Seit 33 Sommern betreut Arnold Zurkinden (Jahrgang 1928) die familieneigene Alp Weichlera auf 1132 m ü. M. im Plasselbschlund im Kanton Freiburg. Seit dem Tod seiner Ehefrau Marie ist er allein auf der Alp.
Trotzdem ist er nicht auf sich selbst gestellt: Da er altersbedingt nicht mehr alle anfallenden Arbeiten ausführen kann, darf er auf die Unterstützung seiner grossen Familie zählen. Die Familienmitglieder würden die grösseren Arbeiten erledigen, dabei stehe vor allem die Weidepflege im Vordergrund, erzählt der 98-Jährige.
Schon mit dem Bregg z'Alp
Ob Arnold Zurkinden der älteste Alphirt im Kanton sei, könne er nicht sagen. «Aber wenn einer älter ist als ich, kann er sich ja melden», meint er verschmitzt. So werde bei den Mitgliedern des Alpwirtschaftlichen Vereins das Geburtsjahr nicht erhoben.
Zurkinden erzählt beim Besuch des Schreibenden allerlei Anekdoten aus seinem langen Leben. Er erinnert sich noch gut an die Ausflüge in den Plasselbschlund mit der Familie seiner Eltern mit 13 Kindern.
«Auf einem Bregg, das ist ein leichter, offener Pferdewagen, kamen wir damals hierher, um die Tiere zu besichtigen», weiss er noch. Angekommen auf der Alp Weichlera gab es dann für alle etwas zu essen: «Ein gekochtes Ei, ein Stück Brot und eine Tasse Ziegenmilch waren damals üblich», erinnert sich der 98-Jährige heute noch.

Laut Arnold Zurkinden ist die Alp seit dem 16. Jahrhundert in Familienbesitz. Die Alphütte ist auf 1712 datiert. Seit der Erbteilung im Jahre 1969 ist die Familie Zurkinden Eigentümerin.
Die ganze Alp hat eine Fläche von 15 Hektaren. Das heisst, es sind insgesamt 16,8 Normalstösse, was etwa 28 Rinder entspricht, die im Mittel 120 Tage auf der Alp sind. Zur Alp gehören noch 4,7 ha Wald.
Trockenheit macht auch dem 98-Jährigen Sorgen
Die aktuelle Wettersituation macht auch Arnold Zurkinden Sorgen: «Im Flyschgebiet sind trockene Sommer besser als nasse», erzählt der Alphirt. Zurzeit gehe es gerade noch recht gut mit dem Gras, aber Regen wäre sehr willkommen.
Kürzlich legten ihm die Gustibauern ans Herz, die Rinder noch möglichst lange auf der Alp zu halten, denn bei ihnen zu Hause gebe es fast kein Futter mehr.
Die Alpweide im Plasselbschlund verfügt glücklicherweise über zwei eigene Quellen: Die schwächere versorgt die Alphütte, die andere speist die sieben Tränkestellen.
Keine Erschliessung der Alp
Eine Erschliessungstrasse wäre nützlich. Im Bericht der Alpinspektion des Alpwirtschaftlichen Vereins aus dem Jahre 2017 wurde festgehalten, dass die Alp von Zurkindens einen gepflegten Eindruck mache. Der Schwachpunkt sei die fehlende Erschliessung.
«Es hat vor einigen Jahren ein Projekt gegeben», erläutert der Alphirt. Eine Strasse hätte von Feyers Saga im freiburgischen Plasselb die Alpweiden Rumena, Weichlera, Birbaumli und Buntschli erschliessen sollen. Die acht Eigentümer wären damals einverstanden gewesen.
Aber da die zuständigen Ämter Kunstbauten verlangten, wurden die Investitionen zu gross. «Zudem konnten wir auch nicht auf finanzielle Unterstützung zählen», bedauert Arnold Zurkinden das Scheitern des Projekts. Weiterhin ist seine Alp also nur zu Fuss oder mit Fahrzeugen mit Allradantrieb zu erreichen.


