Schäful auf der Belalp: 700 Schwarznasenschafe kehren heim

Nach einem Sommer hoch über dem Aletschgletscher waren sie zurück: Hunderte Schafe wurden über schmale Bergpfade zur Belalp getrieben, begleitet von über 1500 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Kurz nach halb drei am Samstagnachmittag, 5. September, war es so weit: Aus dem unwegsamen Gelände des Inneren Aletschji trafen die ersten Schafe, begleitet von den Sannern, auf dem Aletschbord ein. Über 1500 Zuschauerinnen und Zuschauer hatten sich bei traumhaftem Wetter versammelt, um den traditionellen Schäful auf der Belalp VS mitzuerleben.

Die vier schönsten Tiere geehrt

Seit Donnerstag waren zehn Sanner unter der Leitung von André Summermatter und Hirt Peter Misael unterwegs, um die rund 700 Schafe zusammenzutreiben. Am Samstagnachmittag erreichten Tiere und Sanner schliesslich das Aletschbord.

Traditionell werden dort die vier schönsten Schafe gekürt und ihre Besitzer geehrt. Die Patenschaft für die «Blüomoschafe» übernahm diesmal Alya Bärtschi, Präsidentin des Oberwalliser Schwarznasen-Schafzuchtverbands. Im Anschluss an die Ehrung wurden die Tiere in den grossen Steinfärrich getrieben, wo sie übernachteten.

Der traditionelle Anlass stiess auf grosses Interesse. es kamen rund 1500 Besucher. (Bild: Burgerschaft Naters)

Am Sonntag folgte der zweite Teil des Fests: Um 8 Uhr lud die Burgerschaft zu Fleischsuppe und Käse am Färrich, eine Stunde später durften die Züchter ihre Tiere in die Seitenfärriche scheiden. Nach der stimmungsvollen Messe machten sich die Schäfer auf den Weg – Richtung Tal oder auf eine Weide am Natischerberg.

Eine jahrhundertealte Tradition

Der Schäful gehört zur sogenannten Schafscheid, dem Alpabzug nach der Sömmerung: Die Schwarznasenschafe verbringen den Sommer wild weidend im Inneren Aletschji, einem Gebiet zwischen dem Grossen Aletschgletscher und dem Oberaletschgletscher, auf Weiden bis fast 3000 m ü. M.

Erstmals schriftlich belegt ist die Nutzung dieser Weiden im Jahr 1404, als ein Natischer sein Recht daran verkaufte. Auf dem mehrstündigen Abstieg müssen die Tiere und Sanner die Oberaletschschlucht queren – über einen in den Fels gesprengten Steig und eine Hängebrücke. Ein Bild dieser Passage diente am 22. Januar 2024 als Aufmacher-Bild in der «New York Times».

«Wir sind sehr glücklich, dass Mensch und Tier gesund aus dem Aletschji zurück sind», sagt Lilian Schmid, Alpverantwortliche der Burgerschaft Naters. «Der grosse Publikumsaufmarsch am Samstag und Sonntag zeigt, dass die Alpwirtschaft eine grosse Bedeutung für viele Menschen hat.»

Die vier schönsten Schafe, die «Blüomoschafe», wurden mit ihren Besitzern und den Sannern geehrt. Die Patenschaft übernahm heuer Alya Bärtschi, Präsidentin des Oberwalliser Schwarznasen-Schafzuchtverbands. (Bild: Burgerschaft Naters)

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