Gewappnet für die Zukunft – wer möchte das nicht sein? Betriebsvorstellung, Unkrautbekämpfung, dürre Wiesen, Gründüngung, Pflanzenschutz und mehr: Der Liebegger Herbsttag zog kürzlich mit aktuellen Themen viele Interessierte auf den Betrieb von Stephan Wernli in Gebenstorf AG.
Der richtige Moment beim Striegeln
Auf den 23,5 ha LN von Wernlis sind Mutterkuhhaltung, Ackerbau und Obst die wichtigsten Betriebszweige. Natur- und Kunstwiesen, BFF, Silomais, Körnermais, Gerste, Winterweizen, Roggen und Soja sind die Kulturen, angebaut nach den Richtlinien von IP‑Suisse. Hinzu kommt eine nicht geschützte Obstanlage mit Äpfeln und Zwetschgen.
Ein weiteres Standbein sind Lohnarbeiten. Obwohl kein Biobetrieb, nimmt sich Wernli seit vielen Jahren dem Thema mechanische Unkrautbekämpfung mit Striegeln und Hacken an. «Ein Herbizidverzicht ist einfacher als ein Verzicht auf Fungizide oder Pestizide», sagt Stephan Wernli. Er ermutigte die Berufskollegen, bei der mechanischen Unkrautbekämpfung Erfahrungen zu sammeln. Denn jeder Betrieb habe geeignete Parzellen dazu. «Man muss einfach den richtigen Moment erwischen», so seine Erfahrung.
Herbstgras und Mais im Silo mischen
Landwirt Wernli setzt auf eine Mischsilage im Herbst. Den Hintergrund für diese Art der Futterkonservierung erklärte Linus Müller vom LZ Liebegg. Silogärung braucht einen optimalen TS-Gehalt. Herbstgras sei aber häufig nass, strukturarm, proteinreich und somit anfällig für Fehlgärungen, erklärte der Fachmann.
«Eine Mischsilage mit Mais kann die Gärung verbessern», so Müller. Im Verfahrensvergleich nannte er die gute Verwertung von Herbstgras, den stabilen Gärverlauf und die bereits «fertige» Mischration als Vorteile. Herausfordernd seien der Zeitpunkt der Ernte bezüglich der Trockensubstanz von Mais im Vergleich mit dem Gras und die aufwändigere Mechanisierung.
Auf dem Betrieb Wernli beschicken zwei Erntewagen, einer gefüllt mit Mais, der andere mit Gras, gleichzeitig das Förderband fürs Silo. Dabei wird Gras vom Kurzschnittladewagen mit Häcksel-Mais bedeckt. Die Mischsilage weist mit einem TS-Gehalt von 35 % einen höheren Wert auf im Vergleich mit normalem Herbstgras. Bei NEL (6,3 MJ) und APD (60 g) sind die Werte auf dem Betrieb gemittelt, was die Ration unauffällig und damit interessant macht für die Verfütterung.
Trockenheit beeinflusste Drohnensaat
Rita Ziltener vom LZ Liebegg erklärte an ihrem Posten die laufenden Versuche auf dem Betrieb von Familie Wernli zum Thema Drohnensaat von Zwischenkulturen und Gründüngungen. Diese war – wie alles andere auf den Feldern diesen Sommer – ebenfalls massiv durch die Trockenheit beeinflusst.
Ende Juni fand die Drohnensaat statt. Tags darauf gab es 37 mm Niederschlag. Eine Woche später wurde der Weizen geerntet. Erst Ende Juli wurde es mit 25 mm wieder feucht, am 19. August kamen nochmals 8 mm dazu. Erst am 24. August konnten zum Vergleich die Kombisaaten durchgeführt werden. Ende August folgten weitere 35 mm Regen, allerdings mit Hagel versehen.
Rita Ziltener ging vor allem auf die Mischungen ein und hob Einzelpflanzen bezüglich deren Eigenschaften hervor. So etwa das Hybrid-Sudangras, verwandt mit Sorghum, das zur Familie der Süssgräser gehört. Es ist wärme- und trockenheitsverträglich, benötigt für eine rasche Entwicklung aber ausreichend hohe Temperaturen. Bei Frühsaat und guten Bedingungen bildet es sehr viel Biomasse und entwickelt ein kräftiges, tiefreichendes Wurzelsystem.
Die Unkrautunterdrückung nach Bestandesschluss sei gut, dafür die Jugendentwicklung bei kühlen Bedingungen eher langsam, so Ziltener. Das Sudangras ist stark frostempfindlich und friert im Herbst zuverlässig ab, wird bei Frost gut zersetzt und hinterlässt viel organische Masse. Ziltener wies darauf hin, dass es es durch intensive Durchwurzelung die Bodenstruktur verbessert und Wasser aus tieferen Bodenschichten erschliessen kann.
Gepunktet mit trockenheitsverträglichen Komponenten
Vor Ort zeigte sich, dass alle Mischungen mit der Drohnensaat eine ungenügende Bodenbedeckung erzielten. Dies ist vor allem der Trockenheit geschuldet. «Auch Gründüngungen brauchen Wasser», bilanzierte Rita Ziltener.
Von den drei Mischungen per Drohnensaat bewährte sich die Mischung von Eric Schweizer am besten, obwohl sie mit den grossen Samen eigentlich nicht für die Drohnensaat konzipiert ist. Sie verfügt aber über trockenheitsverträgliche Komponenten mit Alexandrinerklee, Platterbsen, Linsen, Kresse, Phacelia, Guizotia, Saflor, Sommerlein, Moha-Hirse, Sorghum und Sandhafer.
Die Mischung von Samen Steffen hatte im Versuch am meisten Mühe, weil sie nur vier Komponenten enthält, die sich bei der Trockenheit nicht bewährten. Die Mischung wäre gemäss Ziltener aber in einem normalen Jahr bei der Drohnensaat-Technik wohl im Vorteil, da sie feinsamig ist.
Die von der Drohne ausgebrachte Saat war deutlich weiterentwickelt als die konventionelle Saat, da diese aufgrund der Trockenheit erst spät durchgeführt werden konnte.
Alle Faktoren müssen stimmen
Rita Ziltener zog ein Fazit zur Drohnensaat: Diese könne gelingen, aber alle Faktoren müssten stimmen. Gemeint ist der optimale Zeitpunkt mit vier bis sechs Wochen vor dem Dreschen, genügend Feuchtigkeit und der richtigen Mischungswahl.
Aus einem weiteren langjährigen Versuch gibt es zum Vergleich weitere Tendenzen. Mit der Drohne sei eine Kosten- und Arbeitszeitersparnis möglich, sagtre Ziltener. In normal trockenen Jahren sei Drohnensaat vorteilhaft, nicht aber bei ausgetrocknetem Boden und ausbleibender Taubildung. Die Strohrotte sei verlangsamt, da keine Einarbeitung stattfand.
Drohnensaat in Flächen mit Wurzelunkräutern sei nicht zu empfehlen, da keine mechanische oder chemische Bekämpfung erfolgen kann. Auch ist keine ausreichende Schnecken- und Mäusebekämpfung möglich. Und Fahrspuren und Randbereich sind teilweise lückig begrünt bei einer Drohnensaat.

