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Trockenheit in der Landwirtschaft: So finden Betriebe die richtigen Massnahmen

Agridea bündelt 70 Strategien gegen Klimarisiken nach Betriebszweig und Kosten – von angepasster Wiesennutzung bis zu Futtermittelreserven.

In diesem Jahr mussten sich Betriebe so intensiv wie kaum zuvor mit den Auswirkungen der Trockenheit auseinandersetzen. Trockenheit wird jedoch nicht das einzige Klimarisiko für die Landwirtschaft bleiben. «Wir müssen neben Hitzewellen und Trockenheit aufgrund des Klimawandels leider generell mit häufigeren, extremen Wetterereignissen wie etwa Starkregen, Hagel, oder sogar kurzzeitigen Kälteeinbrüchen rechnen», sagt Melissa Näf, Fachmitarbeiterin Klima bei der Agridea in Lindau ZH.

Auch die Klimarisiko-Analyse des Bundes bestätigt, dass bis 2060 im Sommer bis zu einem Viertel weniger Regen fallen wird und dass die Trockenperioden länger werden. Nutzungs- und Ertragseinbussen sowie Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen würden zunehmen, so der Bund. 

Orientierung für jeden Betriebszweig

Um Landwirtinnen und Landwirten einen praxisnahen Überblick darüber zu geben, welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen, um ihren Betrieb besser auf die heutigen und zukünftigen Klimarisiken vorzubereiten und widerstandsfähiger zu machen, hat die Agridea nun ihre Wissensplattform «Agripedia» zum Thema Klima erweitert.

«Wir haben 2024 begonnen, eine Massnahmensammlung im Bereich Klima aufzubauen. Diesen Sommer haben wir diese nun um den Filter ‹Klimarisiken› ergänzt. So können Landwirtinnen und Landwirte sowie auch Beratungspersonen gezielt nach Schutz- und Anpassungsstrategien für verschiedene Risiken suchen. Beispielsweise lässt sich der Betriebszweig Futterbau mit dem Klimarisiko Trockenheit kombinieren, oder Milchvieh mit Hitze», erklärt Melissa Näf.

Der Massnahmenkatalog soll Orientierung bieten und aufzeigen, was je nach Betriebszweig konkret getan werden kann. Anstoss dafür war der Austausch mit Berater(innen), die rückmeldeten, dass im «Dschungel» der Möglichkeiten die Übersichtlichkeit fehle. 

Wovon wäre der eigene Betrieb stark betroffen?

Wichtig sei es, dass sich landwirtschaftliche Betriebe die Frage stellten, von welchem extremen Wetterereignis der eigene Betrieb besonders stark betroffen wäre. «Darauf aufbauend bietet der Massnahmenkatalog die Möglichkeit zu evaluieren, welche Anpassungen für ihren Betrieb sinnvoll und kurz-, mittel- oder langfristig möglich sind. Zu jeder Massnahme finden sich Angaben zur Umsetzung, zu Herausforderungen und zu möglichen Vorteilen», erklärt Melissa Näf. 

Überblick über Kosten der Massnahmen

«Die Kosten der Massnahmen sind natürlich für jeden Betrieb sehr individuell. Wir arbeiten daher für alle Massnahmen mit einer gröberen Abstufung auf vier Ebenen», so die Expertin. Für zehn Massnahmen sei aktuell zudem eine detailliertere Auswertung der Kosten und möglichen Einsparungen in Arbeit, so etwa für den Aufbau von Futtermittelreserven und für die Verwendung von wassersparenden Bewässerungssystemen im Bereich Spezialkulturen.

Die Kategorien sind wie folgt eingestuft: 

  • «Keine Kosten» 
  • Geringe Kosten (< 1000 Fr. einmalig oder < 200 Fr. jährlich)
  • Mittelhohe Kosten (1000 bis 5000 Fr. einmalig oder 200 bis 1000 Fr. jährlich)
  • Hohe Kosten (> 5000 Fr. einmalig oder > 1000 Fr. jährlich)

Bei vielen Massnahmen sei der Kostenfaktor klar. «Es gibt aber auch hilfreiche Anpassungen, bei denen man vielleicht überrascht ist, dass sie gar nicht so teuer sind», sagt Melissa Näf.

Den Boden bedeckt zu halten, ist eine Strategie, die sowohl bei Trockenheit, als auch bei starkem Regen hilfreich ist. (Bild: Jil Schuller)

Klimarisiken erschweren Planbarkeit

Insgesamt 70 Massnahmen zum Umgang mit Trockenheit sind aktuell fertig ausgearbeitet. Obwohl man wisse, dass trockene Sommer wahrscheinlicher werden, wäre es nicht ratsam, den eigenen Betrieb gänzlich unter dem Gesichtspunkt «Trockenheit» auszurichten. Normale oder sogar nasse Jahre können durchaus weiterhin vorkommen, stellt die Expertin klar.

«Klimatisch verzeichnen wir stärkere Schwankungen, die die Planbarkeit für die Landwirtinnen und Landwirte klar erschweren. Es gibt jedoch Massnahmen, wie etwa die Bodenbedeckung, oder verschiedene Massnahmen, die Wasser in der Landschaft besser zurückhalten und versickern lassen, die den Betrieb im Allgemeinen widerstandsfähiger machen», sagt Melissa Näf. 

Anpassung der Wiesennutzung

Ein Beispiel aus dem Massnahmenkatalog Trockenheit ist die Anpassung der Wiesennutzung für Betriebe mit Milchproduktion, Fleischrinderhaltung und Futterbau. 

Situation: Bei hohen Temperaturen über 25 °C verbrauchen intensiv genutzte, produktive Wiesen vermehrt Wasser. Ab ca. 27° bis 30 °C stellen die wertvollen einheimischen Futterpflanzen wie Englisches Raigras oder Weissklee das Wachstum ganz ein. Halme und Blätter schützen den Boden bei starker Sonneneinstrahlung, weshalb insbesondere bei extremer Trockenheit die Wiesennutzung angepasst werden sollte.

Anpassung: Bei extremer Dürre und Hitze sollten die gelben Halme und Blätter stehen gelassen und es sollte auf das Mähen verzichtet werden. Die abgemähten und verletzten Stoppeln leiden oder verdorren. Es soll deshalb erst gemäht werden, wenn Niederschläge gefallen sind. Dabei gilt es, die Nerven zu behalten: Die Futterqualität dieser gelben und braunen Pflanzen ist schon schlecht und nimmt nicht mehr viel ab.

Kosten: Die Kosten der Massnahme selbst werden als gering eingestuft. Zusätzliche Kosten entstehen jedoch, wenn dadurch die Futtermittelreserven erhöht werden müssen.

Herausforderungen: Mit dieser Massnahme einhergehende Herausforderungen sind zum Beispiel, die Futtervorräte am Lager zu haben, das Management der Vorräte und die eventuelle Kritik oder Fragen von anderen Landwirten, warum man eine halbdürre Wiese stehen lässt und nicht mäht. Quelle: Agridea

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