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De Knar Dairy: Milchproduktion zwischen holländischer Erfahrung und kanadischer Weite

Von der niederländischen Milchviehhaltung in die Weite Albertas: Andrea Verhoef führt mit De Knar Dairy einen modernen Familienbetrieb mit Platz für rund 600 Holstein-Kühe. Der Betrieb setzt auf eigene Futtergrundlagen, eine konsequente Kälberaufzucht und Technik, die hilft, jede einzelne Kuh im Blick zu behalten.

Die Geschichte von De Knar Dairy beginnt nicht in Kanada, sondern in Europa. Andrea Verhoef und ihre Familie waren bereits in den Niederlanden in der Landwirtschaft tätig und brachten langjährige Erfahrung in der Milchviehhaltung mit, als sie sich für einen neuen Weg entschieden.

Im Jahr 2005 fiel die Entscheidung für den Schritt über den Atlantik. Ausschlaggebend waren vor allem die besseren Entwicklungsmöglichkeiten für einen Familienbetrieb. Während die verfügbaren Flächen in den Niederlanden zunehmend begrenzter wurden, bot das kanadische Alberta mehr Raum für Wachstum und langfristige Perspektiven.

«Wir kamen nicht ohne Erfahrung nach Kanada. Die Landwirtschaft war schon immer Teil unseres Lebens. Der Unterschied war, dass wir hier andere Möglichkeiten für die Weiterentwicklung unseres Betriebs sahen», erzählt Andrea Verhoef während des Besuchs der Leserreise der BauernZeitung.

Aus dem Neustart entwickelte sich über die Jahre ein leistungsfähiger Milchviehbetrieb, der heute fest in der Region verankert ist.

600 Kühe und ein durchorganisierter Betrieb

Heute bietet De Knar Dairy Platz für rund 600 Holstein-Kühe. Bei dieser Herdengrösse sind klare Strukturen und eine genaue Organisation entscheidend. Vom Melken über die Fütterung bis zur Tierkontrolle greifen die verschiedenen Bereiche eng ineinander.

Gemolken wird in einem Melkkarussell. Drei Mitarbeitende sind gleichzeitig im Einsatz und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Die Kühe werden täglich kontrolliert, und jede Kuh durchläuft den normalen Melkprozess. Milch von Tieren, die beispielsweise krank sind oder medikamentös behandelt werden müssen, wird separat gesammelt.

Die Milch wird alle zwei Tage vom Betrieb abgeholt und gelangt anschliessend zur weiteren Verarbeitung. De Knar Dairy ist Teil des Milchsystems von Alberta und arbeitet mit Alberta Milk zusammen, der Organisation der Milchproduzenten in der Provinz.

Trotz der Grösse ist der Betrieb ein Familienunternehmen geblieben. Zwei der Kinder von Andrea Verhoef arbeiten inzwischen ebenfalls im Betrieb mit.

Grosse Dimensionen im Melkzentrum – Raum für Kühe, Technik und effiziente Zusammenarbeit.(Bild: Julia Frömer)

Kälberaufzucht und eigene Futtergrundlage

Ein besonderer Schwerpunkt von Andrea Verhoef liegt bei den Kälbern. Die Jungtiere bleiben auf dem Betrieb und werden für die eigene Herde aufgezogen. Die ersten Lebenswochen haben dabei einen besonders hohen Stellenwert, denn sie legen die Grundlage für die spätere Entwicklung der Tiere.

Die Kälber erhalten ausschliesslich pasteurisierte Milch und werden gezielt betreut, damit sie sich gesund entwickeln können. Der Betrieb verfügt über zwei separate Melkstände: einen für die gesunden Kühe und einen für Tiere mit gesundheitlichen Problemen, etwa Euterentzündungen, erhöhten Zellzahlen oder während beziehungsweise nach einer medikamentösen Behandlung. Die Milch der gesunden Kühe wird an die Molkerei geliefert. Die Milch der kranken oder behandelten Tiere darf hingegen nicht verkauft werden. Anstatt sie zu entsorgen, wird sie pasteurisiert, wodurch mögliche Krankheitserreger reduziert werden, und anschliessend an die Kälber verfüttert. So kann die Milch sinnvoll genutzt werden, ohne Kompromisse bei der Tiergesundheit einzugehen.

«Gerade bei den Kälbern entscheidet sich vieles für die Zukunft. Man sieht nicht sofort das Ergebnis, aber die Aufzucht legt die Grundlage für die späteren Kühe», erklärt Andrea Verhoef.

Die eigene Nachzucht ermöglicht es De Knar Dairy, die Entwicklung der Herde langfristig selbst zu steuern. Gleichzeitig bleibt der Betrieb unabhängiger, weil die benötigten Jungtiere aus den eigenen Strukturen stammen.

Mit Daten den Überblick behalten

Mit mehreren hundert Kühen gewinnt die Beobachtung jedes einzelnen Tieres zunehmend an Bedeutung. De Knar Dairy setzt deshalb auf moderne Managementsysteme, die bei der Überwachung der Herde unterstützen und wichtige Informationen für den Betriebsalltag liefern.

Auch Anwendungen mit künstlicher Intelligenz kommen zum Einsatz. Sie helfen dabei, Daten auszuwerten und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Die Technik ersetzt dabei nicht die tägliche Erfahrung der Betriebsleiter, sondern ergänzt sie. Der entscheidende Faktor bleibt der genaue Blick für die Tiere und das Verständnis für ihre Bedürfnisse.

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