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Junges Herbstfutter: Viel Eiweiss, wenig Struktur und erhöhte Blähungsgefahr

Nach dem Regen wächst das Futter wieder erfreulich. Doch hohe Kleeanteile, wenig Struktur und junges Sorghum bergen Risiken. Futterbauberater Herbert Schmid sagt, worauf jetzt zu achten ist.

Nach dem langen, trockenheitsbedingten Stillstand ist das Futterwachstum vielerorts mit den Niederschlägen wieder in Schwung gekommen. Erfreulicherweise wächst es gerade mit grosser Kraft und verspricht doch noch etwas Entspannung bei der Futterknappheit.

Laut Herbert Schmid, Futterbauberater am LZ Liebegg, ist das Futter insgesamt jetzt nicht nur sehr protein- und energiereich, sondern hat auch wenig Struktur. Diesen Herbst ist bei erhöhten Kleeanteilen mehr Rohprotein zu erwarten als üblich; die Harnstoffwerte sollten im Auge behalten werden. Für eine ausgewogene Ration sind Energieausgleich und Strukturergänzung besonders zu beachten.

Vorsicht: Blähungsgefahr

Das junge, schnell gewachsene Futter kann rasch zu Blähungen führen. Gerade beim Weiden ist es wichtig, zu beachten, dass diese Gefahr aktuell ausgeprägter ist als normalerweise im Herbst.

Herbert Schmid weist darauf hin, dass gerade bei Kühen mit hohen Leistungen speziell darauf zu achten ist, dass vor dem Weidegang ein strukturreiches Heu vorgelegt wird. Am besten hält man die Herde gut im Blick, damit rechtzeitig reagiert werden kann. 

Bei kleereichem Futter muss besonders auf genügend Struktur geachtet werden. (Bild: BauZ)

Grosse Regenerationskraft bei Dauergrünland

Wiesen und Weiden haben die Trockenheit an vielen Orten dank ihres Regenerationsvermögens gut überstanden. Auf Weiden mit guten Ausgangsbeständen konnten das Englische Raigras und die Wiesenrispe aus den unterirdischen Ausläufern wieder ausschlagen. Intensive Wiesen mit dem trockenheitsanfälligen Italienischen Raigras konnten teilweise gut versamen und weisen dort viele Jungpflanzen auf, welche den Bestand wieder schliessen.

Falls der Bestand von der Zusammensetzung her zu wünschen übrig lässt, würde Herbert Schmid eine robuste Mischung einschlitzen. Die Pflanzen auf mittelintensiven bis extensiven Wiesen ertrugen die Trockenheit besser. Zudem kann hier ein Samenvorrat im Boden vorliegen, aus dem sie sich selbst erneuern können.

Übersaat im September ins Auge fassen

Bei Weiden, die bereits vor der Trockenheit lückig waren, sollte eine Übersaat ins Auge gefasst werden. Herbert Schmid empfiehlt eine Übersaat noch im September, um diese Lücken zu schliessen und den Bestand wieder fit zu machen für die nächste Saison.

Bei verfilzten Weiden würde er die Weide mit einem Striegel scharf abstriegeln und anschliessend abführen, bevor eine Übersaat gemacht wird. Aktuell keimen in den Lücken viele Hirsen. Mit dem Sästriegel lassen sich diese Keimlinge und Jungpflanzen gut entfernen. Sind die Hirsen auf den Weiden dafür schon zu gross, sollte zeitig bestossen werden, damit sie noch gefressen werden.

Kunstwiesen wieder in Schuss

Auch gut geführte Kunstwiesen haben die Trockenheit besser als erwartet überstanden. Vielerorts sind diese unterdessen wieder gut in Schuss und versprechen, noch einiges an Futter aufzuholen. Hier sollte, wenn überhaupt, nur sehr zurückhaltend gegüllt werden.

Momentan ist noch sehr viel Stickstoffvorrat im Boden vorhanden, der von den Pflanzen aktiv genutzt wird. Wo eine Übersaat bereits gemacht wurde, muss die Gülle gut verdünnt werden, damit sie die noch jungen Pflänzchen nicht verbrennt. Falls die Kunstwiese nicht mehr zufriedenstellend ist, würde Schmid diese nicht mehr sanieren, sondern umbrechen.

Aufgepasst bei Sorghum

Betriebe haben sich dieses Jahr entschieden, Sorghum als Zwischenfutter anzubauen. Gerade bei Sorghum / Sudangras kann es jedoch zu hohen Gehalten an Blausäure kommen (siehe Kasten). Besonders problematisch sind die jungen Triebe. Sorghum sollte frühestens ab einer Höhe von 60 cm verfüttert werden. Wer zwei Schnitte ernten möchte, kann Sorghum einsilieren. Durch den Gärprozess wird die Blausäure um bis zu 50 % reduziert.

Junges Sorghum kann viel Blausäure enthalten. (Bild: BauZ)

Vorsicht mit Blausäure

Zu viel Blausäure im Futter kann rasch zu Vergiftungen führen. Das kann zu lebensbedrohlichenhen Situationen führen, die im schlimmsten Fall mit einer akuten Weidetoxinose zum Tod führen. Die Blausäure gelangt über den Pansen in die Blutbahn, wo die Zellatmung irreversibel blockiert wird. Das Blut kann den Sauerstoff nicht mehr an das Gewebe abgeben, was zur Folge hat, dass die Tiere so ersticken können. Es muss rasch reagiert und sicher der Tierarzt beigezogen werden.

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