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Tencel - die neue Holzklasse bei Textilien

Geht es um Kleidung , ist Tencel ist eine ökologische Alternative zu Baumwolle und erobert den Kleidermarkt. Hergestellt wird die Faser aus Holz.

Ob T-Shirts, Unterwäsche oder Funktionskleidung: Das Material Tencel scheint plötzlich allgegenwärtig zu sein und der neue Liebling vieler Kleidermarken. Doch was steckt hinter der Bezeichnung?

Tencel ist ein Markenname für Lyocell, eine aus natürlichen Rohstoffen industriell hergestellte Faser. Hinter der Marke steht die österreichische Lenzing Gruppe. Das weltweit agierende Unternehmen ist darauf spezialisiert, aus Holz Fasern zu gewinnen, aus denen unterschiedliche Textil- und Vliesstoffe gefertigt werden. Zudem hat sich Lenzing Innovation und die Förderung der natürlichen Kreislaufwirtschaft auf die Fahne geschrieben.

Nachhaltige Holzverwertung

Das Holz für Lyocell-Fasern stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft oder Plantagen und konkurriert daher nicht mit Flächen für den Nahrungsmittelanbau. Zum Einsatz kommt vor allem Eukalyptus-, Buchen-und Fichtenholz, zu einem kleinen Teil auch aus der Schweiz. Die Fasern werden in einem geschlossenen Kreislauf gefertigt. Das Prozesswasser wird recycelt und über 99 Prozent des Lösungsmittels wiederverwendet. Dazu kommt, dass die Lyocell-Faserim Anbau generell rund 20-malweniger Wasser braucht als konventionelle Baumwolle. Auch ist die Anbaufläche etwa viermal kleiner.

Wie trägt sich Tencel?

«Es gibt viele Kunden, die sagen, es ist das bequemste T-Shirt, das sie je getragen haben», antwortet das Bündner Startup-Kleiderlabel Muntagnard per Mail auf die Frage, wie denn die Rückmeldungen zu ihrer Tencel-Shirt-Linie seien. Die Gründer Dario Pirovino und Dario Grünenfelder kommen aus der Nachhaltigkeits- und Strategieberatung und produzieren nun langlebige Kleider mit höchstem Nachhaltigkeitsanspruch.

Das Material Tencel ist weich, glatt und weniger geruchsanfällig als synthetische Stoffe. Zudem ist es pflegeleicht, knittert kaum und glättet sich beim Tragen fast wie von selbst. Beliebt ist Tencel vor allem auch durch seine temperaturausgleichende Eigenschaft und seine Atmungsaktivität. Zum einen können die Fasern 50 Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Baumwolle. Zum anderen transportiert der Stoff Feuchtigkeit auf natürliche Art vom Körper weg und gibt sie an die Raumluft ab.

Kein Billigprodukt

Kein Wunder ist Tencel auch bei funktioneller Sportbekleidung beliebt. Hersteller wie Icebreaker oder Ortovox kombinieren die Faser mit Merinowolle. Das Mischmaterial bewährt sich vor allem bei schweisstreibenden Aktivitäten und hohen Temperaturen. Bewährt hat sich Tencel auch bei Bettwäsche und -decken, nicht zuletzt für Menschen mit Allergien.

Kleidungsstücke aus Tencel haben allerdings ihren Preis. So kostet ein Natural Skin Damenslip von Calida mit 80 Prozent Tencel Fr. 21.90. Für ein Muntagnard-Shirt aus 100 Prozent Tencel liegt die Investition bei Fr. 79.–

Ab auf den Kompost

Irgendwann schlägt jedem Kleidungsstück die letzte Stunde. Tencel-Fasern sind biologisch abbaubar und zu 100 Prozent kompostierbar. Aber wie? Lenzing selbst gibt nur an, dass Tencel nach 16 Wochen zu 100 Prozent abgebaut ist. Calida zeigt auf seiner Website einen Selbstversuch mit einem Wurmkomposter auf einem Balkon: Nach zehn Wochen ist von dem verwendeten Shirt nichts mehr zu sehen. Man kann die Tencel-Teile aber auch im nächstgelegenen Calida-Shop abgeben.

Muntagnard rät vom selber Kompostieren ab. Das Label bietet seinen Kunden aber an, alte Shirts zurückzuschicken, damit die Fasern professionell kompostiert, in den Kreislauf zurückgeführt und wiederverwertet werden können.

Weitere Informationen: www.muntagnard.ch | www.lenzing.com | www.calida.com

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