Das Geld macht manchem Betrieb Sorgen, besonders dann, wenn ein Projekt ansteht. Ein Weg, um Geld zu beschaffen, ist das Crowdfunding. Eine Gruppe von Menschen (Crowd) finanziert mit eigenem Geld das Projekt mit. Das kann direkt geschehen oder über eine der gängigen Crowdfunding-Plattformen. Christian und Lydia Näf führen das Geissenparadies auf der Göscheneralp UR und stehen damit hinter dem bisher erfolgreichsten Schweizer Crowdfunding-Projekt. Um den 30 Hektar grossen Bergbetrieb auf 1600 Metern zu kaufen, war Christian Näf 2016 auf der Suche nach 60 000 Franken. Am Schluss sind fast 150 000 Franken zusammengekommen.
Für ein neues Ökonomiegebäude, um alle Betriebszweige unter Dach und Fach zu bringen, sind sie nun wieder auf der Suche nach Spender(innen). Dieses Mal läuft die Finanzierung über den klassischen Weg. Christian Näf kennt also beide Formen des Geldsammelns, und sein Fazit für Betriebe ist klar: «Wer noch keine Erfahrung hat, sollte das Crowdfunding unbedingt über eine Plattform laufen lassen», sagt er. Der administrative Aufwand sei sonst einfach zu gross. «Zudem ist der Support dieser Plattformen super. Sie geben laufend Tipps.»
Crowdfunding ist simpel
Obwohl Crowdfunding in der Schweiz immer noch in den Kinderschuhen steckt, nahmen die Projekte auf der Plattform Gofundme zwischen 2020 und 2022 um ganze 40 Prozent zu. Beim Crowdfunding gibt es weniger administrative Hürden, als wenn bei Kantonen oder Stiftungen angeklopft werden muss.
Geld über eine Plattform zu sammeln, ist recht simpel: Die Bäuerin oder der Bauer erstellt auf einer der geläufigen Crowdfunding-Plattformen ein Profil und erfasst das Projekt.
Die gängigen Plattformen:
Bis 2024 gab es die Crowdfunding-Plattform «Yes we farm» auch in der Deutschschweiz. Nun ist sie aber nicht mehr auffindbar. Auf Anfrage der BauernZeitung nannte die Organisation den Grund: Leider rentierte sie nicht mehr.
Die Spender(innen) – auch Funder genannt – können dann direkt über die Plattform spenden. Die Plattform zwackt einen gewissen Prozentsatz ab. Meist liegt dieser zwischen zwei und fünf Prozent. Wie lange das Projekt läuft, hängt von der Plattform ab. Gofundme und Crowdify haben keine festgelegte Dauer. Die Zahlungen kommen aber laufend auf das hinterlegte Bankkonto – auch wenn das Endziel nicht erreicht wird. Kompliziert wird es nur bei den Steuern: Bietet man den Spender(innen) nur Goodies, gilt die Zahlung als Schenkung. Bekommen sie aber Anteile am Projekt, wird es kompliziert. Da lohnt sich eine Steuerberatung.
Authentisch sein und den Zeitgeist treffen
Der wichtigste Tipp beim Spendensammeln: «Authentisch sein», sagt Christian Näf. Persönliche Geschichten bewegen die Leute, und so sind sie eher zum Spenden bereit. Das Projekt müsse die Gesellschaft bewegen und nachhaltig sein. «Im besten Fall trifft es den Zeitgeist.»
Auf den meisten Crowdfunding-Plattformen muss eine kurze Beschreibung des Projekts mit Bildern und Videos angefügt werden. Wie bei einem Text sind Titel und Bild entscheidend. Der Titel sollte das Projekt kurz und knapp zusammenfassen. Und es sollte immer klar sein, wofür genau das Geld genutzt wird. Auch Videos können helfen. An ihnen bleiben Menschen hängen, und sie können schnell und einfach auf Social Media geteilt werden.
Videos zu schneiden ist auch kein Hexenwerk. Mit Apps wie CapCut oder Premiere Rush kann sogar auf dem Handy geschnitten werden. Auch Canva bietet ein Schnittprogramm, dieses ist etwas umständlicher. Dafür kann Canva selbst Untertitel generieren und versteht sogar Dialekt.
Tiere ziehen immer
In der Videosequenz sollte die Bäuerin oder der Bauer das Projekt kurz erklären. Wer kann, hält noch ein Büsi oder die Lieblingskuh in die Kamera – Tiere setzen immer einen Reiz zum Klicken.
Das Video muss danach auf die gewünschte Länge geschnitten werden. Die meisten Plattformen verlangen ein Video von ein bis zwei Minuten. «Unseres war sieben Minuten lang und zog trotzdem», sagt Christian Näf. Bei allen Tipps handelt es sich also um Richtwerte.
Doch wie komme ich an Spender(innen)?
Das Aufsetzen des Crowdfundings ist simpel, das Sammeln aber harte Arbeit. «Wichtig ist, alle Kanäle zu pflegen und immer up to date zu halten», sagt Christian Näf. Doch was meint er mit Kanälen?
Um möglichst viel Geld für das eigene Projekt zu sammeln, muss der Spendenlink in möglichst viele Postfächer, Chatverläufe, Posts, Storys und in den WhatsApp-Status gelangen. Social Media spielt eine grosse Rolle im Crowdfunding. Deshalb heisst es: Teilen, teilen, teilen. Dafür am besten das Video oder ein Bild mit dem Link zum Crowdfunding in die sozialen Medien stellen.
Am schnellsten verbreitet sich das Projekt, wenn man die Engsten vorher darüber informiert und diese das Ganze ebenfalls teilen.
Wer Reichweite will, findet diese aber auch offline: Dafür einen QR-Code erstellen und diesen mit dem Kurzbeschrieb ausdrucken, beispielsweise als Flyer, und in der nächsten Migros-Filiale am Korkbrett aufhängen, den Turngspänli bringen oder an verschiedenen Orten auflegen.
Laufende Updates
Wichtig ist, die sozialen Medien, die eigene Website und das Crowdfunding-Profil à jour zu halten. Wer spendet, interessiert sich meist für die Meilensteine. So sollten der Spatenstich der neuen Remise oder der fertig eingerichtete Hofladen unbedingt gezeigt werden. Auf einigen Plattformen können auch «Goodies» angeboten werden. So können Bäuerinnen oder Bauern beispielsweise eine hofgemachte Konfi für eine Spende von 100 Franken anbieten.

