ABO

Hofdünger statt Mineraldünger: Ein Ressourcenprojekt sucht Testbetriebe

Im Rahmen des Absenkpfades muss die Schweizer Landwirtschaft ihre Stickstoffüberschüsse drastisch senken. Besser pflanzenverfügbare Hof- und Recyclingdünger sollen dabei helfen.

Importierte Mineraldünger, die unter hohem Bedarf an fossiler Energie hergestellt werden, sind zu einem guten Teil an den Stickstoffüberschüssen schuld. Ein von Ökostrom Schweiz, Biomasse Suisse, Kompost Forum Schweiz, IP-Suisse, dem Bauernverband Aargau und Suisseporcs getragenes Ressourcenprojekt zur Verringerung eben dieser Überschüsse geht aktuell von der Planungs- in die praktische Umsetzungsphase über.

Von der Forschungsanstalt Agroscope begleitet

Um den Einsatz von Mineraldünger auf Ackerbau- und Gemüsebetrieben zu reduzieren, verläuft das von Agroscope wissenschaftlich begleitete Projekt auf zwei Ebenen: involviert sind Kompostier- und Vergärungsanlagen sowie landwirtschaftliche Betriebe.

Kompostier- und Vergärungsanlagen werden technisch so optimiert, dass sie klimaneutrale Hof- und Recyclingdünger aufbereiten können, deren Nährstoffe von den Pflanzen besser verwertbar sind. Auf dieser ersten Ebene sind schweizweit zwölf Anlagen involviert. Diese stellen mittels innovativer Verfahren wie beispielsweise Ammoniakstrippung oder Vakuumverdampfung neue Düngerprodukte mit mindestens 15 Prozent besserer Stickstoffverfügbarkeit her.

Naturaenergie AG setzt auf aerobe Nachkompostierung

Eines der am Projekt beteiligten Kompostierwerke ist die Naturaenergie AG in Kägiswil OW. In der 2011 in Betrieb genommenen und stetig erweiterten Anlage werden aus Bioabfällen Erdprodukte, Pflanzenkohle und Ökostrom hergestellt.

Fredy Abächerli, Präsident des Kompostforums Schweiz, erklärte am Praxisanlass des Vereins, wie die Profis in Kägiswil mit aerober Nachkompostierung des Gärgutes zum Ziel kommen wollen. «Im Gegensatz zum aneroben Abbau können mit dieser Methode die Stickstoffverluste minimiert und die Düngewirkung maximiert werden», erklärt der Fachmann.

Die Ende Juni 2026 angelegte Versuchsmiete besteht aus 45 % Grüngut, geschreddert mit Pferdemist und frischem Gras, 35 % Gärmist, 10 % tonhaltiger Erde, 10% fertigem Kompost, Urgesteinsmehl (7 kg/m³) und 7 % Pflanzenkohle.

Es werden für eine Testphase Ackerbau- und Gemüsebetriebe gesucht, die aufbereiteten Hof- und Recyclingdünger statt Mineraldünger verwenden möchten. (Bild: Jil Schuller, BauZ)

So wird man Testbetrieb

Nach ersten «Onfarm»-Versuchen im Reckenholz, auf dem Strickhof und einem Aargauer Betrieb, der von der Liebegg begleitet wird, soll auf 25 landwirtschaftlichen Betrieben getestet werden, ob mit diesem neuen Dünger Ertrag und Qualität der Ernteprodukte erhalten oder sogar gesteigert werden können.

«Für das Ressourcenprojekt ‹Mineraldünger ersetzen› suchen wir Betriebe, die durch individuelle Beratung und die Umsetzung von Massnahmen ihre Stickstoffeffizienz durch den gezielten Einsatz von aufbereiteten Hof- und Recyclingdüngern steigern möchten», sagt Projektleiterin Esther Thalmann von Biomasse Suisse. Gesucht werden Ackerbau- und Gemüsebetriebe. Bio- und Grünlandbetriebe können sich hingegen nicht beteiligen. Folgende Bedingungen müssen für eine Teilnahme erfüllt sein:

  • Offenlegung vollständige ÖLN-Aufzeichnungen
  • Aktive Teilnahmebereitschaft von 2026-2032
  • Bereitschaft für die Zusammenarbeit mit der Projektleitung und Forschungspersonen
  • Bis und mit 2025 wesentlicher Einsatz von Mineraldünger-N
  • Innovationsbereitschaft: Wille, Mineraldünger durch neue oder optimierte Düngeprodukte (Hof- und Recyclingdünger) zu ersetzen und Verfahren auf dem Betrieb einzusetzen und zu testen
  • Bereitschaft für schlaggenaue N-Düngungsplanung
  • Gute logistische Zugänglichkeit

Der Mehraufwand wird entschädigt und die Projektbetriebe werden durch geschulte «N-Coaches» begleitet und beraten.

Konkrete Projektziele

Zum Ende des Projekts hat sich das Team klare Ziele gesetzt: Die N-Nutzungseffizienz von Hof- und Recyclingdüngern soll um mindestens 5 Prozentpunkte erhöht werden; der betriebliche N-Saldoüberschuss pro ha düngbare Fläche soll um mindestens 10 Prozentpunkte reduziert und der Mineraldünger-N um 30 Prozentpunkte reduziert werden.

«Zudem werden für ackerbaubetonte Betriebe Empfehlungen zu wirksamen und ökonomisch sinnvollen Möglichkeiten zur Steigerung der N-Nutzungseffizienz von Hof- und Recyclingdüngern, zur Steigerung der betrieblichen N-Effizienz und zur Reduktion des Mineraldüngereinsatzes ausgearbeitet», erklärt Esther Thalmann. Interessenten können sich direkt bei ihr melden unter esther.thalmann@biomassesuisse.ch.

Weiterlesen

  • Zum Davonrennen? In der Geschäftsstelle des Freibergerverbandes rumort es kräftig.

    Abgänge bei der Geschäftsstelle – was ist beim Freibergerverband los?

    Vier Kündigungen nach internen Schwierigkeiten treffen die SFV-Geschäftsstelle. Welche Gründe stecken dahinter und wie soll es weitergehen? Wir haben mit Geschäftsführerin Pauline Quéloz gesprochen.
    Show more
  • Weil Landwirtschaft eigene Lösungen braucht

  • Gabi Mettler-Kühne: Holsteinzüchterin engagiert sich im VMMO-Vorstand

    ABO