ABO

Seuchenfreiheit bei Schweinen: Rasch wieder von 98 auf 100 Prozent

Der aktuelle Ausbruch der Enzootischen Pneumonie sorgte für Aufruhr, da die Schweiz Schweineseuchen lange im Griff hatte.

Die hiesige Schweinebranche war in den vergangenen Monaten öfter in den Medien. Meist ging es um den Schweinemarkt bzw. die Mengensteuerung, die niemand im Griff hat, weshalb in regelmässigen Abständen Millionen von Wertschöpfung vernichtet werden. Dabei geht vergessen, dass der Betriebszweig mit den Borstentieren in mehreren Sparten zur Weltspitze gehört. Etwa, wenn es um die Fleischqualität, das Tierwohl oder die Tiergesundheit geht. Alles hatte und hat ein Preisschild. Auch das einzigartig hohe Gesundheitsniveau musste erarbeitet werden.

Die Schweiz wurde flächensaniert

Denn jetzt ist die Branche wegen der Tiergesundheit zurück im Fokus. Die Lungenkrankheit Enzootische Pneumonie (EP) ist ausgebrochen. Rund zwei Prozent des Schweinebestandes sind daran erkrankt, so gross war der betroffene Ring zur arbeitsteiligen Schweineproduktion.

Das interessierte auch nichtlandwirtschaftliche Medien und nun wissen auch interessierte Städter, was ein «Schweinering» ist. Noch bis tief in die 1990er-Jahre hinein war EP in unseren Ställen stark verbreitet. Mit «Zementhusten» wurde die Tierseuche beschrieben, angelehnt an das chronische Husten der Jungtiere, das besonders in den damals eher feuchten Betonställen auftrat.

Die Krankheit führte zu massiven wirtschaftlichen Schäden in der Produktion. Infizierte Tiere wachsen langsamer, verwerten Futter schlechter und sind anfällig für eine Zweitinfektion. Um des Ganzen Herr zu werden, starteten die Bundesbehörden gemeinsam mit den Produzentenverbänden ein weltweit beachtetes Projekt namens Flächensanierung.

In den Jahren 1996 bis 2004 wurden die Schweinebestände in der Schweiz systematisch – und wie es der Name sagt – flächendeckend von EP befreit. Anstelle einer blossen medikamentösen Symptombekämpfung wie im Ausland setzte man bei uns rigoros auf Totalsanierungen von infizierten Betrieben. In den umliegenden Ländern wird vor allem durch Impfungen, angepasstes Management und strenge Biosicherheit versucht, die Schäden tief zu halten.

Der schwerste Ausbruch seit Langem

In der Schweiz dagegen wurden Bestände geräumt, Stallungen desinfiziert und mit garantiert erregerfreien Tieren neu bestossen. Seit Abschluss der Sanierung gilt die Schweiz offiziell anerkannt als frei von Enzootischer Pneumonie. Seuchenfreie Bestände werden amtlich überwacht. Seitdem gab es nur noch sporadische Ausbrüche, die Quellen bleiben meist diffus.

Der aktuelle Fall ist nun der schwerste Rückschlag seit der Sanierung. Und er hat aufgrund der Dimension, mit der grossen und verzweigten Struktur im Ring mit insgesamt 60 betroffenen Zucht- und Mastbetrieben, für Aufruhr gesorgt. Zu viel, für einige in der Branche. Beim Geflügel sei schon Ähnliches passiert, ohne dass darüber in der Zeitung berichtet wurde, war zu hören. Das mag stimmen, die Tiergattungen haben aber ihre eigenen Geschichten.

Der Grund, weshalb der EP-Ausbruch für Aufruhr sorgt, ist eigentlich ein positiver. Die Schweiz ist Pionierin bei der Schweinegesundheit und das Gesundheitsniveau ist sehr hoch. In fast allen anderen Ländern wäre der Ausbruch nicht der Rede wert. Viel Geld, Fleiss und Herzblut hat die Branche in die Flächensanierung investiert. Eine Bestandesräumung ist, vor allem auf Zuchtbetrieben mit Herden, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden, emotional eine gewaltige Belastung.

Lob für die zuständigen Behörden

Seit vielen Jahren ist die Schweiz offiziell frei von allen bedeutenden Schweineseuchen. Schweizer Schweine sind gesünder, der Tierarzneimitteleinsatz tiefer. Entsprechend erhöht ist der Tierverkehr, manchmal etwas lockerer der Umgang mit der Biosicherheit. Gerade EP ist speziell schwierig im Umgang. Denn Wildschweine tragen wohl alle den Erreger in sich, und deren Population nimmt bekanntlich zu und dringt in neue Gebiete vor. Schutz vor Nasen-Nasen-Kontakt ist machbar, auch bei hohem Tierwohl, aber EP wird eben auch über die Luft übertragen.

EP gehört zu den «zu bekämpfenden» und nicht zu den «hochansteckenden Tierseuchen». Die kantonalen Behörden sind hier in der Pflicht, auch finanziell. Die zuständigen Veterinärdienste werden innerhalb der Branche für ihre Arbeit und die Kommunikation gelobt.

Das Vorgehen sei pragmatisch. Die angeordneten Räumungen in der Branche unbestritten. Viele der infizierten Tiere wurden bereits geschlachtet bzw. euthanasiert. Wenn keine oder kaum Tiere ausserhalb des einen Rings betroffen sind, und danach sieht es aktuell aus, wird bereits in wenigen Monaten ein Debriefing stattfinden. Dort müssen auch die Strukturen in der Schweiz ein Thema sein. In einigen Ringen wechseln die Tiere etwas gar häufig den Stall. Da könnte weniger manchmal mehr sein.

Rasch zurück zu 100 Prozent

Verharmlost werden darf der Ausbruch nicht. Noch ist er nicht getilgt, der Schrecken sitzt vielerorts tief. In den letzten Jahren sprach man – wenn es um Seuchen ging – vor allem von ASP, der Afrikanischen Schweinepest. Damit befassten sich viele, einige haben in Massnahmen zur Biosicherheit investiert. Da gingen andere Krankheiten, wie eben EP, fast ein wenig vergessen.

«Die Seuchenlage für hochansteckende Schweineseuchen in der Schweiz kann für das Jahr 2025 insgesamt als stabil beurteilt werden», heisst es im Gesundheitsradar der Suisag, erschienen im Sommer 2026. Die Schweiz profitiere zudem von funktionierenden Überwachungs- und Früherkennungssystemen sowie einer engen Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Tierärzteschaft und Behörden.

Gleichzeitig bleibt das europäische Umfeld volatil. «Prävention, Biosicherheit und Wachsamkeit bleiben daher die zentralen Pfeiler zum Schutz der Schweizer Schweinebestände», heisst es weiter. Und rasches Handeln, wie aktuell, damit die Branche von 98 Prozent zurück zu 100 Prozent gesunden Schweinen gelangt.

Weiterlesen

  • Die Studie war klein und umfasste Proben von 17 verschiedenen Betrieben.

    Gummi-Chemikalien aus Melkanlagen in der Milch – Schweiz in Wartestellung

    Zu ihrem Erstaunen haben Forschende in Rohmilch Stoffe entdeckt, die aus Gummiteilen wie Schläuchen stammen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) plant keine weiteren Studien.
    Show more
  • Gewinnen Sie zwei Tickets für die OLMA 2026!

    ✹
  • Schweiz Tourismus sieht keine Konkurrenz zur Landwirtschaft