Schwachstellen sind häufig die Randzonen. «Vor allem an der Silowand sind sehr viele Fahrsilos zu wenig verdichtet», sagte Hug. Die Folgen sind Nacherwärmung, Schimmel und geringerer Futterverzehr. Liefert der Häcksler mehr Material, als im Silo fachgerecht verteilt und verdichtet werden kann, muss die Erntekette langsamer werden.
Nicht der Ballenpreis entscheidet
Wegen der Trockenheit konnten die geplanten praktischen Erntevorführungen nicht stattfinden. Die Maschinen wurden stattdessen auf dem Platz präsentiert. Bei den Pressen standen eine Hochleistungs-Rundballenpresse und ein System mit hochverdichteten Häckselballen gegenüber. Der Vergleich zeigte: Nicht allein der Ballenpreis entscheidet, sondern die Kosten der ganzen Kette von Pressen über Transport und Lagerung bis zur Fütterung. Eine höhere Verdichtung reduziert die Zahl der Ballen und kann Transport- und Arbeitsaufwand senken.

Bei den Futtermischwagen wurde ein horizontaler Zwei-Schnecken-Mischer mit einem vertikalen System verglichen. Der horizontale Mischer zerkleinerte das Futter stärker. In der Schüttelbox blieben dort 1,7 Prozent grobe Partikel im obersten Sieb, beim vertikalen System 7 Prozent. Beide Mischungen lagen grundsätzlich im Zielbereich. Entscheidend ist eine homogene Ration, aus der die Kühe möglichst wenig selektieren können. So nehmen ranghohe und rangniedrige Tiere dasselbe Futter auf.
Das schlechte Jahr zeigt die Schwächen
Der trockene Sommer zeigte, wo ein Futterbausystem Reserven besitzt und wo nicht. Die Antworten vom Wallierhof lassen sich nicht auf eine Supermischung oder eine neue Maschine reduzieren. Die Massnahmen greifen ineinander: frühzeitig weiden, Grasvorräte kennen, Pflanzen genügend Ruhezeit geben, trockenheitstolerante Arten einsetzen, zum richtigen Zeitpunkt schneiden, sauber konservieren und die Technik nach dem schwächsten Glied der Kette ausrichten. Und nicht zuletzt muss die Kuh zum Futterbausystem passen.

