In wissenschaftlichen Kreisen bestreitet es kaum mehr jemand: Der Klimawandel ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Die Landwirtschaft ist Treiberin wie auch Getriebene der Erderwärmung. Die Schweizerische Gesellschaft für Agrarwirtschaft und Agrarsoziologie (SGA) hat ihre diesjährige Online-Tagung dem Thema «Landwirtschaft im Kontext des Klimawandels» gewidmet. 40 Forschende zeigten ihre neusten Erkenntnisse zum Thema.
Eine davon ist Nina Buchmann, Professorin für Graslandwissenschaften am Institut für Agrarwissenschaften an der ETH Zürich. Sie benennt das Problem unverblümt: Die Landwirtschaft müsse 20 bis 30 Prozent des Treibhausgasausstosses in der Schweiz verantworten. Gleichzeitig sei sie Leidtragende von längeren Trockenheitsperioden und steigenden Temperaturen.
Weniger Kühe, mehr Methan
80 Prozent der Emissionen aus der Landwirtschaft hängen mit der Tierproduktion zusammen. «Zwar leben seit 1990 ein Drittel weniger Rinder in der Schweiz. Sie stossen aber mehr Methan aus», sagt Nina Buchmann. Sie spricht von einem Plus von 45 Prozent. Der Grund: Die Milchleistung ist erheblich gestiegen.
Um den Treibhausgas-Ausstoss in der Landwirtschaft zu verringern, sei der Hebel folglich bei der Tierproduktion anzusetzen. Buchmann sieht grosses Einsparpotenzial bei der Lagerung von Hofdünger. Sie macht auch auf Zielkonflikte zwischen Tierwohl, Futterverwertung und Klimaschutz aufmerksam: So stossen raufutterverzehrende Tiere tendenziell mehr Methan aus als solche, die grössere Kraftfutterrationen fressen. Dilemmas wie dieses sind in der Treibhausgas-Problematik vielfältig.
70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Schweiz sind Grünflächen. Beständige Wiesen sind grundsätzlich Kohlenstoff-Senken. Das heisst, sie reichern mehr Kohlenstoff im Boden an, als sie freisetzen. Buchmann zeigt dies am Beispiel einer intensiv bewirtschafteten Wiese im Kanton Zug. Auf dem gezeigten Feld haben sich im Schnitt zwei Tonnen Kohlenstoff pro Jahr kumuliert.
Brachen vermeiden
Einen Schönheitsfehler gibt es jedoch: Pflügt man eine Wiese um – um sie zum Beispiel neu anzusäen –, geht innerhalb eines Sommers die kumulative Leistung von ungefähr fünf Jahren verloren. Heisst: Ein Jahr Umbruch hat fünf Jahre Kohlenstoff-Fixierung gekostet. «Eine Ein- oder Übersaat wäre vorzuziehen», sagt Nina Buchmann. Brachen sollten aus Gründen der Treibhausgas-Reduktion nur kurz, oder wenn möglich gar nicht gemacht werden. Das gilt fürs Grünland, aber insbesondere auch fürs Ackerland.
Zu schaffen machen wird der Klimawandel den Landwirten vor allem in punkto Trockenheit. Bei Trockenheits-Experimenten im Grasland beobachtet man bis zu 30 Prozent Ernteausfall, jedoch ist dies sehr standortspezifisch. Deshalb wagt Buchmann keine Hochrechnungen zu potenziellen Ernteausfällen über die ganze Schweiz. Was jedoch mit grosser Sicherheit gesagt werden kann: Der Unkrautdruck wird auf trockeneren Böden wohl steigen. Qualitativ minderwertige Arten drängen sich in den Vordergrund.
Klimarelevanter Abfall
Nina Buchmann geht auch auf das Thema Food Waste ein. Hierzulande landen pro Jahr so viele Nahrungsmittel im Abfall, wie die Schweizer Bevölkerung pro Monat verspeist. Die Hälfte des Lebensmittelabfalls entsteht in privaten Haushalten. «Würde dieser Abfallberg reduziert, könnten rund 13 Prozent der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft eingespart werden», sagt Buchmann. Die Wissenschaft ist gefragt, Lösungen für eine klimafreundlichere Produktion zu finden. Die Gesellschaft kann in der Food-Waste- Problematik ihren Teil zurErreichung der Klimaziele beitragen.

