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30 Jahre Leimenhof: Drei Schritte zur erfolgreichen eigenen Marke

Am 5. September feiert der Betrieb Jubiläum. René Ritter, sein Vater Max Ritter und Partner Andi Gass im Gespräch über die Geschichte des Betriebs und den Aufbau einer eigenen Marke, die heute Zehntausende erreicht.

Der Anfang war keine Vision, sondern Notwendigkeit. «Wir waren damals alle im Dorf», erinnert sich Max Ritter. «Es gab nichts anderes als raus.» Das neue Gewässerschutzgesetz liess am alten Standort in Wenslingen BL keinen Raum mehr für die Gülle-Lagerung, und die Tierschutzanforderungen an den Auslauf der Tiere waren dort ebenfalls nicht zu erfüllen. Dass die Parzelle für das heutige Betriebsgebäude zu kaufen war, sei «grosses Glück» gewesen.

Gemeinsam bauen – aber nicht alles zusammenlegen

Andi Gass hatte seinen Betrieb kurz zuvor von seinem Vater übernommen und stand vor derselben Lage. «Mein Vater hätte aus Altersgründen gar kein Geld mehr erhalten», sagt er im «Stübli» mit Stallblick, das der Leimenhof heute auch gastronomisch führt. «Für mich war klar: mitmachen oder aufhören. Im Dorf hätte es keine Zukunft gegeben.»

Während gut zwanzig Jahren bildete der Leimenhof eine Dreier-Gemeinschaft der Familien Buess, Gass und Ritter – von Anfang an allerdings nicht ohne Vorbehalte. Für die damalige Bauerngeneration sei es eine Mentalitätsfrage gewesen, für den eigenen Betrieb zu arbeiten statt gemeinsam mit anderen. Die Skepsis nährte sich auch aus anderen Betriebsgemeinschaften in der Region, die sich nach der Zusammenlegung wieder getrennt hatten.

Die Partner wählten deshalb einen Mittelweg: Jeder behielt seinen eigenen Betrieb, zusammengelegt wurde nur die Tierhaltung. Dieses Modell gilt bis heute. Dazu kommen klare Regeln: gemeinsame Grossmaschinen, gemeinsame Futterflächen, auf denen Mais und Gras angebaut werden, sowie ein gemeinsamer Feierabend. «Wenn der Schlüssel im Schloss umgedreht ist, haben beide Feierabend», sagt René Ritter. Das verhindere Konflikte: «Keiner muss den anderen kontrollieren, jeder hat sein Daheim.» Auch beim Geld gelte Gelassenheit: Habe der eine Partner am Jahresende etwas mehr, müsse man ihm das gönnen können.

Milchkontingente, Aufstockung – und der Ausstieg

Der zweite grosse Schritt hatte mit der Agrarpolitik zu tun. «Wir haben überall für viel Geld Kontingente zusammengekauft», erinnert sich Max Ritter – finanziert nicht zuletzt durch das damals regelmässig geöffnete «Stübli». Nach drei Jahren liess sich der Bestand von 45 auf 70 Milchkühe aufstocken. «Wir hatten damals das Gefühl, es würde nur noch besser», sagt er.

2010 gab der Leimenhof die Milchproduktion auf. «Eines Tages kamen zwei Lastwagen und luden alle Kühe ein», blickt Gass zurück. «Das war schon ein spezielles Gefühl.»

Ausschlaggebend war der Milchpreis. «Wir haben genau hingeschaut, was wir an der Milch verdienen. Für einen Stundenlohn von 30 Franken hätten wir einen Milchpreis von 96 Rappen gebraucht.» 70 Kühe, verteilt auf drei Anteile, seien in der neuen Marktlandschaft zu wenig gewesen. «Wir hätten auf 120 Milchkühe gehen müssen – oder eben aufhören.» Eine weitere Aufstockung hätte hohe Investitionen bedeutet; der Verkauf der Kontingente versprach dagegen einen Puffer für den Neuanfang mit Aufzucht- und Mastrindern sowie Mutterkühen.

«Vielleicht hätte man gleich damals eine Mutterkuhherde in den Stall stellen sollen», sagt René Ritter heute. Er übernahm den Betrieb 2014 von seinem Vater; der Übergang verlief fliessend, weil Max Ritter weiter mitarbeitete. Auch die Grossvatergeneration war noch involviert, trotz anfänglicher Skepsis gegenüber der Zusammenlegung.

«Unsere Väter waren es nicht gewohnt, mit anderen zusammenzuarbeiten», sagt Max Ritter. Die Zeit beschreibt er als Auseinandersetzung zwischen «konservativ» und «zukunftsorientiert». Stolz seien die Väter trotzdem gewesen, wirft Andi Gass ein: «Sie konnten es nur nicht zeigen.»

Hier und da ein Schritt zurück – und ein grosser nach vorne

2018 folgte der nächste Einschnitt: Aus drei Betriebspartnern wurden zwei. Felix Buess liess sich «im gegenseitigen Einvernehmen» auszahlen – eine Trennung, die trotz allem nicht einfach war. Die verbliebenen Partner konzentrierten sich danach stärker: Die Lohndrescherei wurde auf die engere Region beschränkt; den Stall bewältigen die beiden seither zu zweit.

Und René Ritter begann mit Social Media. «Am Anfang war das einfach so eine Idee», erinnert er sich. «Eine aus der Kategorie: Nützt es nichts, so schadet es nichts.» Aus der Nebensache wurde ein Betriebszweig. Heute erreicht Ritter rund 45 000 Follower mit rund 1,5 Millionen Aufrufen pro Monat – nicht als Selbstzweck, sondern als Fundament für eine Marke. «Leimenhof» steht heute für Wagyu-Beef, Rapsöl und den Anbau von Hülsenfrüchten wie Kichererbsen und Linsen.

Der Bekanntheitsgrad ist real, doch der Absatz folgt nicht automatisch. «Wir sind bereit», sagt Andi Gass. «Aber die Leute müssen das Produkt auch kaufen.»

René Ritter spricht von einer «Gesundschrumpfung»: Das Marketing prägt heute die Betriebsstrategie. Der einst für schnelle, ausgefallene Ideen bekannte Landwirt denkt längerfristiger. «Der Aufbau einer Marke ist ein Lebenswerk», sagt er. «Es braucht Zeit – wichtig ist Konsistenz.»

Kommunikation ist alles – und ohne Vertrauen geht es nicht

Bei aller Konzentration aufs Wesentliche: Nicht jede Partnerschaft auf dem Leimenhof ist geblieben, wie sie begonnen hat. Der Weggang von Felix Buess 2018 zeigt, dass Zusammenarbeit auch scheitern kann. Was die verbliebenen Partner unterscheidet? Für René Ritter und Andi Gass ist die Antwort klar: Der Dreh- und Angelpunkt ist die Kommunikation. «Man muss Probleme ansprechen und Auseinandersetzungen führen» – im Vertrauen, und ohne dass es nach aussen dringt.

Gemeinsam bauen, die Milchwirtschaft aufgeben, eine Marke aufbauen: Der Leimenhof hat einen weiten Weg zurückgelegt. Mit dem Milchausstieg sind alle zufrieden. «Mehr Freiheit, mehr Zeit für anderes», sagt René Ritter – bei weniger Umsatz, aber nicht zwingend weniger Ertrag.

Manche Entscheide würde er heute konservativer treffen. «Man muss nicht immer gleich die ganze Welt neu erfinden», sagt er mit Blick auf die Wagyu-Herde. Im Nachhinein wäre es einfacher gewesen, zuerst auf eine Mutterkuhhaltung mit Angus-Rindern zu setzen und das Wagyu-Geschäft kleiner nebenher aufzubauen.

Gass, von Anfang an dabei, zieht eine klare Bilanz zur gemeinsamen Tierhaltung: «Hätten wir das nicht gemacht, würden wir heute nicht mehr bauern.» Das nächste Kapitel ist bereits absehbar: Im Januar 2027 übergibt Andi Gass nach 30 Jahren als Betriebsleiter seinen Anteil an die nächste Generation – dann übernimmt Marco Lorenzoni den Betrieb.

Dank Instagram zur Marke: Der Leimenhof in Wenslingen feiert am 05. September sein 30-jähriges Jubiläum. (Bild: Jan Geerk)

Der Leimenhof feiert sein 30-Jahr-Jubiläum am Samstag, 5. September 2026, mit einem grossen Leimenhof-Fest. Geboten werden Hofführungen, Maislabyrinth mit Quiz und Gewinnspiel sowie Sandkasten und Hüpfburg. Den Start macht ein «11i-Schluck» mit Alleinunterhalter Fredi Solo. Ab 16.00 stehen namhafte Agrarinfluencer am Bierhahn: Angekündigt haben sich Adrian Wenger, Patrick Danuser und Jörg Buchi. Ab 18.30 gibt es Live-Musik von Lukas Gysin und ab 21.30 ist Party für Jung und Alt mit DJ René und DJ De Luca.

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