In der Region um Landquart GR habe der Pflanzenschutzmittelwirkstoff Spinosad an zwei Standorten 45 Bienenvölker vergiftet, berichtete der SRF in der letzten Woche. Zahlreiche Bienen starben, der Rest sei geschwächt. Nicht nur private Imker, sondern auch das landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof in Landquart vermeldete tote Bienen in seinen 35 Völkern.
Die notwendigen Sanierungsmassnahmen seien aufwendig und führten zu grossem Mehraufwand sowie zu Ertragsausfällen, schreibt der Plantahof in einer Mitteilung zu den Vorfällen.
Totale Brutentnahme als Konsequenz
Auf dem Plantahof waren vor allem der grösste Teil der Sammelbienen von der Vergiftung betroffen, welche jeweils rund ein Viertel bis ein Drittel eines Bienenvolkes ausmachen. «Dank der hohen Anpassungsfähigkeit des Bienenvolkes können solche Verluste zu dieser Jahreszeit ausgeglichen werden.
Bienen aus anderen Altersklassen übernehmen die Aufgabe der Sammelbienen», schreibt der Plantahof und berichtet über das weitere Vorgehen: Um PSM-Rückstände in Futter, Pollen und Bienenwachs zu vermeiden, wurden sämtliche Futter- und Brutwaben (totale Brutentnahme) aus den betroffenen Völkern entfernt.
Verlust der Sammelbienen kann jetzt noch kompensiert werden
Das Verfahren der totalen Brutentnahme werde auch in der biotechnischen Varroabekämpfung eingesetzt und verursache im Gegensatz zur konventionellen Behandlung mit Ameisensäure keinen zusätzlichen Stress für die Bienenvölker. Zum jetzigen Zeitpunkt des Jahres seien die Völker noch in der Lage, den Verlust der Sammelbienen zu kompensieren. Im August sieht dies anders aus, da dann die Aufzucht der langlebigen Winterbienen beginnt.

Auf den umliegenden Landwirtschaftsbetrieben wurden in der Folge amtliche Probenahmen angeordnet. Dabei wurden von den infrage kommenden Kulturen Blattproben entnommen und in einem spezialisierten Labor auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. Ziel dieser Analysen ist es, die Herkunft des Wirkstoffs und den genauen Hergang des Vorfalls zu eruieren, wie der Plantahof erklärt.
Verändertes Flugverhalten durch Hitze
Rolf Hug, Leiter des Gutsbetriebes Plantahof, erklärte gegenüber dem SRF, dass PSM, die den Wirkstoff Spinosad enthalten, nur zu Zeiten ausgebracht werden dürfen, in denen die Bienen nicht fliegen, also am besten nachts beziehungsweise spät am Abend oder sehr früh am Morgen.
Möglicherweise habe der Hitzesommer einen Einfluss auf das Flugverhalten der Tiere, sodass es auch bei einer vermeintlich sachgemässen Anwendung des PSM zu einer Kontamination gekommen ist. Der Verein «Bienen Schweiz» fordere nun die genaue Überprüfung der für das Insektizid geltenden Vorschriften.
Anwendungsvorschriften genügen
«Da Bienenvergiftungen in diesem Ausmass selten sind, gehe ich persönlich davon aus, dass die Anwendungsvorschriften grundsätzlich genügen. Spinosad ist ein recht häufig eingesetztes Insektizid und ich persönlich kenne aktuell keine anderen Fälle. Somit ist davon auszugehen, dass es sich eher um einen Einzelfall handelt», ordnet Rolf Hug gegenüber der BauernZeitung ein.

