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Zürcher Regierung ohne konkrete Strategie zur kantonalen Ernährungssicherheit

Die Zürcher Regierung sieht den Lead für die Agrarpolitik und Nahrungsmittelversorgung primär beim Bund und nicht beim Kanton. Mitte-Kantonsrat Konrad Langhart und ZBV-Präsident Martin Haab nehmen Stellung dazu und sagen, was sie von den 3,5 Prozent zusätzlicher Biodiversitätsflächen auf Ackerflächen halten.

Gleich drei Anfragen zum Thema Versorgungs­sicherheit und zur zukünftigen Ausgestaltung der kantonalen Landwirtschaft wurden im März bei der Zürcher Regierung eingereicht:

Eine konkrete Strategie fehlt

Inzwischen hat die Regierung die Anfragen beantwortet, allerdings recht allgemein. So schreibt sie: «Die wichtigsten Pfeiler der kantonalen Agrarpolitik sind die Sicherstellung des Produktionsfaktors Boden, die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Arbeitskräfte und die Erhaltung der Biodiversität.» Auf die Frage nach der Strategie und konkreten Konzepten zur Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion (Anfrage Sommer-Langhart) hält sie fest:

«Die kantonale Politik hat nur beschränkten Einfluss auf die Produktion und damit die Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Erzeugnisse.»

Zürcher Regierung zur Frage nach der Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion

Haupteinflüsse auf die Agrarstrukturen seien die Verhältnisse auf den Agrarmärkten, die Bundesagrarpolitik und die gesamtwirtschaftliche Situation.

Konrad Langhart, Biobauer aus Stammheim und Mitte-Kantonsrat, sagt, es sei leider zu erwarten gewesen, dass die Regierung keine Strategie präsentieren werde, da Agrarpolitik primär Bundessache sei. «Die Regierung hat darauf hingewiesen, was bereits gemacht wird im Kanton Zürich und das anerkennen wir.»

ZBV spricht von Vorkriegsfloskeln

Ganz anders tönt es bei Martin Haab, Präsident des Zürcher Bauernverbands (ZBV) und SVP-Nationalrat.

«Die Antworten der Regierung zur Versorgungssicherheit sind sehr dünn und reine Vorkriegsfloskeln.»

Martin Haab, ZBV-Präsident und SVP-Nationalrat

Die Folgen des Ukraine-Krieges seien nicht berücksichtigt worden. Insgesamt tue sich der Kanton Zürich schwer mit dem Fakt, dass die Produktionsflächen erhalten bleiben sollen und die Ökologie qualitativ und nicht quantitativ verbessert werden sollte, so Haab.

Nicht auf Kosten der Umwelt

Eine gesicherte Nahrungsmittelproduktion ist auch Konrad Langhart ein wichtiges Anliegen. «Sie darf aber nicht auf Kosten der Umwelt geschehen.» ­Solange die Schweiz noch Nahrungs- und Futtermittel importieren kann, sei eine Ausdehnung der Produktion ohnehin kein Thema, glaubt der Biobauer. Irgendwann werde sich jedoch die Frage stellen, welche Kulturlandflächen für den Futtermittelanbau verwendet werden und welche Flächen für die menschliche Ernährung.

«Das Potenzial zur Erhöhung der Selbstversorgung ist sicherlich vorhanden.»

Konrad Langhart, Biobauer und Mitte-Kantonsrat

Bauernverbände unterstützen Forderung des ZBV

Auf Bundesebene viel zu reden gibt derzeit die Neuerung, dass ab 2024 zusätzlich 3,5 Prozent der Biodiversitätsflächen (BFF) auf Ackerflächen ausgeschieden werden müssen. Letzte Woche schrieb der ZBV einen offenen Brief an Bundesrat Guy Parmelin mit der Forderung, dass bei deren Berechnung sämtliche Leistungen zu Gunsten der Biodiversität auf den Fruchtfolgeflächen angerechnet werden. Damit würden alle heute bestehenden ökologischen Elemente bei der künftigen Berechnung berücksichtigt und liefen nicht Gefahr, zerstört zu werden, so der ZBV. «Das Bundesamt für Landwirtschaft und das Bundesamt für Umwelt waren sich der Tragweite dieser Änderung nicht bewusst», sagt Haab.

Rückendeckung erhält der ZBV von den Präsidien der Ostschweizer Bauernverbände. Der Schaffhauser Christoph Graf berichtet, dass in seinem Kanton bereits viele Betriebe auf diese «stupide Neuerung» reagiert und BFF-Flächen gepflügt hätten, damit die Flächen wieder den Ackerland-Status haben. Maja Grunder, Präsidentin des VTL, zeigt sich teilweise kompromissbereit: «Ich würde dem neuen Artikel insofern entgegenkommen, dass nicht alle BFF angerechnet werden sollten, sondern nur alle BFF mit Status Q II und alle BFF, die direkt an eine offene Ackerfläche grenzen.» Ziel müsse sein, die Qualität der BFF zu steigern und nicht die Quantität.

Wahrscheinlich weniger Flächen betroffen

Langhart sagt: «Das Vorhaben kommt angesichts des Ukraine-Krieges zu einem falschen Zeitpunkt. Aber das Problem ist nicht so gross, wie es vom ZBV dargestellt wird.» Er geht davon aus, dass die effektiv «verlorene» Fläche nicht so hoch ist, da die Acker-BFF heute teilweise schon vorhanden sind, weite Saaten teilweise dazu zählen und zusätzliche BFF erfahrungsgemäss eher nicht auf bestem Ackerland ausgeschieden würden.

«Die Ernährungssicherheit der Schweiz hängt nicht von diesen 3,5 Prozent ab. Eine grössere Wirkung hätten ein tieferer Fleischkonsum und weniger Food Waste.»

Konrad Langhart zur Forderung des ZBV

Dies ist allerdings ein gesellschaftliches Problem und nicht primär eines der Landwirtschaft.

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