Jährlich verursachen Hagelereignisse grosse Schäden in der Schweizer Landwirtschaft, wie zuletzt Ende Juni im Zürcher Unterland. Wie sich Landwirtinnen und Landwirte gegen solche Risiken absichern können und worauf es bei der Versicherung von Ackerkulturen, Reben und Obst ankommt, erklärt Urs Schuler, Leiter Pflanzenversicherungen bei der SH Group/Schweizer Hagel.
Wie können sich Schweizer Landwirtinnen und Landwirte heute und künftig gegen Wetterextreme wie Hagel absichern?
Es gibt verschiedene Massnahmen, um sich abzusichern. Wichtig ist, zwischen Hagel, einem Risiko, das bisher kaum von der Klimaerwärmung beeinflusst wird, und anderen, stärker durch den Klimawandel beeinflussten Risiken wie Starkregen, Überschwemmungen oder Trockenheit zu unterscheiden.
Grundsätzlich helfen Diversifizierung, also eine vielfältige Fruchtfolge oder verschiedene Betriebszweige sowie eine gute Lagerhaltung, insbesondere im Futterbau. Auch Investitionen in Witterungsschutzsysteme wie Hagelnetze oder Überdachungen sind sinnvoll.
Wie sieht es bei Risiken aus, die durch den Klimawandel verstärkt werden?
Hier sind Anpassungen gefragt, wie Bodenverbesserung und der Anbau neuer, widerstandsfähiger Kulturen und Sorten. Auch hier bleibt die Diversifizierung ein zentrales Element.
Welche Kulturen leiden besonders unter Hagelschäden und wie sind diese bei der SH Group versicherbar?
Die Versicherung ist ein wichtiger Pfeiler. Die SH Group bietet für praktisch alle Freilandkulturen einen umfassenden Schutz gegen Hagelschäden an. Besonders empfindlich sind Kulturen wie Blumen, Obst, Gemüse und Tabak. Hier kann bereits ein leichter Hagelschlag zur Unverkäuflichkeit führen. Entscheidend ist immer das Vegetationsstadium zum Zeitpunkt des Schadens.
Nach den Hagelschäden im ersten Halbjahr: Gibt es bereits erste Schätzungen zu den entstandenen Schäden und besonders betroffenen Kulturen?
Im ersten Halbjahr 2026 wurden Hagelschäden in der Höhe von 7 bis 10 Millionen Franken gemeldet. Betroffen waren praktisch alle Kulturkategorien, wobei Ackerkulturen und Reben besonders ins Gewicht fallen.
Wie läuft das Vorgehen bei einem Hagelschaden seitens SH Group ab?
Nach Eingang der Schadenmeldungen werden diese nach Regionen und Kulturen sortiert. Unsere Expertinnen und Experten schätzen die Schäden vor Ort ab. Die Entschädigungen werden dann gebündelt im Herbst ausbezahlt.
Worauf sollten Versicherte im Schadenfall besonders achten, vor allem bei Kulturen kurz vor der Ernte?
Schäden sollten rasch gemeldet und notwendige Rettungsmassnahmen sofort ergriffen werden. Falls die Ernte nicht warten kann, müssen repräsentative Probestücke stehen gelassen werden, damit eine korrekte Schadenabschätzung möglich ist.


