Diebstahl im Hofladen verhindern – lohnt sich ein digitales Zahlungssystem?

Bargeldkassen verursachen laut einer Studie rund fünf Prozent Schwund. Digitale Kassen, Warenbewirtschaftung und Präsenz helfen, Differenzen im Hofladen zu erkennen.

«Ich höre nicht regelmässig von Diebstählen in Hofläden, aber doch ab und an», sagt Michèle Hürner, Teamleiterin Direktvermarktung bei Bio Suisse. Zu unterscheiden sei, ob es sich um einen grösseren Diebstahl handelt oder um gelegentlichen «Schwund».

Das klassische Bargeldkässeli verursacht laut einer Studie der Universität Bern rund fünf Prozent Schwund – bei höherwertigen Produkten wie Honig oder Fleisch sogar mehr.

Kameras und digitale Systeme

Um Entwendungen teurer sowie zahlreicher Produkte zu vermeiden, gibt es natürlich die Möglichkeit der Überwachungskameras, was zu einer gewissen Abschreckung führt. Hier gilt es aber zu beachten, dass diese nur Privatgelände filmen dürfen, erinnert die Fachfrau. Die Aufnahmen eines Diebstahlvorfalls sind zudem für die Identifikation der Täterschaft nicht zwingend hilfreich.

«Digitale Kassensysteme können helfen, dass die Kasse besser stimmt und Lücken überhaupt erkannt werden», fügt Michèle Hürner eine weitere Massnahme an. Und dann gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, einen Hofladen mit einem vollkommen digitalen Zugangs- und Zahlungssystem auszustatten. Mit dem Smartphone kann sich ein Kunde bei einem Laden registrieren und sich so gesichert Zutritt verschaffen.

Via Selfscanner erfasst er die Ware und bezahlt bargeldlos, meist via Twint. Das Schweizer Unternehmen «Feldnah» bietet eine solche digitale Hofladenausstattung an, ebenso Regional, Bioflix Basel oder Holabox.

«Je nach Warenwert kann sich die Investition in eine komplett digitale Lösung lohnen. Auch weil man die Kundendaten eventuell für die Kundenbindung einsetzen kann», erklärt Michèle Hürner. Nicht alle Kunden schätzen es jedoch, wenn sie ihre Handynummer hinterlegen müssen. Zudem variieren die Systeme enorm im Preis, sodass eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Abwägung sinnvoll ist.

Auch eine hohe Präsenz auf dem Hof ist hilfreich, um Diebe abzuwehren. (Bild: BauZ, Ruth Aerni)

Kombination mit menschlicher Überwachung

«Ganz ausschliessen können wir Diebstahl in unserem Hofladen nicht. Es kommt durchaus vor, dass bewusst oder auch unbewusst etwas mitgenommen wird, ohne Bezahlung – beispielsweise, dass von zwei Produkten nur eines gescannt und bezahlt wird», erzählt Julia Beck.

Sie hat die Leitung des Hofladens auf dem Kulturhof Hinter Musegg inne, der sich im Stadtluzerner Brambergquartier befindet. Sie ist sich sicher: «Die hohe Präsenz auf dem Hof spielt eine wichtige Rolle, dass nicht mehr Produkte ohne Bezahlung entwendet werden. Schliesslich ist fast immer jemand auf dem Betrieb, wodurch sich die Kundinnen und Kunden beobachtet fühlen.»

Darauf alleine verlässt sich die Leiterin des Luzerner Hofladens nicht. Um das Risiko möglichst gering zu halten, hat das Team des Kulturhofes Hinter Musegg zwei Überwachungskameras installiert. Ausserdem wird mit einer digitalen Warenbewirtschaftung über Arcavis gearbeitet. «Damit können wir sehr gut nachvollziehen, welche Produkte in den Hofladen gestellt wurden und welche tatsächlich verkauft beziehungsweise bezahlt wurden. So lassen sich mögliche Differenzen erkennen und Auffälligkeiten gezielt überprüfen», zeigt sich Julia Beck zufrieden.

Zusätzlich führt das Hofladenteam Stichkontrollen durch und beobachtet Unregelmässigkeiten genauer. «Unsere Mitarbeitenden sind entsprechend sensibilisiert und werden dazu motiviert, aufmerksam zu sein», so Beck.

Ist es ein Diebstahl oder ein Versehen?

Die Verluste durch Diebstahl liessen sich nicht genau beziffern, da sich nicht bei jeder Differenz eindeutig feststellen lässt, ob es sich tatsächlich um einen Diebstahl, einen Erfassungsfehler oder beispielsweise ein vergessenes Scannen handelt, fügt die Verantwortliche an. «Nicht zu vergessen ist, dass es auch Menschen gibt, die Beträge aufrunden oder Fehlbeträge nachzahlen», rückt Michèle Hürner die positiven Aspekte der Direktvermarktung in Hofläden ins Licht.

Viele Direktvermarktende mit einem Selbstbedienungskonzept kalkulierten einen kleinen Verlust mit ein und würden so immer noch günstiger fahren als mit einem bedienten Hofladen, so die Fachfrau von Bio Suisse.

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