«Es gilt, Licht ins Dunkel des Grundfutters zu bringen, denn die Unterschiede bei den Gehalten sind gross», erklärte Reto Tobler von der Hofmann Nutrition AG. Er referierte am 20. August 2026 an einem von vier Posten am Silohöck der Schweizerischen Vereinigung für Silowirtschaft auf dem Betrieb von Philipp Furrer, Unteillau in Kleinwangen LU.
Genaue Gehalte oft unklar
Für viele Bauern sei der Heustock eine Wundertüte und viele Bauern hätten kaum eine Ahnung, was denn im Grundfutter an Mineralstoffen und auch an Nährstoffen vorhanden sei. Erst, wenn dieses Gehalt klar sei, könne mit den richtigen Mineralstoffen ergänzt werden. Hofmann Nutrition AG biete als eine der schweizweit ersten Firmen seit fünf Jahren umfassende dynamische biologische Analysen an, erklärt Reto Tobler. Diese werden in einem Labor in den USA erstellt.
Bei diesen sogenannten CNCPS-Analysen werden gegenüber den herkömmlichen statischen und rein chemischen Analysen viel diversifiziertere Fraktionen gemessen – neben vielen Mineralstoffen und Spurenelementen beispielsweise auch die Zellwand-Abbaugeschwindigkeit. Berücksichtigt wird auch das Gärsäuremuster, womit der Siliererfolg beurteilt werden könne.

Anhaltspunkte für Futterbau und Düngung
Die verschiedenen Verdaulichkeiten der Zellwände zeigen die Fressmenge der Kühe und die Nährstoffverwertung. Erkennbar seien so auch Unterschiede zwischen Futterarten, Schnitten, Sorten und Parzellen. «Solche Analysen geben Anhaltspunkte zur Anpassung der Fütterung, des Futterbaus und der Düngung», meinte Reto Tobler.
Beim Betrieb Furrer zeigten sich bei den Analysen die hohen Verdaulichkeiten der Grundfuttermittel und ein passendes Gärsäuremuster, was auf top-silierte Futter und damit hohen Verzehr hinweist.

Rund 160 Personen nahmen am Silohöck teil, wohl auch, um mehr zur Haltung und Fütterung auf diesem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb zu erfahren, zumal die 55 Holstein-Kühe im Schnitt 15 277 kg Milch pro Standardlaktation leisten. Das ist schweizweit der höchste Stalldurchschnitt.
Kühlung im Stall reicht nicht
Neugierig waren die Besuchenden auch, wie denn der Betriebsleiter mit Hitzestress im Stall umgeht. Diesbezüglich gab es allgemeine Empfehlungen von Michael Neumeyer. Der pensionierte deutsche Tierarzt hat sich spezialisiert auf die Beratung von Milchviehbetrieben mit Hochleistungstieren und ist im Auftrage für verschiedene Firmen international tätig, hier für Hokovit.
So viel Milch ist nicht nur mit gutem Futter und einigen Pülverli möglich.
Adrian Good, Präsident der Silovereinigung, über das beispielhafte Management von Philipp Furrer.
Lüfter und Sprinkler im Stall würden nur 60 Prozent der Sommermilchverluste retten. Der Rest würde im Innern der Tiere verschwinden, erklärte er. Hitze-gestresste Holstein-Kühe würden in nur drei Tagen eine Darmundichtigkeit entwickeln. So wandern Endotoxine und Bakterien durch die geschädigte Darmwand und verbrennen Energie, die für die Milchproduktion fehlt.
Bei Hitze sinke auch die TS-Aufnahme, die sei aber hauptverantwortlich für den Wasserbedarf im Pansen. Kurios sei, dass deshalb Kühe im Hitzestress weniger trinken als unter Normaltemperatur. Es gelte somit, zu verhindern, dass Kühe weniger fressen, zumal die Wasseraufnahme bei Hitze bei 10 l/kg TS-Aufnahme liegen sollte.
Saure Salze für die Galtkühe
Erst auf eine Frage aus dem Publikum verriet Furrer Details zur aktuellen Futtermischung: Kein Dürrfutter, hingegen Triticale- und Maissilage, CCM aus Ballensilage, Biertreber, Sojaschrot, Melasse, Mineralstoffe mit Mikronährstoffen, Maiskleber, eigener Futterweizen. Die TS-Aufnahme liegt bei 27,3 kg bei den Milchkühen. Die erhalten das Leistungsfutter beim Melkroboter aber nur maximal drei Kilo, und während der Startphase noch Propylenglykol. 14 kg beträgt der TS-Verzehr bei den Galtkühen, die würden mit der gleichen einphasigen Futtermischung, allerdings stark mit Stroh verdünnt, sowie sauren Salzen gefüttert. «So gibt es viel weniger Stoffwechselstörungen», betonte Philipp Furrer. Und das funktioniere gar bei Kühen mit hoher Persistenz, die mit 30 kg trockengestellt würden, ergänzte Fütterungsberater Christian Geisseler von Hofmann Nutrition AG.
Neumeyer empfahl bei Hitzestress zur Unterstützung des Magen-Darm-Traktes, sogenannte Mikronährstoffe zu verabreichen. Diese enthalten Pflanzenextrakte und Hefen. Und nur das beste Grundfutter sei gut genug. «Bei Hitzestress sollte kein Heu gefüttert werden.»
Mehr auf Mischungsqualität achten
Die Trends hin zu vertikalen Futtermischwagen erläuterte Nathan Losenegger von der Odermatt Landmaschinen AG. Die seien geeigneter für die Verarbeitung von Rund- und Quaderballen. Ziel sei eine homogene Mischung und die sei dann erreicht, wenn ranghöhere Tiere rangniedrigere am Futtertrog nicht mehr verdrängen. Er rief dazu auf, mehr auf die Mischungsqualität zu achten, das sei viel wichtiger als automatisierte Fütterungssysteme.

Adrian Good, Präsident der Silovereinigung aus Mühlau AG, wo er selbst in einer Dreier-Betriebsgemeinschaft mit 155 Kühen und 65 ha Land tätig ist, zeigte sich zum Abschluss sehr erfreut über den Grossaufmarsch.
Vor allem die Ausführungen zum Hitzestress boten den Landwirt(innen) viele Anregungen, zumal dieses Thema in der Schweiz vor diesem Sommer wenig beachtet worden sei. Beeindruckt äusserte sich Good vom Betrieb Furrer.
Die Kühe im Stall seien auffallend ruhig, alle fast gleich gedeckt, die Herde sehr ausgeglichen. Das sei ein beispielhaftes Management mit einer perfektionierten Fütterung, und der Umgang mit den Kühen sei hervorragend. «So viel Milch ist nicht nur mit gutem Futter und einigen Pülverli möglich.»

Mit hohen Leistungen die Fixkosten verdünnen
Schon sein Vater habe 1976 von Original Braunvieh auf Holsteiner umgestellt, erzählte Philipp Furrer. Heute werden auf dem 20 ha grossen Betrieb 55 Milchkühe gehalten. Das Jungvieh ist nur wenige Monate hier, geht dann in den Aufzuchtvertrag. Weil Landfläche und Stallplätze beschränkt sind, setze er auf Optimierung der Leistung. So liessen sich auch die Fixkosten verdünnen.
Furrer schätzt die Unterstützung mehrerer beratender Firmen, für die Fütterung und bei der Genetik. Dort setzt er fast ausschliesslich auf US-Stiere von ABS‑Global sowie auf das Triple-A-System, um neben der Leistung auch bei den Körpermerkmalen und so für die Langlebigkeit den passenden Stier zur Kuh zu finden.
Kuh wünscht sich immer gleiches Futter
Die Empfehlungen zur Futterergänzung aufgrund der Grundfutteranalysen setzte Philip Furrer sehr konsequent um, und er wolle ein stets gleiches, homogenes Futter. «Die Kuh ist ein Gewohnheitstier, die will keine Wechsel, auch nicht beim Futter.»
Gegenüber den seit 2023 eingesetzten Mikronährstoffen von Hokovit sei er anfänglich skeptisch gewesen, getraute sich aber nach einem Jahr nicht mehr, darauf zu verzichten. Und Philipp Furrer ist auch überzeugt, dass die bei der Bewältigung des Hitzestresses halfen.
Im Futterbau setzt er auf eine Spezialmischung verschiedener Gräser, spätreife Sorten mit hoher Zellwandverdaulichkeit. Als Zwischenfutter wird nach Mais Triticale angebaut und einsiliert. Dieses Futtergetreide sei sehr auflaufsicher und ertragsstark.
Bei Hitze lüften und Ruhe im Stall
Sämtliche Gülle wird separiert, für eine schnellere Wirkung und weniger Verschmutzung. Alle Silagen werden mit Siliermitteln behandelt, heute ein kombiniertes Mittel gegen Nacherwärmung und mit einem Milchsäurepräparat.
Naturwiesen hat Philip Furrer keine mehr, Kunstwiesen würden bei Hitze und Trockenheit weniger leiden. Vorteilhaft seien die tiefgründigen Böden, deshalb hätten sich die Futterverluste in Grenzen gehalten.
«Ich rechne mit knapp einem Schnitt weniger.» Erstaunlich gut seien die Maiserträge, er rechne nicht mit Verlusten wegen der Trockenheit, auch weil die Sorten früh gesät wurden. Im offenen Stall begegnete Furrer der Hitze mit zahlreichen Lüftern, die auch nachts auf Hochtouren liefen. Wichtig sei auch, möglichst Ruhe in den Stall zu bringen.

