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Silomaisernte bei Trockenheit: So prüfen Betriebe, ob sich die Pflanzen erholen

Soll die Maisernte 2026 vorgezogen werden oder gibt es noch Hoffnung auf Erholung? Worauf ist bei einer frühen Ernte zu achten? Ein Wasserversuch und der Blick in den Stängel zeigen, ob Silomais nach Regen weiterwächst.

Endlich ist ein Wetterumschwung in Sicht. Nach einem der trockensten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen kämpfen Landwirtinnen und Landwirte 2026 landesweit mit Ertragseinbussen und zum Teil vorgezogenen Ernten. Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen wie Schädlingsdruck und Anbauvorschriften bestehen.

Seit Wochen fällt in weiten Teilen der Schweiz kaum Niederschlag. Temperaturen von bis zu 38 Grad haben in Kombination mit der lang anhaltenden Trockenheit dazu geführt, dass einige Betriebe ihre Maisernte deutlich früher als üblich einleiten mussten. Nicht überall ist die Lage gleich dramatisch. Beispielsweise im Baselbiet wurde jedoch bereits in einigen Regionen notgeerntet. Statt der üblichen 45 bis 60 Ballen pro Hektare kommen auf diesen Flächen mitunter nur noch 15 Ballen zusammen – ein Viertel bis ein Drittel des Normalertrags.

Der Futterwert würde in normalen Jahren wohl als Galtviehfutter eingestuft, doch in diesem Jahr, ist es wohl hauptsächlich etwas Futter. Die Gehaltsbestimmung ist aufgrund der Heterogenität nicht einfach festzulegen. Klar ist, dass das Futter an Qualität gewinnt, je mehr Kolben bereits ausgebildet wurden.

Wann soll die Maisernte vorgezogen werden?

Aufgrund der ausgeprägten Trockenheit stellt sich die Frage, ob und wann die Ernte allenfalls vorgezogen werden soll. Die Bestimmung des Erntezeitpunktes durch die Berechnung der Wärmesumme funktioniert in diesem Jahr nicht. Wichtig ist es, dass die gesamte Parzelle beurteilt wird. Nach einem Querschnitt soll entschieden werden, ob es noch Hoffnung gibt, dass der Mais nach dem ersehnten Regen wieder wachsen wird.

Hanspeter Hug, Futter- und Ackerbauberater am Strickhof, erklärt, dass dazu verschiedene Entscheidungshilfen eingesetzt werden können: Einerseits kann mit einigen Kannen Wasser getestet werden, ob die Pflanze auf Wasser reagiert und sich die gewickelten Blätter wieder auffalten. Wenn die Blätter nur gerollt sind, ist die Wahrscheinlichkeit relativ gross, dass sich die Pflanze erholen wird.

Oder man könnte mit einem Messer den Mais in den unteren dreissig Zentimetern abschneiden und den Stängel schälen, um zu überprüfen, ob noch Wasserfluss in der Pflanze vorhanden sei. Gut zu wissen ist auch, dass, wenn die Fahne geschoben ist, keine neuen Blätter gebildet werden, die Pflanze muss mit den bestehenden Blättern weiterfahren.

Vorallem spät gesäter Mais konnte sich nur schlecht entwickeln(Bild: Anita Märki)

Was ist bei einer vorzeitigen Ernte besonders zu beachten

Rene Bünter, Geschäftsführer der Silovereinigung, betont, dass es gerade bei dieser Hitze sehr wichtig sei, die Grundsätze der guten Agrarpraxis zu beachten. Gerade mit diesem eher schwierigen Ausgangsmaterial sollten Silierfehler möglichst vermieden werden.

Zur Bestimmung des TS-Gehaltes dient der Stängel. Je kleiner der Kolben ist, respektive die Kolbenausbildung, desto wichtiger wird der Stängel in der Reifebestimmung. Dieser kann zur Überprüfung des TS-Gehaltes ausgewunden werden; es sollte schäumen, aber nicht tropfen. Im Idealfall sollte ein TS-Gehalt von 35 % nicht überschritten werden.

Die frühen Morgenstunden respektive die Abendstunden, wenn es etwas abgekühlt hat, sind aktuell der beste Zeitpunkt, um Mais zu silieren. Dieses Jahr ist es besonders wichtig, dass das Siliergut möglichst fein gehäckselt wird, damit Nachgärungen durch Lufteinschlüsse vermieden werden können.

«Wie immer ein Zentimeter Medianschnitt. Ebenfalls ist auf einen geraden Schnitt zu achten», erklärt Bünter. «So verdichtet es besser und wird besser gefressen.» Zudem sollte darauf geachtet werden, dass die Gegenschneide auch die dürren Blätter zuverlässig schneidet. Von den Gehalten her fehlt die Stärke, die sich in den fehlenden oder schlecht entwickelten Kolben nicht ausgebildet hat.

Doch wie gut siliert es, wenn die Stärke fehlt und die Pflanzen wenig Feuchtigkeit enthalten? Sollten Siliermittel eingesetzt werden? Bünter würde eher keine Milchsäurebakterien hinzufügen: «Wenn mit hohen TS-Gehalten, d.h. über 38 %, geerntet wird, allenfalls heterofermentative Milchsäurebakterien zur zusätzlichen Essigsäurenbildung beigeben oder kombinieren». Was sicher funktioniert sind Säuren, um den pH-Wert zu senken.

Gerade im Hoch- und Fahrsilo ist es aktuell ausserordentlich wichtig, dass darauf geachtet wird, dass sehr gut verdichtet wird. Die sechs bis acht Wochen Gärphase sollten mit dieser Ausgangslage unbedingt eingehalten werden. Siloballen sind laut Hug momentan eine zuverlässige Variante, um Fehlgärungen vorzubeugen. 

Noch Zwischenfutter anbauen nach der vorgezogenen Ernte?

Wenn der ersehnte Wetterumschwung am Wochenende tatsächlich kommt, würde Hanspeter Hug eher noch zuwarten mit der Maisernte und zuerst schauen, wie sich die Kultur erholen kann. Auf früh abgeernteten Maisfeldern bietet sich eine gute Gelegenheit, ein Zwischenfutter anzubauen. Doch Hug warnt: «Aufgepasst wegen noch aktiver Bodenherbizide.»

Durch die trockene Witterung wurden die Bodenherbizide mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht genügend abgebaut. Das heisst, dass das Gelingen einer Herbstfrucht dadurch eingeschränkt sein könnte.

Mit einer intensiven oberflächlichen Bearbeitung des Bodens kann der Abbau gefördert werden. Er empfiehlt, in angepasster Tiefe zu grubbern und anschliessend eine normale Saatbeetvorbereitung vorzunehmen. Sehr wichtig ist die Rückverfestigung, damit der Samen einen guten Bodenschluss hat.

Der Saatzeitpunkt im Frühling war entscheidend

Besonders hart trifft es Betriebe, die spät gesät haben. Auf diesen Flächen wirkt sich das fehlende Wasser am stärksten aus, da die Pflanzen keine Zeit hatten, ein tragfähiges Wurzelsystem zu entwickeln, bevor die Trockenperiode einsetzte. Früh gesäte Maisfelder, die zu Beginn der Hitzephase bereits gut entwickelt waren, konnten die Trockenheit wesentlich besser verkraften.

Dieser Unterschied macht deutlich, dass der Saatzeitpunkt über den Ernteerfolg entscheiden kann. Die Wahl des Saattermins und trockenheitsangepasste Sorten werden künftig wohl stärker in den Fokus der Anbauplanung rücken.

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